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Neue Tabakrichtlinie  Gruselfotos sollen Raucher stoppen

Die EU-Kommission setzt auf Abschreckung: Schockierende Fotos von Raucherlungen und Warntexte wie "Rauchen tötet" sollen künftig Dreiviertel der Zigarettenpackung einnehmen. Außerdem sollen Zusatzstoffe verboten und ein Mindestdurchmesser vorgeschrieben werden.

Zigarettenschachteln mit einem möglichen einheitlichem Aussehen und Aufdrucken von Folgeschäden des Zigarettenkonsums

Die EU-Minister beraten über die Tabakproduktrichtlinie. Aromatisierte sowie "Slim" – Zigaretten sollen verboten werden, abschreckende Fotos auf den Verpackungen sollen künftig 3/4 der Fläche ausfüllen, so die Vorschläge der EU-Kommission. "Wir wollen das Rauchen gerade für Jugendliche weniger attraktiv machen", sagte EU-Gesundheitskommissar Toni Borg zu der Initiative.

Verbraucher dürften außerdem nicht in die Irre geführt werden. "Tabakerzeugnisse müssen wie Tabakerzeugnisse aussehen und
schmecken", betonte der Kommissar.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick

  • Warntexte und schockierende Fotos müssen 75 Prozent der Vorder- und Rückseite der Packung einnehmen.
  • Bei Tabak zum Selbstdrehen soll der Warnhinweis auf dem Deckel mindestens 50 Prozent der Deckelfläche einnehmen.
  • Mengenangaben über Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid fallen weg. Dafür steht auf der Verpackung, dass Zigarettenrauch mehr als 70 krebserregende Stoffe enthält.
  • Zusatzgeschmacksstoffe und die Zugabe von Vitaminen, Koffein, Taurin und Farbstoffen werden verboten.
  • Der Durchmesser von Zigaretten darf nicht kleiner als 7,5 Millimeter sein.
  • Auch nikotinhaltige Produkte wie elektronischen Zigaretten sollen künftig mit Gesundheitswarnungen gekennzeichnet werden.

Die Neuregelungen könnten das Aus für Menthol-Zigaretten und die besonders bei Frauen sehr beliebten Slim-Zigaretten bedeuten. Das kann aber noch dauern: Der Vorschlag muss erst noch vom Europäischen Parlament und den EU-Regierungschefs beraten werden.

Frühestens 2014 dürfte die Richtlinie erlassen werden. Gelten könnte sie dann ab 2015 oder 2016. Kritik kam von den Herstellern: "Die geplanten Maßnahmen sind maßlos, überzogen und ihre Wirkung zudem höchst zweifelhaft", sagte der Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbands, Dirk Pangritz.

SWR-Umweltredakteurin Susanne Henn erklärt, weshalb die Zusatzstoffe und Slim-Zigaretten verboten werden sollen:

Wenn man in eine Zigarette Menthol mischt, dann macht das den Rauch angenehmer. Er ist nicht mehr so scharf und kratzig, sondern irgendwie weich. Und man kann richtig schön einatmen, also ganz tief inhalieren. Andere Zusatzstoffe wie Zimt, Schokolade oder Fruchtextrakte sorgen dafür, dass die Zigarette besser schmeckt.

Die dünnen Slim-Zigaretten werden fast ausschließlich von Frauen und vor allem Mädchen geraucht, weil sie als schick gelten. Wenn es sie nicht mehr gibt, so das Kalkül, wird das Rauchen für diese Zielgruppe deutlich unattraktiver. Gerade Slim-Zigaretten sind besonders ungesund. Um überhaupt etwas aus ihnen heraus zu bekommen, muss man stark an ihnen ziehen und inhaliert so die Schadstoffe besonders tief ein.

Zusatzstoffe machen das Rauchen leichter und damit vor allem den Einstieg ins Rauchen. Mit dem Verbot sollen deshalb noch mehr Kinder und Jugendliche davon abgehalten werden, mit dem Qualmen überhaupt anzufangen. Wenn es im Hals heftig kratzt und man pausenlos husten muss, dann ist Rauchen überhaupt nicht mehr cool.

Viele, die eigentlich gerne aufhören würden, weil sie die gesundheitlichen Folgen spüren oder fürchten, steigen erst einmal auf vermeintlich leichtere Zigaretten um. Aber gerade die sind mit Zusatzstoffen vollgestopft.

Warnhinweise seit 2002

Warnhinweise auf Zigarettenpackungen gibt es schon seit nunmehr zehn Jahren. 2002 wurden gleichzeitig auch die "light" oder "mild"-Zigaretten in der gesamten Europäischen Union verboten.

Der deutliche Rückgang gerade bei jüngeren Rauchern - der Anteil der 12- bis 17-jährigen Raucher sank von 28 auf elf Prozent - hat nach Einschätzung des deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg aber andere Gründe: Es liegt vor allem an der mehrfachen Erhöhung der Tabaksteuer in den vergangenen zehn Jahren, die das Rauchen deutlich verteuert hat.

Online-Redaktion: Peter Mühlfeit

Letzte Änderung am: 21.06.2013, 10.06 Uhr