Frittierte Grillen als Delikatesse (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Chris Humphrey)

Neuer Food-Trend

EU erlaubt Grillenpulver in Lebensmitteln – was taugen Insekten als Zutat?

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Levin Sallamon

Die EU erlaubt ab heute, den 24. Januar 2023, in allen Mitgliedsstaaten das Beimischen von Grillenpulver in Lebensmittel. Was gilt für Verbraucher?

Nach einer Erweiterung der Lebensmittelverordnung dürfen EU-weit neben Heuschrecken und Mehlwürmern auch Grillen und Getreideschimmelkäfer zu Lebensmitteln verarbeitet werden. Das Heimchen, die Hausgrille, ist ein knapp zwei Zentimeter langes Insekt. Für Produkte, in denen sie verarbeitet ist, gibt es eine Kennzeichnungspflicht: Die Grille muss also in der Zutatenliste aufgeführt sein.

Beim Einkauf von Nahrungsmitteln können Verbraucherinnen und Verbraucher dann zum Beispiel das "teilweise entfettete Pulver aus Acheta domesticus (Hausgrille)" lesen. In anderer Form gibt es dieses und andere Tierchen schon länger am Markt. Getrocknete Mehlwürmer und Wanderheuschrecken, die Heimchen – jetzt also auch als Pulver: die EU sieht keinen Grund, warum man das nicht essen sollte. Alles darf angeboten werden.

Insekten sind eine hochwertige Proteinquelle

Neuartige Nahrungsmittel wie diese müssen aber eigens zugelassen werden. Die Zulassungen stellt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA aus. Das Geschäftsmodell mit Insektenprotein läuft an, immer mehr Anträge werden abgearbeitet. In anderen Teilen der Welt gelten Insekten schon lange als Nahrungsmittel. Sie müssen gekennzeichnet sein, auch und besonders für Allergiker. Denn Insekten sind eiweißreich und Eiweiße können Allergien – im Zweifel auch Kreuzallergien – auslösen. Etwa bei Menschen, die gegen Krebstiere oder Hausstaubmilben allergisch sind.

"Insekten haben einen Proteingehalt von mehr als 50 Prozent."

Als Eiweißquelle könnten Insekten vor allem für sportliche Menschen interessant sein, sagt Frank Seidel, Betreiber einer Salatbar in Ludwigsburg. Bereits seit 2015 bietet er Grillen, Heuschrecken, Mehl- sowie Buffalo-Würmer als Topping auf Salaten in seinem Betrieb an. Das Interesse beschreibt er als groß, einige Kunden nähmen für einen Salat mit dem gewissen Extra mehr als eine Stunde Fahrtzeit in Kauf.

Ein Salat mit Buffalo Würmern  (Foto: IMAGO, IMAGO / CTK Photo)
Buffalo Würmer sind große Proteinquellen und erinnern als Salat-Topping geschmacklich etwa an Croutons. IMAGO / CTK Photo

Insektenhaltung – einfach und ökologisch

Viele Menschen hätten bis heute falsche Vorstellungen davon, was es bedeute, Insekten zu essen. "Sie denken, die kleinen Tiere schmecken besonders weich und glibberig, das stimmt aber nicht", sagt Seidel. Seine Mehlwürmer und Grillen sind gefriergetrocknet und werden für zwei Minuten in der Pfanne angebraten. Erhitzt und angebraten sind die Tiere in Größe und Konsistenz etwa mit Croutons vergleichbar. Der Gastronom beschreibt das Aroma als leicht nussig.

Für ihn ist zudem die Haltung der Tiere interessant. Aus ökologischer Perspektive bieten Insekten Vorteile, da sie kaum Wasser oder Futter benötigten. Außerdem nähmen die Tiere für Haltung und Transport wenig Platz in Anspruch.

Insekten sind bisher kaum in unseren Essgewohnheiten vertreten

Obwohl Insektenpulver grundsätzlich auch Backwaren oder Frühstücks-Cerealien als Proteinquelle beigemischt werden darf, sind Insektenprodukte bisher noch ein absolutes Randthema auf dem Teller.

Wenn überhaupt, werden sie nicht versteckt, sondern explizit als Besonderheit angeboten und beworben: Insekten-Burger, Proteinriegel aus Insekten, gewürzte Heuschrecken oder mit Schokolade überzogene Mehlwürmer.

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