Zeitgenossen

Elisabeth Bronfen: „Mich interessieren die Ränder dessen, was wir begreifen können.“

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AUTOR/IN
Max Bauer

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Wegen ihres amerikanischen Vaters, der Ausbildung auf einer amerikanischen Schule in München und des Studiums in Harvard sei ihr die amerikanische Kultur emotional vertraut, sagt die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen. Andererseits sei sie auch immer ein „Fremdling in der amerikanischen Schule in München und auch in Amerika“ gewesen und habe einen ethnologischen Blick auf die amerikanische Kultur und auf das amerikanische Kino entwickelt.

„Denkraum Hollywood.“

Weil das Hollywood-Kino Ängste, Wünsche und Fantasien aufgreife, sei es eine Art Seismograph für das kollektive Unbewusste und Bewusste Amerikas. Das amerikanische Kino spiegele daher nicht nur den Idealzustand, sondern auch das Scheitern des „Projekts Amerika“.

„Die schöne tote Frau“.

Besonders die Figur der „schönen toten Frau“, wie sie zum Beispiel im Film Noir vorkomme, zeige die Abgründe einer männlich dominierten Kultur. Dabei sei sie im US-Kino nicht nur die männliche Projektion, die erotische, den Tod bringende Sirene. Es habe immer auch Hollywood-Filme gegeben, in der die „Femme fatale“ den Spieß umdrehe. Gerade heute, wo viele Menschen wieder an Täuschungen und Illusionen festhalten, könnten mit dieser Figur moderne Geschichten erzählt werden.

„Ein Tag ohne Kochen ist ein trauriger Tag.“

Auch ihre Leidenschaft für das Kochen hat für Elisabeth Bronfen mit Geschichten zu tun. Vor allem wenn in der Küche etwas gescheitert sei, komme es auf die richtige Erzählung an. „Man kann fast alles retten“, sagt Elisabeth Bronfen. Und wenn man das nicht ganz gelungene Mahl in einer etwas anderen Form und mit genügend Selbstvertrauen auf den Tisch bringe, könne auch ein gescheitertes Essen noch eine Erfolgsgeschichte werden.

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Max Bauer