Angelo Stiller jubelt für den VfB Stuttgart. Gegen den 1. FC Heidenheim hat er sein erstes Tor für die Schwaben geschossen. (Foto: IMAGO, IMAGO / Sportfoto Rudel)

3:3 im BW-Duell gegen Heidenheim

Angelo Stiller - neun Ohrfeigen, aber kein Rückschlag

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Michael Richmann

Angelo Stiller hat gegen den 1. FC Heidenheim sein erstes Tor im Trikot des VfB Stuttgart geschossen und dafür direkt mal ein paar Ohrfeigen kassiert.

"Schon ein besonderer Tag. Aber am Ende ist es natürlich bitter", sagte Angelo Stiller nach dem 3:3 seines VfB Stuttgart gegen den 1. FC Heidenheim im Interview mit SWR Sport. "Am Ende habe ich sehr schlecht geschossen, aber drin ist drin." Stiller ist am Sonntag sein erstes Tor für die Schwaben gelungen. Dafür gab es erst einmal sechs zärtliche Ohrfeigen von Team-Kamerad Enzo Millot. Einen Assist hat er ebenfalls beigesteuert. Zu diesem Zeitpunkt stand es es 2:0 für Stuttgart, und es hätte ein schöner Osternachmittag werden können.

Stiller: VfB Stuttgart muss "abgeklärt sein"

Doch dann gab es noch drei emotionale, aber weitaus weniger zärtliche Ohrfeigen von Heidenheims Tim Kleindienst. Für die erste brauchte Kleindienst noch die unfreiwillige Hilfe von VfB-Keeper Alexander Nübel. Die anderen beiden schallerte der 28-Jährige selbst ins Netz. Paff, paff, paff - 2:3. Stillers Laune? Eher so naja. Dass es nach Deniz Undavs Treffer in der Nachspielzeit doch noch zu einem Punkt reichte, hat das Spiel etwas erträglicher gestaltet. "Wenn Du 2:0 führst, darfst Du zur 90. Minute nicht 2:3 hinten sein. Da musst du abgeklärt sein und einen Killer-Instinkt haben. Und den hatten wir heute nicht", meinte Stiller.

Trainer Sebastian Hoeneß, der Stiller zuvor als "Fixpunkt" und "Rhythmusgeber" des VfB-Spiels bezeichnete, hat die Heidenheimer Ohrfeigen nach dem Abpfiff schnell weggesteckt: "Wir haben uns ein wenig anstecken lassen. Es war ja auch Party-Stimmung und Europa. Da haben wir ein bisschen die Souveränität vermissen lassen. Da wünsche ich mir schon, dass wir etwas mehr Führung auf den Platz bekommen", sagte Hoeneß. "Aber das ist das große Learning, das wir heute mitnehmen können. Klar, die Ränge feiern zurecht. Das sollen sie auch. Die freuen sich. Aber trotzdem müssen wir wissen: Es sind noch 35, 40 Minuten zu spielen, und das ist noch zu früh."

Angelo Stiller hofft noch auf die Euro 2024

Doch der Chefcoach blickte sofort wieder voraus: "Auch wenn es über Wochen jetzt sehr gut läuft, will ich das meiner Mannschaft auch mal zugestehen. Die Erwartung ist aber - und das habe ich auch ganz klar so formuliert -, dass wir daraus lernen. Wenn wir das tun, kann es uns sogar richtig helfen in dieser Saison."

Lernen will auch Angelo Stiller - vor allem mit Blick auf die Nationalmannschaft und die Heim-EM im Sommer. "Das gibt mir sehr viel Ansporn." Daher sieht er die Heidenheimer Ohrfeigen auch nicht als Rückschlag. "Ich versuche Woche für Woche, alles zu geben. Mehr kann ich nicht machen. Am Ende wird sich dann zeigen, ob es reicht oder nicht." Urlaubspläne hat der 22- Jährige jedenfalls noch nicht. "Dann muss es halt ein Last-Minute-Flug sein."

VfB Stuttgart träumt von der Champions League

Ob es reichen wird oder nicht, muss der VfB Stuttgart auch im Kampf um die Champions League zeigen. Aktuell stehen die Schwaben mit 57 Punkten auf Platz drei und haben sieben Punkte Vorsprung auf RB Leipzig. Weil die Sachsen gegen Mainz 05 ebenfalls nicht über ein Unentschieden hinaus gekommen sind, hat der VfB mit dem 3:3 gegen Heidenheim zwar die Chance verpasst, den Vorsprung auf die Europa-League-Plätze auszubauen. Ein Rückschlag ist der doppelte Punktverlust jedoch auch nicht.

Kommenden Samstag hat der VfB Stuttgart bei Borussia Dortmund erneut die Gelegenheit, sich von einem direkten Konkurrenten abzusetzen. Wenn die Schwaben diese Reifeprüfung dann besser meistern, stehen die Chancen ganz gut, dass sie am Ende der Saison tatsächlich die Qualifikation für die Champions League feiern können - auf den Tribünen und auf dem Spielfeld. Das wäre dann wieder "ein besonderer Tag" für Angelo Stiller, dann wäre er aber nicht mehr bitter.

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Michael Richmann