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Feinstaub-Hauptstadt Stuttgart Kann "Feinstaub-Alarm" Luft rein halten?

Stuttgart startet als erste deutsche Großstadt mit dem neuen Luftreinhaltekonzept "Feinstaub-Alarm". Autofahrer sollen freiwillig auf Fahrrad, Bus oder Bahn umsteigen. Ob das funktioniert?

Feinstaub Alarm

Der neue "Feinstaub-Alarm" setzt auf freiwilligen Verzicht bei Autofahrern und Kaminbesitzern

Stuttgart ist Deutschlands Feinstaub-Hauptstadt mit den höchsten Werten bei Feinstaub- und Stickstoffdioxiden. Doch die baden-württembergische Landeshauptstadt will etwas dagegen tun - gegen den schlechten Ruf und gegen die schlechte Luft. Ab sofort gilt ein bundesweit einmaliges Konzept zur Luftreinhaltung: "Feinstaub-Alarm"!

Gespräch mit Sabine Gronau, SWR Umwelt und Ernährung

Wie genau soll "Feinstaub-Alarm" funktionieren?

Ein Fahrradfahrer fährt über einen Radweg

Fahrrad: Gut fürs Klima, gut für die Gesundheit

Sobald der Deutsche Wetterdienst für zwei Tage hintereinander eine so genannte Inversionswetterlage vorhersagt, bei der sich Feinstaub und Stickoxide in Bodennähe stauen, soll für das Stadtgebiet Feinstaub-Alarm ausgerufen werden. Mit einem Tag Verzögerung sollen möglichst viele Autofahrer freiwillig auf ihr Fahrzeug verzichten und stattdessen öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad oder Fahrgemeinschaften nutzen oder zu Fuß gehen.

Besitzer von Kaminen und Holzöfen werden gebeten, diese vorübergehend nicht anzufeuern. Die Stadt, das Regierungspräsidium und das Landesverkehrsministerium erhoffen sich von der Maßnahme, dass mit spürbar weniger Verkehr an den betreffenden Tagen die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide eingehalten werden können. Sollte das Konzept "Feinstaub-Alarm" nicht funktionieren, könnten ab Winter 2017/2018 Fahrverbote oder eine Innenstadtmaut eingeführt werden.

Inversionswetterlage

Problem Inversionswetterlage

Die Information über den Feinstaub-Alarm wird wohl jeder mitkriegen: im Radio und auf Anzeigetafeln am Straßenrand soll der Feinstaub-Alarm verkündet werden. Zudem soll es in der Zeitung und im Internet zu lesen sein.

Den Feinstaub-Alarm wird es übrigens bereits geben noch bevor die Grenzwerte überschritten werden. Das droht dann, wenn die Wetterlage so ist, dass kein Schnee oder Regen fällt und die Luft im Stuttgarter Kessel nicht ordentlich durchgepustet und ausgetauscht wird - dann staut sich die dicke Luft in Bodennähe und wird immer schmutziger.

Was bringt so ein "Feinstaub-Alarm" überhaupt? Ist das ausreichend?

Feinstaub-Verbotsschild vor stehenden Autos

Feinstaub-Fahrverbot - und keiner macht mit...?

Das kommt darauf an. Wenn man mit Taschenrechner und viel Optimismus an die Sache herangeht, könnten bis zu 20 Prozent der Autos stehen bleiben. Das würde natürlich eine Entlastung bringen.

Aber - und jetzt kommt ein dickes 'aber' - wie viele der Fahrer können tatsächlich auf ihr Auto verzichten? Wie viele wollen es stehen lassen und sich in den Bus oder die Straßenbahn quetschen? Wie viele machen es am Ende tatsächlich? Das wird erst die Praxis zeigen.

Vergünstigungen bei Feinstaub-Alarm: Einen Freimonat für Abo-Einsteiger der Stuttgarter Verkehrsbetriebe VVS, Einzeltickets zum halben Preis von moovel über deren App, E-Auto fahren mit Car2Go: Die Minute zu weniger als dem halben Preis

Erfahrungsgemäß hat Stuttgart jeden Winter mehrmals diese sogenannte Inversionswetterlage, bei der die dreckige Luft sich unten am Boden staut - also gibt es voraussichtlich in diesem Jahr mehrmals die Gelegenheit zu überprüfen, ob die Autofahrer wirklich so vernünftig sind wie Verkehrsministerium und Stadt Stuttgart hoffen.

Abgesehen davon gehen Kritiker wie die Deutsche Umwelthilfe davon aus, dass selbst im allergünstigsten Fall allein durch Feinstaub-Alarm die Grenzwerte nicht eingehalten werden.

Sind diese Maßnahmen also nur Augenwischerei und Wahlkampf?

Feinstaub

Demonstration gegen Feinstaub in Stuttgart

Es ist ja in Stuttgart bisher nicht 'nichts' passiert in Sachen Luftreinhaltung: Umweltzonen gibt es, LKW-Durchfahrverbote, ein verbessertes Jobticket, Tempo-40-Zonen. Trotzdem ist die Luft zu oft zu schlecht.

Maßnahmen, die richtig weh tun würden - also Fahrverbote oder eine Innenstadt-Maut - soll es aber frühestens ab 2018 geben.



Online: Heidi Keller, Martina Schlick

Aktuell im SWR