Popgeschichte

Aaliyah: Die Sängerin fasziniert auch noch 20 Jahre nach ihrem Tod

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Sie war die „Princess of R&B“: Ohne Aaliyah wären moderner R&B und urbaner Pop nicht so erfolgreich wie sie es heute sind — und würden vor allem anders klingen. Doch der Einfluss der am 25. August 2001 mit nur 22 Jahren verunglückten Künstlerin zieht sich auch quer durch andere Musikgenres und die gesamte Pop-Kultur.

R&B-Sängerin Aaliyah (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Globe-ZUMA | Henry Mcgee)
Aaliyah personifizierte die 1990er Jahre: Ihr Gesicht stand für den Aufschwung von Street Fashion, R&B und Hiphop. picture alliance / Globe-ZUMA | Henry Mcgee

„One In A Million“: Wie „Baby Girl“ die Pop-Kultur revolutionierte

Aaliyah Dana Haughton war nicht nur R&B-Sängerin, sondern auch Schauspielerin, Tänzerin, Model und Stil-Ikone — sie war eine der ersten „Allround“-Künstlerinnen, vergleichbar etwa mit Beyoncé heute. Fashion-Labels wie Hood By Air, Off White, Alexander Wang und Tommy Hilfiger zitieren noch heute bestimmte Looks der Sängerin. Pop-Milliardärin Rihanna nennt Aaliyah eines ihrer größten Vorbilder, ebenso Solange Knowles, und Welt-Star Drake hat sich gar das Konterfei der Künstlerin auf den Rücken tätowieren lassen.

Aaliyah (Foto: imago images, IMAGO / ZUMA Wire)
Für Modedesigner Tommy Hilfiger (2. von rechts) stand Aaliyah (2. von links) unter anderem in einem inzwischen legendären Werbespot für Tommy Jeans vor der Kamera. IMAGO / ZUMA Wire

Gleichzeitig wurde — noch in den 1990er Jahren — die Zusammenarbeit mit Aaliyah zum Ausgangspunkt von erfolgreichen Produzenten-Karrieren, etwa für Missy Elliott und Timbaland. Das 1996 erschienene Album „One In A Million“ stammt mit aus der Feder der beiden, und „Try Again“, zeitloses R&B-Kunstwerk aus dem Soundtrack von Aaliyahs Schauspiel-Debüt „Romeo Must Die“ im Jahr 2000, präsentiert Timbaland in Bestform.

Viele der Songs waren nicht nur zur Zeit ihrer Veröffentlichung erfolgreich, sondern haben sich ins kollektive Musikgedächtnis eingeschrieben — „More Than A Woman“, „Rock The Boat“, „Are You That Somebody“, „We Need A Resolution“ oder auch „At Your Best (You Are Love)“, das Aaliyah von den Isley Brothers coverte.

„This is Aaliyah“ auf Spotify:

„Age Ain't Nothing But A Number“: R.Kellys langer Schatten

Doch vor dieser Erfolgsgeschichte steht ein anderes Kapitel: Ihr Debütalbum nahm das Ausnahmetalent Aaliyah mit nur 14 Jahren auf, produziert vom damals wahrscheinlich größten R&B-Sänger dieser Zeit — R.Kelly. In der Retrospektive ist es umstritten, denn während das 1994 veröffentlichte Album ganz klar eine neue Seite des R&B-Sounds entwickelte und populär machte, ist inzwischen belegt, dass der 12 Jahre ältere R.Kelly zu dieser Zeit auch eine sexuelle Beziehung zu der minderjährigen Sängerin unterhielt. Kelly und Aaliyah waren sogar kurzzeitig verheiratet, was jedoch aufgrund gefälschter Ausweispapiere, die Aaliyahs Alter mit 18 Jahren angaben, kurze Zeit später für nichtig erklärt wurde.

Vor diesem Hintergrund erscheint der Titel des Albums und der Lead-Single „Age Ain't Nothing But A Number“ bereits bei Erscheinen wie ein unheimliches Eingeständnis. Im 2021 laufenden Prozess gegen den gefallenen R&B-Star R.Kelly wird Aaliyah posthum als Kronzeugin für die Anklage geführt, dabei hatte die Sängerin zu Lebzeiten sogar versucht, ihren ehemaligen Mentor vor Strafverfolgung wegen sexuellen Missbrauchs zu schützen.

„Aaliyah“: Das Ende und ein neuer Anfang

Während anderen früh verstorbenen Musiker*innen — etwa im „Club 27“ — noch einige Jahre künstlerischen Schaffens vergönnt waren, starb Aaliyah 2001 mit nur 22 Jahren bei einem Flugzeugabsturz auf den Bahamas. Nur knapp einen Monat vorher hatte sie ihr drittes Album „Aaliyah“ veröffentlicht. Der tödliche Unfall geschah kurz nach dem Start auf dem Rückflug von einem Videodreh — ein Schockmoment für die Pop-Welt.

Aaliyah (Foto: imago images, IMAGO / Allstar)
Zusammen mit Jet Li spielte Aaliyah in „Romeo Must Die“ die Hauptrolle. Ihr zweiter Film „Queen of the Damned“ wurde posthum veröffentlicht. IMAGO / Allstar

Viele Künstler*innen veröffentlichen seitdem in unregelmäßigen Abständen Cover oder Erinnerungen und „Tributes“ an Aaliyah, eines der berührendsten dürfte „You Are Luhh“ von R&B-Sänger Frank Ocean sein. Ocean, einer der ersten offen nicht-heterosexuellen Künstler des Genres, veröffentlichte seine Version von „At Your Best (You Are Love)“ 2015 am 36. Geburtstag der Sängerin.

Und immer wieder tauchen Versatzstücke und Samples von Aaliyahs sanften Vocals oder den teilweise kontrastierenden, perkussiven Beats ihrer Songs in anderen Stücken auf: Ohne Aaliyah wäre die Future Beats-Szene um das erfolgreiche Indie-Label „Soulection“ nicht denkbar, die seit den 2010er Jahren in der Beatmaking- und Indie-Pop-Szene den Sound mitbestimmt.

„At Your Best (You Are Love)“ von Aaliyah:

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