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Allergiepflanze Ambrosia Tickende Zeitbombe für Allergiker

In Italien und Frankreich hat sich die Ambrosia-Pflanze in manchen Regionen explosionsartig ausgebreitet - und immer mehr Menschen reagieren allergisch. In Deutschland sind bisher kaum Auswirkungen auf die Bevölkerung bekannt. Anlass zur Entwarnung besteht trotzdem nicht, wie eine Untersuchung in Baden-Württemberg zeigt: Von der Ambrosia geht ein potenzielles Allergie-Risiko aus, das ernst genommen werden muss.

Wie groß das Allergie-Potenzial der Ambrosia-Pflanze ist, war eine der Fragen, mit denen sich eine 2010 vorgestellte Studie befasst, die das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg gemeinsam mit weiteren Institutionen durchgeführt hat. Dazu wurden mehr als 2.000 Kinder getestet. Das Ergebnis: Etwa 15 Prozent waren sensibilisiert, hatten in ihrem Blut also Antikörper gebildet. Doch ob sich diese Sensibilisierung tatsächlich auf Ambrosia bezieht, ist nur schwer zu bestimmen, erläutert Dr. Thomas Gabrio, der als Laborleiter die klinischen Untersuchungen im Rahmen der Studie durchführte. Denn zwischen den Allergenen von Ambrosia, Beifuß und Wermut bestehe eine so genannte Kreuzreaktion. Die Kinder hatten also Antikörper gegen die Pollen mindestens einer der Pflanzen dieses Komplexes gebildet, aber nicht unbedingt gegen die Ambrosia-Pollen.

Sensibilisiert, aber nicht immer krank

Wenn man für Ambrosia-Pollen sensibilisiert ist, muss das nicht zwangsläufig bedeuten, dass sich daraus eine Allergie entwickelt. Das Risiko ist jedoch hoch, dass die Allergie ausbricht, wenn man erneut mit dem Allergen, also mit den Pollen in Kontakt kommt. Besonders gefährdet sind dabei Personen, die bereits andere Allergien haben, etwa auf Gräser. Durch das starke Allergen der Ambrosia genügen zudem etwa fünf bis zehn Pollen pro Kubikmeter Luft, um eine Allergie auszulösen - bei Birken-Pollen muss die Konzentration ungefähr zehnmal so hoch sein. In Untersuchungen zeichnet sich auch ab, dass die allergischen Reaktionen auf die Ambrosia deutlich schwerer auszufallen scheinen.

Erst erkennen, dann behandeln

Um eine Ambrosia-Allergie wirkungsvoll behandeln zu können, muss zuerst einmal untersucht werden, ob es sich tatsächlich um eine solche handelt. Ein normaler Allergietest reicht wegen der beschriebenen Kreuzreaktionen nicht. Allergologen brauchen für die Untersuchung fundiertes Hintergrundwissen, weshalb Gabrio empfiehlt, sich im Zweifelsfall an spezialisierte Universitätskliniken zu wenden. Durch einen Inhalationstest mit Ambrosia-Pollen kann dort zweifelsfrei festgestellt werden, ob allergische Reaktionen auftreten.

Der Zeitpunkt, wann die Beschwerden wie Schnupfen, brennende Augen oder Asthma auftreten, kann einen ersten Anhaltspunkt geben, ob Ambrosia der Auslöser sein kann: Die Hauptpollenflugzeit ist von August bis Oktober, also dann, wenn Gräser und andere "Allergiepflanzen" nicht mehr blühen.

1000 Antworten - Klimawandel im Südwesten - SWR2 Impuls vom 21.4.2011 Dauer: 2:15 min

Man kennt die Ambrosia hier schon ziemlich lange, etwa seit 1860. Sie wurde damals mit dem Schiff über Getreidelieferungen aus Nordamerika eingeschleppt. Sie hat sich in ganz Europa, vor allem in Süd- und Südosteuropa, sehr stark ausgebreitet.Durch den Klimawandel und die zunehmenden Temperaturen in unseren Breiten erreicht die Wärmesumme eine Größenordnung, in der die Ambrosia bei uns nicht nur gedeiht, sondern auch Samen bildet und sich reproduzieren kann und daher in Ausbreitung begriffen ist. Die Ambrosia ist hochallergen und die Allergiker müssen sich darauf einstellen, dass die Allergiephase länger dauert, da die Ambrosia ein Spätblüher ist. [...]

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Wehret den Anfängen

Auch wenn die Verbreitung der Ambrosia in Deutschland bisher noch keinen Anlass zu Befürchtungen gibt, ist für Thomas Gabrio die Situation in Nordamerika, aber auch in Norditalien und Frankreich ein warnendes Beispiel. 1990 war die Ambrosia in Norditalien etwa so verbreitet wie heute in Deutschland, doch dann vermehrte sie sich explosionsartig. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Allergiker, die massive Beschwerden haben. 2007 war Ambrosia nach Gräserpollen die zweithäufigste Ursache für Atemwegs-Allergien. Diese Entwicklung vor Augen zieht Gabrio ein eindeutiges Fazit: "Die unkontrollierte Ausbreitung der Ambrosia muss in Deutschland tunlichst vermieden werden."

Wie Sie selbst Ambrosia-Pflanzen erkennen und fachgerecht entfernen, erfahren Sie in unserer Bildergalerie.



Autorin: Marion Dilg

Quelle: SWR.de - Ratgeber

Letzte Änderung am: 29.04.2011, 16.29 Uhr

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