Etwa 1,1 Milliarden Menschen weltweit sind von Sehbehinderungen betroffen. Als Hauptgründe für Sehstörungen und Erblindung nennt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Erkrankungen wie Hornhautverkrümmung oder Grauer Star. Nicht behandelt kann letzterer zum Erblinden führen. Experten gehen davon aus, dass etwa 90 Prozent der Sehbehinderungen eigentlich vermieden und gar geheilt werden könnten.
In Deutschland leben Schätzungen der WHO zufolge etwa 1,2 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen.
Die bundesweite Aktionswoche des Sehens will unter dem Motto "Klar sehen" auf die Prävention und den Umgang mit Sehbehinderungen aufmerksam machen. Zu den Trägern der Aktionswoche gehört unter anderem die Christoffel-Blindenmission (CBM).

Viele Betroffene aus dem globalen Süden
Im globalen Süden seien viele Menschen von Erblindung betroffen, sagt der CBM-Vorstand Rainer Brockhaus im Gespräch mit SWR1. Es gäbe einen Kreislauf aus Armut und Behinderung. Obwohl viele der Sehbehinderungen vermeidbar seien, stelle die weitläufige Armut ein großes Hindernis dar, so Brockhaus.
"Vorsorge gibt es fast nicht. Wir versuchen das immer wieder bei unseren Partnerorganisationen auszubauen. Aber die Vorsorge erreicht nicht die Bevölkerung, erreicht vor allem nicht die ländliche Bevölkerung. Und die meisten Menschen im globalen Süden leben nach wie vor auf dem Land", sagt er. Erblindete Menschen würden zudem schneller in Armut verfallen.
Unbehandelte Augenerkrankungen hätten außerdem bei Kindern besonders schwere Konsequenzen, erklärt Brockhaus. "Erblindete Kinder können nicht zur Schule gehen, können keine Ausbildung wahrnehmen, können dann später nicht am Berufsleben teilnehmen".
Blinde Menschen am Rande der Gesellschaft
Erkrankte würden oft an den gesellschaftlichen Rand gedrängt. "Es liegt zum Teil an einzelnen Mechanismen, auch in der Gesellschaft, bei einzelnen Menschen in den Gemeinden, in denen Blindheit, Krankheit oft immer noch als eine Strafe gesehen wird. Als eine Strafe Gottes, eine Strafe der Götter gesehen wird. Menschen, die eine Behinderung haben, die erblindet sind, die werden versteckt, es wird nicht zugelassen, dass sie zum Arzt gehen", erklärt Brockhaus.
Sehbehinderte und Blinde wünschen sich mehr Anerkennung
Auch Betroffene im globalen Norden müssen um gesellschaftliche Teilhabe kämpfen. Aktionen, wie die Woche des Sehens, sind für sehbehinderte und blinde Menschen wichtig, weil sie sich mit anderen Betroffenen vernetzen können. Luitgard Mayer ist von Geburt an blind und leitet die Bezirksgruppe Heidelberg des badischen Blinden- und Sehbehindertenvereins. Bei einem monatlichen Stammtisch reden sich viele den Frust von der Seele. "Ein blinder Mensch ist meistens in Begleitung unterwegs. Und dann hat man das Problem, der Partner ist der Ansprechpartner und nicht ich selbst. Und das ist unser Kampf eigentlich", sagt Mayer.