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Louisa Adolpha Le Beau: Trio für Violine, Violoncello und Klavier d-Moll, op. 15

Louise Adolpha Le Beau war eine der wenigen Frauen, die es gewagt hat: Mit 16 Jahren entschloss sich die gebürtige Badenerin Komponistin zu werden und nahm mutigen Schrittes und voller Hoffnung Kurs auf die Musikwelt. Doch sie stieß auf Widerstand, wie auch schon Clara Schumann einst, und ging schließlich in der Männer-Domäne unter. Heute ist ihr Werk als fast vergessen – zu Unrecht, meint das Klaviertrio Kephiso, das 2014 für den SWR Le Beaus wohl bedeutendstes Werk eingespielt hat: das Trio für Violine, Violoncello und Klavier d-Moll, op. 15.

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Luise Adolpha Le Beau 1872 (Foto: Badische Landesbibliothek -)
Luise Adolpha Le Beau Badische Landesbibliothek -

Louise Adolpha Le Beau war keine Träumerin, sondern eine junge Frau, die wusste, was sie wollte. Als Kind einer kunstaffinen Familie war ihr relativ früh klar, dass Musik das Schönste sei, dass es in ihrer Welt gebe. Mit fünf Jahren lernte sie Klavierspielen, später Violine und mit 16, den Schulabschluss gerade in der Tasche, stand ihr Entschluss fest: „Ich werde Komponistin“. Dafür ging sie bei verschiedenen Musikern in die Lehre, lebte in Karlsruhe, München, Wiesbaden und Berlin, bis sie sich zusammen mit ihrer Familie in Baden-Baden niederließ. 

Le Beau – die Unersättliche

Le Beau war talentiert und gescheiter als mancher junge Mann, der sich das gleiche Ziel wie sie in den Kopf gesetzt hatte. Selbst der berühmte deutsche Pianist und Dirigent Hans von Bülow, der eigentlich nichts von komponierenden Frauen hielt, war so angetan von ihr, dass er sie zu Josef Rheinberger schickte. Er war zur damaligen Zeit einer der bedeutendsten Lehrmeister für Kontrapunkt, Form- und Harmonielehre. Le Beau folgte Bülows Empfehlung, auch wenn sie schnell bemerkte, dass sie im Selbststudium mehr lerne, als bei Rheinberger. Er war ein Meister der alten Schule. Sie aber wollte so wie Wagner oder Berlioz arbeiten, modern eben. 

Rheinberger aber auch viele andere, die Le Beau in dieser Zeit kennenlernte, sagten ihr, sie solle Lieder oder Salonstücke schreiben, etwas, das einfach ist, und eher zu einer Dame wie ihr passe. Le Beau passte das gar nicht. Denn das war nicht das, was sie wollte, geschweige denn konnte. Also versuchte sie eigenständig größere Werke zu komponieren. Dabei entstanden u.a. ein Oratorium und eine sinfonische Dichtung. Doch anstatt gebührende Anerkennung für ihre Arbeiten zu bekommen, lief sie gegen geschlossene Türen. In ihrem Buch „Lebenserinnerungen einer Komponistin“ schrieb sie: „Um auf die vielen Schwierigkeiten hinzuweisen, welche einer Dame auf dem Gebiet der musikalischen Komposition entgegenstehen, auf den Neid und die Missgunst der Kollegen, sowie auf die Vorurteile und den Unverstand.“ 

Le Beau – die Widerstandsfähige

Trotzdem war Le Beaus in den Kulturzentren des deutschsprachigen Raums längst keine Unbekannte mehr. Ihr Talent und ihre außergewöhnliche Begabung hatten sich herumgesprochen und waren Teil des zeitgenössischen Diskurs‘. Dennoch konnten sich die damaligen Musikkritiker nie dazu hinreißen lassen, ausschließlich Positives über sie zu schreiben. Eduard Hanslick: „Die großen Formen der Kammermusik, welche Fräulein le Beau als die erste ihres Geschlechts kultiviert, erzwingen unsern Respekt …, rechtfertigen aber auch manche Besorgnis. Denn sie bringen eine nicht reiche Erfindungskraft notwendig in Gefahr, breit und redselig zu werden”. 

Le Beau – die Resignierte

Eigentlich gehörte Le Beau nicht zu dieser Sorte Mensch, die schnell aufgeben, wenn es ungemütlich wird. Trotzdem spürte sie deutlich, dass sich, so sehr sie sich auch darum bemühte, andere von ihrem Talent zu überzeugen, vorerst nichts ändern würde. Deshalb brach sie mit der Musik, ohne sie jedoch ganz aufzugeben. Vielmehr agierte sie nun im Hintergrund, schrieb Rezensionen, organisierte Konzerte und komponierte, wenn auch nur noch für sich oder kleinere Auftritte. 

Zurückblickend waren ihre Lehrjahre bei Rheinberger ihre musikalisch reichsten. Hier entstand auch Op. 15, ein Trio, das sie besonders gern mochte. Es war Bestandteil fast aller ihrer Konzerte, weil seine Musik ihr, Le Beau, ganz entsprach: Ein leidenschaftlicher Ton, stürmisch, drängend und dennoch zart und empfindsam.

 

Trio Kephiso

2010 schlossen sich Marie-Claudine Papadopolous (Violine), Alexandre Vay (Cello) und Katrin Düringer (Klavier) zum Trio Kephiso zusammen, um die Meisterwerke der Klaviertrioliteratur zu entdecken und in Konzerten aufzuführen, wie das Trio op. 15 von Luise Adolphe le Beau. Dazu holt es regelmäßig die Musik zeitgenössischer Komponisten auf die Bühne.

Die drei Musiker, die auch einzeln sowohl kammermusikalisch als auch in verschiedenen Orchestern tätig sind, konzertieren regelmäßig im europäischen In- und Ausland. U.a. waren sie zu Gast beim französischen Musikfestivals Musique d,Été in der Champagne. Große Begeisterung erntete das Trio bei einem Konzert im Rathaus der Stadt Karlsruhe: Das Ensemble wurde daraufhin in die Partnerstädte der Krasnodar (Russland) und Timisoara (Rumäniens) eingeladen, um die Stadt Karlsruhe kulturell aber auch im Sinne der Völkerverständigung zu repräsentieren. 

Die Wurzeln seines ausgewöhnlichen Namens fand das Trio in der griechischen Mythologie. Kephiso war die Tochter von Apollon, des Gottes der Künste und insbesondere der Musik. Dazu bezeichnet Kephiso eine Saite der Lyra des Apollon.

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