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Aktionsplan Pferdefleisch-Skandal  Ilse Aigners Flickenteppich

Als Reaktion auf den Pferdefleisch-Skandal haben sich Bund und Länder auf einen Zehn-Punkte-Aktionsplan geeinigt. Dessen Ziel ist es, die Vorkommnisse um das nicht ausgewiesene Pferdefleisch in Lebensmitteln aufzuklären. "Aigners Flickenteppich", meint Werner Eckert, SWR.

Frisches Pferdefleisch liegt in der Theke der Rossschlächterei Plaumann in Prenzlau

"Essen ist pfertig" - ein Aktionsplan gegen illegales Pferdefleisch im Essen auch

Dioxin… "das war ein anderer Fall", EHEC… "das war ein anderer Fall", so schmettert die Ministerin heute vor der Presse Kritik an ihrem neuen Aktionsplan ab. Nein, Frau Aigner, es ist immer das Gleiche!

Symptome bekämpfen statt Ursachen zu beheben

Tatsächlich setzt die Ministerin erfahrungsgemäß immer bei irgendwelchen Symptomen an, legt genau da eine Schippe Staat drauf, wo die Wirtschaft es gar zu toll getrieben hat. Dioxin im Futter? Na, da müssen wir wohl Fette und Öle in Zukunft auf diese Gifte hin untersuchen. Auf genau die und nur in diesen Rohstoffen. Das ist wie dekorativ-bunte Flicken auf die löchrige Hose zu nähen - da muss man arg acht geben, sonst sieht man bald aus wie ein Clown.

Zudem ein paar dieser Aufnäher bekanntermaßen weder wind- noch wasserdicht sind: Man müsse prüfen, ob man die Gewinne abschöpfen könne, die aus Betrug entstanden sind. Das haben wir doch schon mehrfach gehört. Ist nichts draus geworden. Bisher. Also entweder geht das nicht - oder Aigner will nicht.

Der Plan mit den Herkunftsangaben

Herkunftsangaben - das ist ihr neues Steckenpferd. Es schützt zwar nicht vor Betrug, wenn auf der Lasagne steht, dass die Hackfleischbrösel aus Rumänien, Lettland und Italien stammen, aber es könnte den einen oder anderen Verbraucher nachdenklich machen. Genau deshalb wollen das die Hersteller nicht. Und weil es ihnen Mühe macht. So wie die nämlich einkaufen - heute hier, morgen dort - müssen sie ständig neue Pappschachteln drucken lassen und dann auch noch richtig befüllen. Das wollte die Ministerin ihnen bisher dann doch nicht zumuten. Und deshalb steht auch in dem Aktionsplan jetzt nur wortreich drin: Schaun mer mal.

Helfen mehr Kontrollen wirklich weiter?

Wirklich verschwurbelt ist die Absicht, prüfen zu lassen, ob man "wissenschaftsbasiert" irgendwie voraussehen könnte, wo Skandale drohen. Dass Pferd billig zu haben ist, weiß jeder Fleischhändler und die Lebensmittelkontrolleure wissen das im Zweifel auch. Gerüchte gibt es genug in den Behörden. Aber da müssen ja immer noch die Kontrollpläne vom letzten Skandal abgearbeitet werden - mit immer weniger Personal. Die Berichtspflichten hier und die Stichprobenquote dort: wer wollte da wegen so was lange im Nebel stochern?

Flicken statt Teppich

Wenn sie wirklich wollte, müsste sich Aigner konsequent auf die Seite der Verbraucher schlagen. Koste es, was es wolle. Und das genau ist ihr mit Blick auf die exportorientierte deutsche Lebensmittelwirtschaft zu teuer. Das mit den bunten Flicken ist viel billiger. Und bisher waren die Wähler damit ja auch zufrieden.

Werner Eckert (SWR Umwelt); Online-Fassung: Lutz Heyser

Letzte Änderung am: 18.02.2013, 16.56 Uhr