Meine Kleinen Schätze - Geschichten von Migration (Foto: SWR)

Ausstellung „Meine kleinen Schätze“

Menschen aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erzählen ihre Geschichten von Migration

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Schlüsselbund und Oregano, Weinberge und türkischer Tee, Goethe und Nazim Hikmet: zwei Gegenstände, die Menschen mit ihrer Herkunft verbinden und mit ihrem Leben in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. In der digitalen Ausstellung erzählen sie anhand ihrer „kleinen Schätze“ ihre Geschichten und die ihrer Eltern oder Großeltern. Viele von ihnen sind vor rund 60 Jahren im Zuge der Anwerbeabkommen aus Ländern wie Italien, Spanien und der Türkei nach Deutschland gekommen.

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Fragt man Menschen mit Einwanderungsbiografien, was zu ihrem Leben dazugehört, dann gibt es Dinge, die sie auf keinen Fall missen möchten. Nicht selten sind es einfache Dinge des Alltags – doch sie haben einen besonderen Wert, mit ihnen verwoben sind Erinnerungen und Emotionen: Kinderbücher in zwei Sprachen, Musikkassetten, Schallplatten, Frischkäsebrötchen, Vollkornbrot. Sie alle sind Ausdruck ihres mehrkulturellen Lebens.

Mosaik der Einwanderungsgeschichte

Diese Menschen und ihre Gegenstände – verbunden mit ihrer ganz persönlichen Geschichte – zeigt die SWR Ausstellung „Meine kleinen Schätze – Geschichten von Migration“.

Wir haben Frauen und Männer, die selbst oder deren Eltern und Großeltern nach Deutschland kamen, gebeten, Fotos mit diesen Gegenständen zu schicken und ihre Geschichten dazu zu erzählen. Manche stellten zudem Fotos aus ihrem Familienalbum zur Verfügung, andere gaben Interviews.  Herausgekommen ist ein Mosaik der Einwanderungsgeschichte dieses Landes mit vielen persönlichen und berührenden Blicken darauf.

Havva Engin mit einem Sesamkringel, ihrem „Sehnsuchtsgebäck“ aus der Türkei. (Foto: SWR, Havva Engin)
Havva Engin mit ihren „kleinen Schätzen“: Sesamkringel, ihrem „Sehnsuchtsgebäck“ aus der Türkei, und Wanderstöcke Havva Engin

Sehnsuchtsgebäck der Almanci

Spannend ist, wie oft Essen zu den wichtigen Dingen gehören, die ein Heimatgefühl vermitteln. Die Erinnerung an den Geschmack einer ganz bestimmten Frucht, eines ganz bestimmten Gerichts oder das Entdecken von einem Neuem ist Teil des Lebens. Essen und Trinken hält nicht nur Leib und Seele zusammen. Es ist auch Genuss, es ist auch Fürsorge. Mit einem Essen lassen sich Grenzen überwinden, Brücken bauen, Sehnsüchte und Wünsche ausdrücken, Erlebnisse und Situationen rekonstruieren.  „Sehnsuchtsgebäck“ nennt Havva Engin ihre Simit, die Sesamkringel, die sie aus der Türkei kannte und nun in Heidelberg isst. Für Muhterem Aras, die Landtagspräsidentin in Baden-Württemberg, steht die Vielfalt an Brot in Deutschland für die Vielfalt des Landes.   

Muhterem Aras, Landtagspräsidentin Baden-Württemberg, mit türkischem Honig und Vollkornbrot (Foto: Pressestelle, Foto: Lena Lux)
Muhterem Aras mit ihren „kleinen Schätzen“: Türkischer Honig und Vollkornbrot Pressestelle Foto: Lena Lux

Die Welt ist die Heimat

Migration ist weder statisch noch einmalig. Menschen bringen etwas mit, geben es weiter, sie verändern sich, ihre Umgebung verändert sich, es entsteht etwas Neues. „Mehrkulturell“ nennt dies der Dichter José F.A. Oliver. Er brachte aus Spanien einst einen Ableger von der Pflanze seiner Großmutter mit. Dieser Ableger ist heute eine schöne Pflanze, weitere Ableger sind in der gesamten Welt verstreut. Dazu kommt seine Maske der schwäbisch-alemannischen Fasnet, mit der er im Schwarzwald groß wurde. 

60 Jahre Anwerbeabkommen

2021 feiern wir das 60-jährige Jubiläum des Anwerbeabkommens zwischen der Türkei und Deutschland. Im Zuge dieses und weiterer Abkommen – unter anderem auch mit Italien, Griechenland, Spanien, Portugal und anderen Ländern – kamen Millionen von Menschen nach Deutschland. Was zunächst als Provisorium gedacht war — ein paar Jahre arbeiten und dann gehen — entwickelte sich zu einem Daueraufenthalt. 

Türkische Gastarbeiter treffen in Deutschland ein (1971) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Wolfgang Hub)
Türkische Gastarbeiter treffen in den 70er Jahren Deutschland ein Wolfgang Hub

Die Kinder und Enkelkinder dieser sogenannten „Gastarbeiter*innen“ leben heute in zweiter und dritter Generation hier. Zudem kamen auch viele Menschen nach Deutschland, die vor Krieg, Not oder Diskriminierung fliehen mussten. Andere, weil sie hier studieren wollten oder weil sie sich verliebten – und dann blieben. Sie alle machen die Vielfalt unseres Landes aus.

Das möchten wir mit dieser Ausstellung zeigen: kleine Schätze, die nicht unbedingt glamourös und glänzend daherkommen, aber ohne die es nicht geht – und ohne die das Leben sehr viel ärmer wäre.

SWR Team: Anna Koktsidou, Celine Kaddatz, Simon Rees, Marie-Christine Werner, Clemens Zoch

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