Holger Sanwald

Fußball | Bundesliga

FCH-Boss Sanwald im Interview: "Haben uns in der Bundesliga einen Namen gemacht"

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Patrick Stricker

Der 1. FC Heidenheim ist in der Bundesliga angekommen - und spielt in der kommenden Saison sogar international. Holger Sanwald spricht mit SWR Sport über die Kaderplanung und den Umgang mit Begehrlichkeiten.

Die erste Bundesligasaison der Vereinsgeschichte war für den 1. FC Heidenheim eine mit vielen Highlights. Das Team von Trainer Frank Schmidt schaffte den Klassenerhalt und mit Platz acht sogar den Sprung in die Play-offs der Conference League. Holger Sanwald, der Vorstandsvorsitzende der Heidenheimer, hat im Gespräch mit SWR Sport erklärt, wie der Club mit den Transfergerüchten um die Top-Spieler umgeht, wie weit die Kaderplanung für die zweite Bundesligasaison aussieht und was die schwere Verletzung von Neuzugang Julian Niehues bedeutet.

SWR Sport: Nach derzeitigem Stand werden sechs Spieler den 1. FC Heidenheim verlassen, demgegenüber stehen sechs Neuzugänge – plus "Rückkehrer" Tim Köther, der nach Duisburg ausgeliehen war. Wie weit sind Ihre Kaderplanungen vorangeschritten – und welche Veränderungen wird es noch geben? 

Holger Sanwald: Wir sind sehr zufrieden damit, dass wir – auf Grund der starken Leistungen unserer Mannschaft – schon vor dem Saisonende wichtige Planungssicherheit hatten und dadurch bereits sechs Spieler für die kommende Spielzeit verpflichten konnten. Mit der Ausnahme von Eren Dinkçi, der aus Bremen ohnehin nur ausgeliehen war, haben alle unsere Leistungsträger aus der vergangenen Saison gültige Verträge. Wir sind also bestens aufgestellt aktuell und befinden uns in einer guten Ausgangssituation für ein noch langes und sicherlich heißes Transferfenster.

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SWR Sport: Auffällig ist: Von den aktuellen Neuzugängen bringen lediglich Mathias Honsak und Maximilian Breunig Bundesliga-Erfahrung mit. Die anderen wechseln aus der zweiten, teils sogar aus der dritten Liga zum FCH – zum Beispiel Léo Scienza vom SSV Ulm. Was erhoffen Sie sich von diesen Spielern, welche Strategie verfolgen Sie mit diesen Transfers?

Holger Sanwald: Das ist unser Weg, auf diese Weise haben wir in den letzten Jahren sportlich die Entwicklung genommen, die uns bis auf den achten Platz der vergangenen Bundesligasaison geführt hat. Warum sollten wir diesen erfolgreichen Weg also jetzt verlassen? Es bleibt dabei: Wir setzen in der Kaderplanung auf talentierte, hungrige Spieler und auf unseren Cheftrainer Frank Schmidt, der Jahr für Jahr bewiesen hat, dass er die herausragende Fähigkeit besitzt, diese Spieler noch besser zu machen und daraus ein erfolgreiches Team zu formen.

SWR Sport: Julian Niehues wird wegen eines Kreuzbandrisses mutmaßlich noch länger ausfallen. Inwiefern bedingt dieser Ausfall Ihre Planungen – werden Sie auf dieser Position noch einmal nachjustieren?

Holger Sanwald: Julian wird bei uns die Zeit bekommen, die er nach solch einer schwierigen Verletzung benötigt, um wieder zurückzukommen. Ansonsten sind wir im Mittelfeld gut aufgestellt, auch wenn es natürlich immer noch Veränderungen geben kann – die Transferphase geht ja noch lang.

SWR Sport: Die starken Leistungen Ihrer Mannschaft und vor allem einiger Spieler haben das Interesse anderer Clubs geweckt. Was bedeutet es für einen Verein wie den 1. FC Heidenheim, wenn Top-Spieler wie zum Beispiel Tim Kleindienst (zuletzt Borussia Mönchengladbach) oder Jan-Niklas Beste immer wieder an anderen Standorten gehandelt werden – Auszeichnung oder Anstrengung?

Holger Sanwald: Wir haben uns in unserer Premierensaison in der Bundesliga einen Namen gemacht. Manche unserer Leistungsträger haben sich, dank ihrer starken Leistungen, ins Rampenlicht bei größeren Vereinen gespielt. Da sind wir realistisch und das gehört zum Profifußball einfach dazu, dass da durchaus Begehrlichkeiten geweckt werden können. Nochmals: Alle unsere Leistungsträger haben aber gültige Verträge für die kommenden Saison bei uns. Sollten uns also Leistungsträger verlassen wollen, dann ist das nur möglich, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dazu für uns auch stimmen. Andernfalls werden keine Transfers zustande kommen.

SWR Sport: Und zum Schluss: Inwiefern verändert die Qualifikation für die Play-offs zur Conference League – und damit die Aussicht auf eine längere Teilnahme an einem weiteren Wettbewerb – Ihre Kaderplanungen?

Holger Sanwald: Das hat keinen Einfluss darauf, weil wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht wissen, ob wir die Gruppenphase der Conference League erreichen werden. Das Transferfenster schließt wenige Tage nach dem entscheidenden Play-off-Rückspiel. Unabhängig von den Play-offs der Conference League ist alles darauf ausgelegt, dass wir nächste Saison wieder einen Kader haben, der in der Bundesliga zwei oder möglichst drei Mannschaften hinter sich lassen kann. Das ist die gleiche Zielsetzung wie vor der vergangenen Saison und dem werden wir auch wieder alles unterordnen!

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Patrick Stricker