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Cybermobbing in der Arbeitswelt "Wichtig ist, sofort zu reagieren"

Cybermobbing - nicht nur unter Kindern und Jugendlichen ein Problem. Immer häufiger haben auch Erwachsene in der Arbeitswelt damit zu kämpfen. Tipps vom Profi, wie damit umzugehen ist.

Der 2. Cybermobbing-Kongress in Berlin beschäftigt sich mit Lösungsansätzen, wie mit persönlichen Angriffen über das Netz umzugehen ist. Eine der Referentinnen ist Dr. Katja Stilz, Professorin für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius in Idstein. SWRinfo-Redaktuer Stefan Eich hat mit ihr über die Problematik gesprochen.

Dass Cybermobbing bei Jugendlichen häufig vorkommt, ist schon länger bekannt. Wie läuft das in der Regel bei Erwachsenen und in Unternehmen ab - also in der Arbeitswelt?

Katja Stilz: Ich glaube, die Grenzen sind da absolut fließend, denn die "Digital Natives" sind ja längst Erwachsene geworden. Gerüchte streuen, harte Kritik und Schuldzuweisungen äußern, um letztlich Konkurrenten zu diskreditieren, das ist inzwischen schon weit verbreitet. Und aus der Anonymität des Internets heraus ist das für Jedermann auch relativ leicht zu spielen.

Wie kann ein Mitarbeiter, der Opfer einer solchen Cyberattacke geworden ist, versuchen, seinen Ruf wieder herzustellen? Oder muss er gleich den Arbeitgeber wechseln?

So schlimm, wie es sich anhört: Manchmal reicht nicht einmal das. Doch wir wollen nicht gleich die schlimmste Dimension annehmen. Wichtig ist auf jeden Fall, sofort zu reagieren, sich in keinem Fall auf das Spiel einzulassen, sondern dem Vorgesetzten das Geschehen zu melden. Oder auch zur Unternehmensleitung zu gehen und wenn es massiver ist, tatsächlich auch die Polizei einzuschalten.

Und wenn der Vorgesetzte sagt: "Jetzt stell Dich nicht so an. Die ärgern Dich halt ein bisschen, das musst Du aushalten"?

Ich würde diesen Menschen unbedingt raten, Unterstützung auf der nächsten Ebene zu holen. Es gibt sogar professionelle Unterstützungen, also Beratungsunternehmen, die Online-Reputationen professionell managen. Also: schnell Hilfe holen. Wir dürfen nicht vergessen: Was einmal im Netz ist, kommt da nie wieder raus.

Kann ich denn vorbeugend irgendetwas tun, um mich gegen Cybermobbing zu schützen?

Ja, können wir: Nämlich nicht allzu lässig mit persönlichen und privaten Daten umgehen. Das sind im Prinzip die gleichen Rezepte, die wir auch unseren Kindern geben. Alle persönlichen Daten, alle Partyfotos verschwinden nie mehr aus dem Internet. Das kann irgendwann tatsächlich auch gegen uns verwendet werden. Bewusstes und sehr zurückhaltendes Infomanagement im Netz ist also für alle Altersklassen angezeigt.

Sie sagen, ich als Arbeitnehmer oder als Kollege sollte vorsichtig sein mit meinen Daten. Wenn ich gemobbt werde, sollte ich zu meinem Arbeitgeber gehen. Aber haben die Arbeitgeber überhaupt schon erkannt, dass da ein Problem auf unteren Ebenen passiert?

Jein. Aber: Es ist im Begriff zu wachsen. Wir merken in den letzten zwei Jahren, dass da langsam eine Vorstellung entsteht. Es ist natürlich von außen nicht einfach zu sehen. Die Beweisführung ist unglaublich schwierig.

Manche Konflikte scheinen von außen ganz normales Gezänk zu sein, wie es in der Arbeitswelt und im Privatleben einfach immer wieder vorkommt. Nichtsdestotrotz ist das auch Ziel des Bündnisses gegen Cybermobbing, die den Kongress in Berlin veranstalten: Problembewusstsein schaffen. Anlaufstellen in den Unternehmen schaffen, die schnell professionelle Hilfe geben können. Und auch entsprechende Richtlinien in den Unternehmen erlassen, damit die Unternehmen sich bekennen, dass das kein Kavaliersdelikt ist.

Unternehmen informieren sich heutzutage auch im Internet über ihre Bewerber. Wenn dort üble Dinge zu finden sind, die derjenige einmal gepostet hat - meinen Sie, dieser Bewerber hat dann keine Chance mehr?

Ich will das nicht hoffen für die Betroffenen. Aber tatsächlich ist jeder gehalten, sehr auf seine Selbstdarstellung im Internet zu achten. Es ist sinnvoll, von Zeit zu Zeit mit den einschlägigen Suchmaschinen zu schauen, was man über sich selbst finden kann. Wenn etwas drin ist, was dazu geeignet wäre, einen zu diskreditieren, gilt auch hier die Empfehlung, zu entsprechenden Beratungsstellen zu gehen, die einem helfen können, Dinge wieder aus dem Netz zu nehmen. Ein schwieriges, langwieriges Unterfangen, aber es ist sinnvoll. Die Bedeutung der Online-Reputationen wird zunehmen, da können wir wohl alle sicher sein.

Online: Ulrike Raffel und Christine Scherer

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