Neue Tabakrichtlinie

Gruselfotos sollen Raucher stoppen

Online-Redaktion: Peter Mühlfeit

Die EU-Kommission setzt auf Abschreckung: Schockierende Fotos von Raucherlungen und Warntexte wie "Rauchen tötet" sollen künftig Dreiviertel der Zigarettenpackung einnehmen. Außerdem sollen Zusatzstoffe verboten und ein Mindestdurchmesser vorgeschrieben werden.

Die EU-Minister beraten über die Tabakproduktrichtlinie. Aromatisierte sowie "Slim" – Zigaretten sollen verboten werden, abschreckende Fotos auf den Verpackungen sollen künftig 3/4 der Fläche ausfüllen, so die Vorschläge der EU-Kommission. "Wir wollen das Rauchen gerade für Jugendliche weniger attraktiv machen", sagte EU-Gesundheitskommissar Toni Borg zu der Initiative.

Verbraucher dürften außerdem nicht in die Irre geführt werden. "Tabakerzeugnisse müssen wie Tabakerzeugnisse aussehen und
schmecken", betonte der Kommissar.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick

  • Warntexte und schockierende Fotos müssen 75 Prozent der Vorder- und Rückseite der Packung einnehmen.
  • Bei Tabak zum Selbstdrehen soll der Warnhinweis auf dem Deckel mindestens 50 Prozent der Deckelfläche einnehmen.
  • Mengenangaben über Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid fallen weg. Dafür steht auf der Verpackung, dass Zigarettenrauch mehr als 70 krebserregende Stoffe enthält.
  • Zusatzgeschmacksstoffe und die Zugabe von Vitaminen, Koffein, Taurin und Farbstoffen werden verboten.
  • Der Durchmesser von Zigaretten darf nicht kleiner als 7,5 Millimeter sein.
  • Auch nikotinhaltige Produkte wie elektronischen Zigaretten sollen künftig mit Gesundheitswarnungen gekennzeichnet werden.

Die Neuregelungen könnten das Aus für Menthol-Zigaretten und die besonders bei Frauen sehr beliebten Slim-Zigaretten bedeuten. Das kann aber noch dauern: Der Vorschlag muss erst noch vom Europäischen Parlament und den EU-Regierungschefs beraten werden.

Frühestens 2014 dürfte die Richtlinie erlassen werden. Gelten könnte sie dann ab 2015 oder 2016. Kritik kam von den Herstellern: "Die geplanten Maßnahmen sind maßlos, überzogen und ihre Wirkung zudem höchst zweifelhaft", sagte der Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbands, Dirk Pangritz.

SWR-Umweltredakteurin Susanne Henn erklärt, weshalb die Zusatzstoffe und Slim-Zigaretten verboten werden sollen:

Warnhinweise seit 2002

Warnhinweise auf Zigarettenpackungen gibt es schon seit nunmehr zehn Jahren. 2002 wurden gleichzeitig auch die "light" oder "mild"-Zigaretten in der gesamten Europäischen Union verboten.

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Drastische Warnhinweise auf Zigarettenschachteln

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Und so könnten sie bald aussehen: Wie hier in Thailand gibt es Zigarettenschachteln vielerorts nur noch mit drastischen Hinweisen auf die Gesundheitsgefahr durch das Rauchen.

Und so könnten sie bald aussehen: Wie hier in Thailand gibt es Zigarettenschachteln vielerorts nur noch mit drastischen Hinweisen auf die Gesundheitsgefahr durch das Rauchen.

In Australien zeigen die Zigarettenpackung unter anderem Aufnahmen entstellter Gebisse - da klingen die deutschen Warnhinweise wie "Rauchen kann tödlich sein" nahezu harmlos.

Noch einmal Australien: Fotos und Todeswarnungen in großen Lettern stehen prominent auf abstoßend braun-grünlichen Zigarettenpackungen. Die Marke darf nur noch ganz klein darunter gedruckt werden.

Auch die USA war bei der Gestaltung der Zigarettenwarnhinweise kreativ. Noch mehr interessante und schockierende Warnhinweise aus aller Welt finden Sie auf dieser australischen Website [Link].

Der deutliche Rückgang gerade bei jüngeren Rauchern - der Anteil der 12- bis 17-jährigen Raucher sank von 28 auf elf Prozent - hat nach Einschätzung des deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg aber andere Gründe: Es liegt vor allem an der mehrfachen Erhöhung der Tabaksteuer in den vergangenen zehn Jahren, die das Rauchen deutlich verteuert hat.

Stand: 21.06.2013, 10.06 Uhr