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Auch wenn manch einem das Thema Corona in diesen Tagen schon zu viel ist. Hilft ja nix, das Thema ist da, es ist wichtig und es bewegt die Menschen. Also auch hier. Wir haben im SWR einen bestätigten Corona-Fall. Der Mitarbeiter ist zuhause, und es geht ihm dem Himmel sei Dank gut. Alle Personen, die mit ihm in direktem Kontakt standen, bleiben ebenso zuhause. Der SWR Krisenstab tagt regelmäßig und gibt jeweils eine aktuelle Lageeinschätzung. Aber wie gehen wir im SWR sonst mit Corona um?

Zunächst zu unserer Berichterstattung. Natürlich ist das Interesse an dem Thema riesengroß. Aber wir werden jetzt nicht auf Klicks und Hörer schielen und gewissermaßen die Corona-Welle reiten. Da wir mit unseren Angeboten kein Geld verdienen müssen, werden wir im Programm keine Corona-Festspiele aufführen. Dabei ist mir bewusst, dass allein schon der Umfang der Berichterstattung den Eindruck erwecken kann „Es wird immer schlimmer“. Mit dieser Crux müssen wir leben. Heute etwa ziehen wir im SWR Fernsehen den Bürgertalk „Mal ehrlich“ zum Thema Corona vor und verlängern die Ausgabe, weil die Nachfrage des Publikums nach Information und Einordnung sehr groß ist. Aufgrund unserer großen Reichweite mit Radio, Fernsehen und Online haben wir hier eine besondere Verantwortung. Unsere Aufgabe ist es weder die Lage zu dramatisieren noch Beruhigungspillen zu verabreichen. Wir vermitteln so gut es geht ein realistisches Bild der Lage und liefern dem Publikum die Informationen, die wir in sorgfältiger Recherche gewonnen haben, so dass sich jeder sein eigenes Urteil bilden kann.

Und die Mitarbeitenden? Bislang können wir noch alle Angebote aufrechterhalten. Wo möglich, arbeiten Leute von zuhause aus. Ansonsten kommen die Mitarbeitenden regulär an ihre Arbeitsplätze. Hier gelten besondere Hygiene- und Vorsichtsmaßregeln. So werden etwa Arbeitswerkzeuge wie z.B. Mikros oder Kameras in engen Intervallen gereinigt. Im SWR gibt es wie in jedem Betrieb diejenigen, die keine Furcht kennen und solche, die vorsichtiger sind oder sich um ihre Gesundheit sorgen. In diesen Zeiten kommt es darauf an, dass wir respektvoll mit denen umgehen, denen Corona solche Sorgen bereitet, dass es ihnen kaum zuzumuten ist, noch zur Arbeit zu kommen. Hier werden wir großzügig verfahren. Denn ich bin sicher, dass niemand Ängste vortäuscht, um in den Genuss freier Tage zu kommen.

Bleibt die Frage nach unseren Veranstaltungen. Wir sagen alles ab, wo mehr als 1.000 Menschen erwartet werden. Aber auch kleinere Veranstaltungen, bei denen es unweigerlich zu Körperkontakt kommt oder bei denen der Raum schlecht belüftet ist, ziehen wir die Notbremse. Zugleich versuchen wir aber, eine gewisse Normalität beizubehalten. Heute Abend haben wir beispielsweise eine Veranstaltung mit mehr als 100 Gästen im Haus. Dieser Termin findet statt. Bei der Veranstaltung achten wir selbstverständlich auf größtmögliche Sicherheit aller Beteiligten. So halten wir uns strikt an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zur Durchführung von Veranstaltungen: Die gewählte Veranstaltungsfläche bietet ausreichend Raum, den empfohlenen Mindestabstand zwischen Personen einzuhalten, der Ort ist zudem gut belüftet. Alle Gäste werden gebeten, die empfohlenen Maßnahmen zur Hand-, Nies- und Hustenhygiene einzuhalten. Vor Ort steht ausreichend Desinfektionsmittel zur Verfügung. Zur größtmöglichen Sicherheit werde ich auf das Reichen der Hände zur Begrüßung verzichten. Das erscheint mir heute der richtige Weg. Aber die Corona-Entwicklung vollzieht sich so dynamisch, dass wir unser weiteres Vorgehen morgen schon wieder ganz anders planen werden.

Ihr

Kai Gniffke

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