Zeitgenossen

Antonia Rados: „Ich weiß, was Risiken sind“

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Keine wirkliche Heldin

"Für die Opfer ist es dasselbe, ob man in Afghanistan oder in der Ukraine ist“, sagt die Kriegsberichterstatterin Antonia Rados. 40 Jahre lang hat sie aus den Krisengebieten dieser Welt berichtet. Dabei habe es vor der Fahrt in eine gefährliche Zone immer wieder schlaflose Nächte gegeben, so Rados. „Ich bin nicht wirklich eine Heldin, aber trotzdem dachte ich mir, das muss man sich mal ansehen.“

Berichterstattung unter enormen Druck

Kriegsreportagen seien extrem anstrengend, sowohl körperlich als auch geistig, betont Antonia Rados. Zudem hätten sich die Umstände, unter denen aus Kriegsgebieten berichtet wird, in den letzten Jahren gravierend verändert. „Als Reporter vor Ort wird man zugeschüttet mit allen möglichen Informationen, die mundgerecht gemacht sind.“ Diese würden dann von den sozialen Medien „zum Teil völlig außer Kontrolle“ weitergegeben. „Der Druck ist enorm groß.“

„Macha“ statt Macho

Wenn Frauen als Kriegsreporterinnen arbeiteten, sei das eine besondere Herausforderung, so Rados. „Ich sah das in den Augen meiner Gesprächspartner, vor allem bei Warlords oder Präsidenten, die dachten sich, das kann einfach keine Frau sein.“ „Da sind Sie dann so was wie eine Macha – und ich glaube, ich spreche für alle Kriegsreporte-rinnen.“ Diese Spezies sei einfach etwas tougher als man es von Frauen in vielen Gebieten dieser Welt erwarte. „Es war so eine Art gelebter Feminismus.“

Optimistin durch und durch

„Ohne Optimismus in den Menschen und das Interesse in den Menschen kann man keinen Journalismus machen“, zeigt sich die langjährige Kriegsreporterin überzeugt. Selbst bezogen auf Afghanistan, von wo Rados viele Jahre berichtet hat, gibt sie sich zuversichtlich. „Das Licht sind die jungen Frauen, die trotz Unterdrückung nach der Machtergreifung durch die Taliban auf die Straße gehen. Das Licht sind alle die, die sagen, auch das wird mal vorbeigehen.“ Freiheitsaufstände, Wahlen – all das habe sie auch erlebt. Das sei die andere Seite der Kriegsberichterstattung. „Deshalb war ich und bleibe ich Optimist.“

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