"Feuer und Zorn" | Bestseller über Trump erscheint auf deutsch Lehrbuch über Intrigen und Manipulationen

Am 16.2.2018 von Arthur Landwehr

„Fire and Fury“ ist in deutscher Übersetzung erschienen, das Enthüllungsbuch von Michael Wolff über US-Präsident Trump. SWR-Chefredakteur Arthur Landwehr ist überzeugt: Obwohl bereits viel über das Buch berichtet wurde, lohnt es sich, „Feuer und Zorn“ („Fire and Fury“) selbst zu lesen.

Michael Wolff lässt Bilder im Kopf entstehen

„Feuer und Zorn“ liest sich richtig süffig. Wolffs Ruf als Journalist ist nicht unbedingt geprägt von Zuverlässigkeit und Fairness, aber er versteht sein Handwerk. Man sieht Bilder im Kopf, wenn sich ein schlecht rasierter, verwahrlost verknitterter Steve Bannon und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner im dunkelblauen Maßanzug anschreien.

Feuer und Zorn ist natürlich auch ein Buch über Donald Trump, über die wenigen Stärken die Wolff ihm zugesteht, so wie seinen Instinkt. Es ist eines über die unzähligen Schwächen von Egomanie über Interesselosigkeit bis bodenloser Dummheit, mit denen er den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten charakterisiert.

Der Kampf um Einfluss bei Trump

Vor allem aber ist es ein Buch über das Umfeld, das ihn prägt und deren Repräsentanten sich bis auf Blut bekämpfen, um ihren Einfluss auf Trump zu sichern. Wer definiert, was Trumpismus heißt, wie der sich in praktische Politik übersetzt. „Der jeweils letzte im Zimmer“ berichten Wolffs Gewährsleute, von denen er Dutzende interviewt hat.

Trump wollte nicht gewinnen

Eine zentrale These des Buches: Trump, seine Familie und sein Team wollten gar nicht gewinnen. Ihr Ziel war eine knappe Niederlage, die sie zu Helden der amerikanischen Arbeiterklasse macht.

Als solche wollten sie sich vermarkten und damit viel Geld verdienen. Vor allem als politische Kommentatoren in rechten Medien, als Influencer, an deren politischen Thesen niemand vorbei kommt. Ungewollt und überraschend spülte die Novemberwahl dann eine Bande ehrgeiziger und zynischer Politamateure ins Weiße Haus, so Wolff.

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Sie machten alles falsch

Sie machten alles falsch, holten Familie und Claqueure statt Experten und juristische Profis. Kein Themenmanagement, eine chaotische Kommunikation und ein Präsident ohne Selbstkontrolle. Die Fraktionen im täglichen Kampf: Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner als gemäßigter Pol.

Dann Berater Steve Bannon als Mastermind für die nationalistische Revolution, der Kopf hinter „America First“ und Fremde raus. Und schließlich das republikanische Establishment im Kongress, das versucht, den unbedarften Präsidenten zu instrumentalisieren und zu erpressen. Alle gemeinsam haben den wichtigsten Job, Donald Trump bei Laune und seine Alleingänge in Grenzen zu halten.

Wieso klappt so viel im Weißen Haus?

Wie aber kommt es da, dass in diesem ganzen Chaos unter der Oberfläche das Land regelrecht umgekrempelt werden kann? Wie gelingt es, Umweltauflagen für die Industrie zu beseitigen und gleichzeitig Vorstandsvorsitzende in Horden kuschen zu lassen.

Wie entsteht in diesem Umfeld fast geräuschlos eine radikale Steuerreform? Wie kommt es zu einer neuen Sicherheitsstrategie, neuen Einwanderungsgesetzen, neuer Handelsordnung?

Antreiber Steve Bannon

Genau in der Antwort auf diese Fragen liegt die Stärke von „Feuer und Zorn“. Steve Bannon lernt man als denjenigen kennen, der einfach macht. Der mit einer Liste von Dekreten kommt, die einfach unterschrieben werden, weil es keiner besser weiß.

Michael Wolff beschreibt präzise, wer in dem Machtdreieck Trump welche Menschen zuführt. Sie alle wissen genau, wie abhängig Trump von Anerkennung durch Leute ist, die er bewundert.

Trump geschickt beeinflussen

Und so laden sie genau die zu Besprechungen oder abendlichen Telefonaten mit Trump, um den Präsidenten zu beeinflussen. Kushner die Milliardäre aus der Finanzwelt, Bannon die Medienmogule. Senatoren schaffen Vertrauen durch Bestätigung. Diese Gruppen des amerikanischen Establishments liefern die Ideen, das Fachpersonal und die Texte, die das Weiße Haus am Laufen halten.

Selten plastisches Buch über Manipulation und Intrigen

Warum also dieses Buch lesen? Selten hat man einen so plastischen Eindruck über das politische Kräftemessen, Manipulation und Intrigen hinter den Mauern einer Regierungszentrale bekommen.

Man lernt im nachhinein, wie die Entscheidungen zustande gekommen sind, über die die Welt in den vergangenen 13 Monaten den Kopf geschüttelt hat. Wer „House of Cards“ als Fernsehserie mag, genießt auch diese gut geschriebene Gruselgeschichte aus der Wirklichkeit.

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