WWF: Raubbau an der Natur

Wie krank ist unser Planet?

Martin Thiel, Redaktion Umwelt & Ernährung; Online: Lutz Heyser, Heidi Keller

Der WWF-Living Planet Report wird als Gesundheitscheck für die Erde verstanden. Danach ist unser Planet ein schwer kranker Patient. Geht es so weiter wie bisher, brauchen wir im Jahr 2030 einen zweiten Planeten, um unseren Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Die Menschheit lebt deutlich über ihre Verhältnisse.

Satelliten-Aufnahme des Planeten Erde

Alarmierend - Der Gesundheitszustand der Erde

Die Botschaft des Living Planet Reports ist eindeutig: Wird die Erde weiter so ausgebeutet wie bisher, brauchen wir im Jahr 2030 einen zweiten Planeten um unseren Bedarf an Nahrung Wasser und Energie zu decken. Das Problem ist die Zunahme der Erdbevölkerung: 2011 wurde die 7-Milliarden-Marke geknackt, bis 2020 sollen es 9 Milliarden Menschen sein. Der Mensch verdrängt Tiere und Pflanzen immer stärker. Der WWF misst dies in seiner alle zwei Jahre erscheinenden Studie, die gemeinsam mit der Zoologischen Gesellschaft von London (ZSL) und dem Global Footprint Network (GFN) erstellt wird.

Artenvielfalt geht zurück

Ein naher Verwandter des Gepunkteten Laubfroschs sitzt auf einem Blatt in Bolivien

Die Tierbestände in den tropischen Regionen sind laut WWF um mehr als 60 Prozent zurückgegangen.

Seit 1970 ist die Artenvielfalt weltweit im Schnitt um 28 Prozent zurückgegangen, in tropischen Regionen sogar um 60 Prozent. Die Ursachen für den Artenverlust sind unter anderem die Zerstörung der Lebensräume, die Umweltverschmutzung und der Klimawandel. Um zum Beispiel den Klimawandel ein zu bremsen sollten die Wälder besser geschützt werden. Denn die Rodung der Wälder sorgt für ein Fünftel der CO-2-Emissionen. Damit ist die Abholzung der drittstärkste Grund für den Klimawandel hinter Kohle und Öl. Zwischen 2000 und 2010 ging eine Waldfläche verloren, die eineinhalb Mal größer ist als Österreich.

Zustand der Meere kritisch

Der Zustand der Meere ist ähnlich schlecht. Drei von vier Fischbeständen in Europa gelten als überfischt. Das Problem ist, dass das Wachstum wohlhabender Staaten auf Kosten der ärmsten Länder stattfindet - das sind die Länder, die am meisten natürliche Ressourcen beisteuern, aber selbst am wenigsten verbrauchen.

"Erste Welt" verbraucht die Ressourcen aller

Hungerndes Kind in Afrika (Nigeria) isst Mehlbrei.

In Afrika hungern Kinder, weil die "Erste Welt" über ihre Verhältnisse lebt

So verbraucht ein Amerikaner durchschnittlich vier Mal mehr als die Erde her gibt. Ein Deutscher verbraucht 2,5 Planeten - ein Indonesier nur 0,7. Die Forderung des WWF ist deshalb: die Natur muss einen Preis haben und im internationalen Finanzsystem berücksichtigt werden. Wenn jetzt nicht gehandelt werde, so die Befürchtung, werde das 21. Jahrhundert zu einem Jahrhundert der Umweltkatastrophen.


Der ökologische Fußabdruck

Die Definition: Der ökologische Fußabdruck ist eine Messgröße, die veranschaulicht, wie die Menschheit insgesamt, einzelne Länder oder Individuen die natürlichen Ressourcen und die Regenerationsfähigkeit der Ökosysteme beanspruchen. Gemessen wird in der Kunsteinheit globaler Hektar (Gha). Ein Abdruck gibt an, wie viel Fläche und damit Biokapazität für einen Lebenstil benötigt wird. Dabei geht es um den Platz für Siedlungen und Nahrungsproduktion, aber auch um die Fläche, die nötig wäre, um den Ausstoß des Treibhausgases CO2 natürlich zu binden.

Die Zahlen: Nach WWF-Angaben hat sich der ökologische Fußabdruck der Menschheit seit 1966 verdoppelt und wächst weiter. Einwohner wohlhabender Staaten haben wegen ihres Lebenstils und der weit entwickelten Wirtschaft ihrer Länder einen wesentlich größeren ökologischen Fußabdruck als Menschen aus Entwicklungsländern. Die zehn Länder mit dem größten ökologischen Fußabdruck pro Kopf sind Katar, Kuwait, die Vereinten Arabischen Emirate, Dänemark, die USA, Belgien, Australien, Kanada, die Niederlande und Irland. Deutschland liegt auf Platz 30.

Stand: 14.05.2012, 12.50 Uhr