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Die Rede von Bundestagspräsident Philipp Jenninger in Erinnerung an die Novemberpogrome 1938 stand von Anfang an unter keinem guten Vorzeichen.

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Im Vorfeld gab es ein ziemliches Gerangel unter den Bundestagsfraktionen, wie groß die Gedenkstunde ausfallen sollte, wer reden darf und wer nicht. Nicht reden durfte Heinz Galinski, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland. Das hatte die Unions-Fraktion blockiert. So redet allein Philipp Jenninger – und sein Versuch, die Judenverfolgung verstehen und erklären zu wollen, wird dann als so unangemessen empfunden, dass er tags drauf zurücktreten muss. Hier die komplette Rede.

Jenninger sprach anlässlich des 50. Jahrestags der Novemberpogrome 1938. Er setzte auf das Stilmittel der erlebten Rede, um zu erklären, wie es zur systematischen Verfolgung der Juden in Deutschland kommen konnte. Dabei zitierte er auch einige nationalsozialistische Formulierungen, unter anderem von Reichsführer SS Heinrich Himmler.

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Gleich nachdem Philipp Jenninger im Deutschen Bundestag seine Gedenkrede anlässlich des 50. Jahrestags der Novemberpogrome 1938 beendet hatte, übten viele Parlamentarier Kritik am Vortrag des Bundestagspräsidenten. Hans-Jochen Vogel von der SPD hielt die Rhetorik der Rede für nicht angemessen, sah in Jenninger aber auch keinen Nationalsozialisten. Für Otto Schily - damals noch Mitglied der Fraktion der Grünen - waren die Verfehlungen hingegen so gravierend, dass er den Bundestagspräsidenten aufforderte, sich über seinen möglichen Rücktritt Gedanken zu machen.

Bis heute gilt sein Vortrag als Musterbeispiel misslungener Rhetorik. Aufgrund des öffentlichen Drucks trat Jenninger bereits am 11. November, nur einen Tag nach seiner Rede, von seinem Amt als Bundestagspräsident zurück.

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