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Heimat RP (Foto: SWR, Foto von Simon Zimbardo.)

„Ich habe es bis zur Beschaffungskriminalität geschafft.“

Thomas Patzelt war glücksspielsüchtig. Innerhalb von vier Jahren hat er 100.000 Euro verspielt. Es gab Tage, da hat er zwölf Stunden in einer Spielothek vor einem Automaten gesessen – immer mit der Hoffnung auf einen Gewinn. Immer mit der Sehnsucht nach diesem Glücksgefühl, welches ihn erfüllt, wenn er gewinnt. Doch das passierte selten. In der Regel verlor er. Zuerst sein eigenes Geld, dann das von Verwandten, Freunden und Banken. Thomas Patzelt war hoch verschuldet, bestahl sogar die Firma, in der er zu der Zeit arbeitete. Das alles hielt er geheim. „Es ging nur noch darum wie schaffe ich es, dass niemand hinter mein Geheimnis kommt? Und wie schaffe ich es, an meinen Stoff zu kommen – sprich das Geld, um meine Sucht zu befriedigen“, erzählt der 50-Jährige.

Der Wendepunkt – raus aus der Sucht

Die Angst aufzufliegen, der Druck, den die Schulden ihm machen – das alles wurde irgendwann zu viel für ihn. 2003 outet er sich – erzählt seiner Frau und seinem Arbeitgeber von seiner Sucht. Danach macht er eine Therapie, spricht mit Suchtexperten und anderen Betroffenen. Es dauert noch einige Jahre bis er tatsächlich aufhören kann, zu spielen. Er ist vorbestraft und war in der Privatinsolvenz. Seine Ehe ging zu Bruch. Die Glückspielsucht in den Griff zu bekommen, war ein langer Prozess für ihn. „Der Mensch Thomas Patzelt war unglücklich mit sich selbst. Aber ich habe mit niemandem darüber gesprochen, ich habe das verdrängt und so ist das Ganze daraus entstanden“, sagt er. Er musste lernen, seine Probleme zu bewältigen und vor allem auch, das Glücksgefühl aus anderen Dingen zu schöpfen.

Die Sucht im Griff

Heute kann er das: Er kann über seine Gefühle reden und kleine Dinge, wie ein Spaziergang, ein schönes Essen oder Sport machen ihn glücklich. Den Automaten braucht er nicht mehr. Ihm ist wichtig, dass Glücksspielsucht in der Gesellschaft wahrgenommen wird, kein Tabuthema ist und Betroffene, wie auch Angehörige verstehen, dass es eine Krankheit ist. Mittlerweile hat er mehrere Selbsthilfegruppen ins Leben gerufen und einen gemeinnützigen Verein zur Beratung von Betroffenen gegründet.

„Die Glücksspielsucht habe ich mein Leben lang. Ich kann jederzeit rückfällig werden, jederzeit, aber seit 13 Jahren entscheide ich jeden Morgen, heute nicht spielen zu gehen.“

Enkenbach-Alsenborn

Familie hält Kalb im Wohnzimmer

Sein Name ist Lukas Pirat und er lebt im Wohnzimmer – das Kalb von Familie. Der kleine Bulle kam sieben Wochen zu früh zur Welt und ist noch nicht reif für den Stall.  mehr...

Saulheim

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Überlebenskampf: Sturz aus 50 Metern überlebt

Eine Bergwanderung in Neuseeland wird für Johannes aus Stuttgart fast zum Todesurteil. Er stürzte 50 Meter in eine Schlucht und musste sich daraufhin über 20 Stunden schwerverletzt durch die Wildnis kämpfen. Er überlebt, leidet aber noch heute unter den Folgen seiner Verletzungen.
„Direkt nach dem Aufprall auf dem Felsboden habe ich gesehen, wie mein Handy leuchtend neben mir in einem Busch gelandet ist. Im Gegensatz zu mir, hat es keinen Kratzer abbekommen. Aber es hatte leider keinen Empfang.“ (Johannes, 36, aus Stuttgart)
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Eigentlich sollte es nur ein kurzer Ausflug werden. Nur mit einem Wasserbeutel, Sonnencreme, einem Handy und in kurzer Hose mit T-Shirt bekleidet, geht Johannes auf Bergwanderung. Doch als er auf dem Rückweg im Nebel plötzlich ins Leere tritt und rund 50 Meter in die Tiefe stürzt, ist für ihn klar: Das überlebe ich nicht.
Fall ins Bodenlose
„Es hat sich einfach viel zu lange angefühlt. Denn ich kenne das Gefühl des freien Falls – ich bin schon Bungee und Fallschirm gesprungen. Zum Glück haben wohl ein paar Äste meinen Fall gebremst. Noch Monate nach dem Unfall habe ich beim Zähneputzen Baumreste aus meinem Zahnfleisch gezogen.“ Wie durch ein Wunder überlebt Johannes den Sturz. Doch sein rechtes Sprunggelenk bekommt die komplette Wucht des Aufpralls ab.
Letzte Hoffnung: künstliches Sprunggelenk
Im Krankenhaus in Neuseeland wird er zwar gut versorgt, doch der Schaden am Knochen ist nicht wiederherstellbar. Johannes hat bis heute ununterbrochen Schmerzen. Ein künstliches Sprunggelenk aus der Schweiz ist seine letzte Hoffnung wieder in ein normales Leben zurückzukehren. Um die kostspielige Operation zu ermöglichen, hat seine Schwester ein Spendenkonto auf einer Crowdfunding-Seite eingerichtet. „Bereits am 20. Januar wird meine langersehnte Operation stattfinden. Um die OP nicht aufs Spiel zu setzen, bin ich bereits seit einigen Tagen vorsorglich in Quarantäne.“  mehr...

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