Grundschullehrerin Anja Lippert organisiert eine Lesenachtwanderung in Nittel.

Für deutschen Lesepreis nominiert

Grundschullehrerin aus Nittel organisiert erste Lesenachtwanderung

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AUTOR/IN
Lena Bathge
Lena Bathge ist multimediale Reporterin im SWR Studio Trier

Wenn Kinder mit Taschenlampen, Bollerwagen und einem Buch zum Vorlesen unterwegs sind, dann ist Lesenachtwanderung. Organisiert hat diese eine Grundschullehrerin aus Nittel.

Rund um den Parkplatz am Friedhof in Nittel tummeln sich kleine Eulen, Füchse, Pinguine, Rehe und sogar Einhörner. Fast 200 Kinder haben sich für die Lesenachtwanderung angemeldet und sich extra dafür als Tiere verkleidet. Plötzlich ertönt Musik aus einem Lautsprecher und die Titelmelodie der "Schule der magischen Tiere" erklingt. Gebannt schauen die Kinder auf den rot-weißen Bulli von Mortimer Morrison. Der ist in der Kinderbuchreihe von Margit Auer Inhaber einer magischen Zoohandlung. Doch jetzt ist er mit seinem Bulli liegengeblieben und schickt deshalb die vielen kleinen Tiere um ihn herum los, die Gegend zu erkunden. Und damit geht die Lesenachtwanderung erst richtig los.

Grundschullehrerin Anja Lippert organisiert eine Lesenachtwanderung in Nittel.
Mortimer Morrison aus der Buchreihe "Die Schule der magischen Tiere" ist zusammen mit seiner Elster Pinkie mit seinem Bulli liegen geblieben. Die beiden Charaktere werden von Grundschullehrerin Anja Lippert und einem Bekannten von ihr verkörpert.

Begeisterung fürs Lesen steckt Kolleginnen und Kollegen an

Organisatorin ist Anja Lippert. Die Grundschullehrerin aus Nittel ist mit Feuereifer dabei, wenn es darum geht, Kindern Spaß am Lesen zu vermitteln. Das merkt man ihr sofort an. Die anderen Lehrerinnen und Lehrer, Freunde und Eltern steckt sie damit an, denn natürlich steht da nicht der waschechte Mortimer Morrison mit seinem Bulli vor den Kindern, sondern ein Bekannter von ihr in Verkleidung. Auch Lippert ist heute verkleidet - als Elster Pinkie, das magische Tier von Mortimer Morrison. Mit einem vollgeladenen Bollerwagen führt sie die Lesenachtwanderung an.

"Wir haben Sonntags immer alle gemeinsam am Kamin gesessen und gelesen. Für mich ist Urlaub, wenn ich acht Bücher lese."

Aber woher nimmt sie ihre Begeisterung für das geschriebene Wort? "Das kommt schon von meinen Eltern, mein Vater hat mir früher die tollsten Geschichten vorgelesen, zum Beispiel in Italien am Meer", erzählt Lippert. "Wir haben Sonntags immer alle gemeinsam am Kamin gesessen und gelesen. Für mich ist Urlaub, wenn ich acht Bücher lese." Sie selbst liest ihrem Sohn bis heute vor. Natürlich weiß sie, dass das nicht alle Eltern machen oder schaffen können. Darum liegt ihr die Leseförderung so besonders am Herzen, denn mit ihren Aktionen kann sie auch Kinder fürs Lesen begeistern, die das von Zuhause nicht so mitbekommen. Die meisten ihrer Ideen kommen ihr dabei nachts, kurz vorm Schlafen gehen. Auch die Idee zur Lesenachtwanderung ist so entstanden.

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Vorlesestationen auf einem Wanderweg rund um Nittel

Mit den Kindern hat Lippert inzwischen die erste Vorlesestation erreicht. An verschiedenen Stationen auf einem Rundweg um Nittel hält die Gruppe an und dann wird vorgelesen. Als Erster ist Kai Schulze dran. Der Profi-Hörbuchsprecher aus Oberbillig zieht die Kinder mit seiner Erzählweise schnell in seinen Bann. Nebenbei setzt die Dämmerung ein, es wird minütlich dunkler und nach und nach flackern die Taschenlampen der Kinder auf. Einige haben sich am Waldrand Wanderstöcke gesucht.

Grundschullehrerin Anja Lippert organisiert eine Lesenachtwanderung in Nittel.
Grundschullehrerin Anja Lippert organisiert eine Lesenachtwanderung in Nittel. Für ihre Engagement in der Leseförderung wurde sie von der Stiftung Lesen für den Deutschen Lesepreis nominiert.

An der zweiten Station ist Mila mit vorlesen dran. Noch vor einem Jahr war die Schülerin selbst als Lesescout an der Grundschule unterwegs. Jetzt ist sie sichtlich nervös, aber sie hat zuhause mit ihrer Mutter geübt. Es klappt wie am Schnürchen, ihre Erleichterung ist groß und der Applaus umso lauter.

Viele bunte Ideen zur Leseförderung

Die Lesenachtwanderung ist längst nicht die einzige Aktion von Anja Lippert. An der Grundschule in Nittel ist sie klassenübergreifend für die Leseförderung zuständig und denkt sich dafür immer wieder etwas Neues aus. Bei den sogenannten "Leserauschtagen" etwa hat Lippert mit den Kindern Speisen aus deren Lieblingsbücher zubereitet. Natürlich gehört es da zum guten Ton, bis auf den letzten Krümel alles aufzuessen. Außerdem gibt es die Lesescouts, zu denen auch Vorleserin Mila gehört hat.

Grundschullehrerin Anja Lippert organisiert eine Lesenachtwanderung in Nittel.
Grundschullehrerin Anja Lippert kommt aus einer lese-affinen Familie, wie sie selbst sagt. Kindern den Spaß am Lesen zu vermitteln, ist ihr eine Herzensangelegenheit.

Lesescouts werden laut Lippert eigentlich erst in den weiterführenden Schulen aktiv, nicht bereits in der Grundschule. "Selbst die Stiftung Lesen musste uns deshalb extra spezielle Formulare für das Zeugnis zukommen lassen", erzählt Lippert. Mit den Lesescouts entwickelt sie Ideen für die jüngeren Schülerinnen und Schüler. Da gab es zum Beispiel die Aktion Meterlesen. Die Kinder lesen so viele Bücher wie sie können in einem bestimmten Zeitraum. Am Ende werden die Bücher alle hintereinander gelegt. Dann wird gemessen, wie lang die Reihe geworden ist. "Beim letzten Mal sind wir bei acht Metern rausgekommen", berichtet Lippert und ein stolzes Grinsen macht sich auf ihrem Gesicht breit.

Nominierung für den deutschen Lesepreis

Ihr Engagement bleibt dabei nicht unbemerkt. Im Herbst kam die Nachricht, dass sie von der Stiftung Lesen für den Deutschen Lesepreis nominiert worden ist. "Und dann bin ich hier ausgeflippt", erzählt Lippert lachend. Am 27. Februar wird der Preis vergeben. Für sie ist dieser aber nur zweitrangig. "Selbst wenn es nicht klappt, ich habe schon so viele neue Ideen und ich mache das in erster Linie für die Kinder", meint Lippert.

"Die Kunst ist, für jedes Kind das richtige Buch zu finden."

Im Moment bemüht sie sich zum Beispiel um bilinguale Bücher, die auf deutsch und englisch oder deutsch und ukrainisch geschrieben sind. "Wenn mir dann ein Junge sagt, der sonst nie liest, oh, Frau Lippert, ich habe jetzt schon das ganze Buch durchgelesen, dann ist das das beste Lob, das ich bekommen kann. Die Kunst ist, für jedes Kind das richtige Buch zu finden."

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