Weltklimagipfel 2022

Was haben die bisher 26 Klimakonferenzen gebracht?

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Nadine Gode
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Sola Hülsewig

Am 6. November beginnt die 27. Weltklimakonferenz im ägyptischen Sharm El Sheikh. Was haben die bisherigen 26 Gipfel erreicht? Werden die bisherigen Zusagen erfüllt?

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Ein Meilenstein: Das Pariser Klimaabkommen

Eines der wohl wichtigsten Ergebnisse der bisherigen Weltklimakonferenzen ist das Pariser Klimaabkommen von 2015. Damals verpflichteten sich 195 Staaten dazu, den Klimawandel einzudämmen: Der globale Temperaturanstieg soll bis zum Jahr 2100 möglichst auf 1,5 Grad Celsius eingedämmt werden.

Der damalige französische Präsident Francois Hollande und der damalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon beim COP21 (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Nach der Annahme des Pariser Abkommens applaudieren der damalige französische Präsident Francois Hollande und der damalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in Le Bourget bei Paris im Dezember 2015. Picture Alliance

Staaten legen ihre Klimaziele fest

Bereits vor der Klimakonferenz in Paris war beschlossen worden, dass die Länder vorab ihre beabsichtigten nationalen Klimabeiträge einreichen sollten - spätestens im Laufe des Jahres 2015. Eine Voraussetzung, um Teil des Paris-Abkommens werden zu können. Lutz Weischer gehört zur politischen Leitung der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch. Er sagt, dies sei wie geplant umgesetzt worden.

Klimaziele reichen nicht aus

Alle fünf Jahre sollen die nationalen Klimaziele aktualisiert werden. Doch die jüngsten Auswertungen des UN-Klimasekretariats zeigen: Die Anstrengungen zum Klimaschutz reichen in Summe nicht aus. Bereits jetzt liegt die Erwärmung bei 1,2 Grad. Dennoch haben nur 24 der fast 200 Staaten ihre Ziele in diesem Jahr angepasst.

“Enttäuschend” nennt dies der Chef des UN-Klimasekretariats, Simon Stiell. Der Bericht des UN-Klimasekretariats wird erst zum zweiten Mal herausgegeben. Immerhin: Gegenüber dem Vorjahr fällt er etwas günstiger aus. Die Experten erwarten bis 2030 “nur” noch einen Anstieg der Treibhausgase um 10,6 Prozent gegenüber dem Stand von 2010 - im ersten Bericht waren sie noch von 13,7 Prozent ausgegangen. Der Ausstoß müsste allerdings um fast die Hälfte zurückgehen.

100 Milliarden Dollar für Klimaschutz

Für Maßnahmen zum Klimaschutz und für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels wurde 2009 in Kopenhagen eine Summe festgelegt, die pro Jahr vor allem von den Industrieländern mobilisiert werden soll: 100 Milliarden Dollar ab 2020. Doch auch dieses Ziel konnte bis jetzt nicht erreicht werden, erklärt Lutz Weischer.

"Das ist ein Armutszeugnis. Es sind die reichsten Länder der Welt, über die wir hier reden."

Wie viel Geld braucht die Klimafinanzierung wirklich?

Klimaexperten sind sich außerdem einig, dass auch 100 Milliarden Dollar nicht ausreichen. Doch wie viel genau gebraucht werde, darin seien sie unterschiedlicher Meinung, sagt Niklas Höhne. Er ist Mitbegründer des NewClimate Instituts Köln und Professor für die Minderung von Treibhausgasemissionen an der Universität Wageningen in den Niederlanden.

"Die 100 Milliarden stehen im Raum als Klimafinanzierung. Es gibt andere Studien, die sagen, das müssen 500 bis 700 Milliarden sein, die da investiert werden."

Kanzler Scholz will deutschen Anteil an Klimafinanzierung erhöhen

Dennoch habe kein Land in den letzten zehn Monaten Ambitionen gezeigt, seinen Anteil an der Klimafinanzierung zu erhöhen. Den deutschen Beitrag möchte Bundeskanzler Scholz bis 2025 von vier auf sechs Milliarden Euro anheben. Das höre sich zwar zunächst nach viel Geld an, so Höhne: "Es ist aber eigentlich gar nicht so viel. Denn zum Vergleich kann man sagen: Die Flut im Ahrtal hat den deutschen Staat 30 bis 40 Milliarden gekostet."

Für 2025 soll die Klimafinanzierung nach oben angepasst werden. "Es ist ja nicht so, dass wir nicht genügend Geld hätten", so Höhne, "sondern wir müssen eigentlich die Finanzströme von den schlechten Dingen zu den guten Dingen umleiten."

Kosten des Klimawandels steigen

Klar ist, dass die Auswirkungen des Klimawandels mit den Jahren drastischer werden und immer größere Anstrengungen nötig werden, entgegenzuwirken.

"Die Kosten, jetzt noch schnell das Ruder rum zu reißen und unter 1,5 Grad zu bleiben werden auch höher. Alles muss schneller gehen, wir haben in den letzten Jahrzehnten geschlafen."

Doch wo das Geld im Endeffekt eingesetzt wird, hängt auch von den wirtschaftlichen Interessen ab. Das meiste werde somit in die Energiewende investiert, zum Beispiel in den Bau von Windrädern. Reine Anpassungen an die Klimaveränderung, wie der Bau von Deichen, komme dabei oft zu kurz. Von den Entwicklungsländern werden diese jedoch ausdrücklich gefordert. Wenn dafür das Geld an diesem Ende fehlt, warnt Klimaexperte Lutz Weischer davor, dass auch die Bereitschaft und die Möglichkeit der Entwicklungsländer schwinden würden, weiter auf den Klimaschutz zu setzen.

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