Fakten zu Grenzwerten und Risiken Diese 5 Dinge sollten Sie über Verkehrslärm wissen

Welche Dezibel-Grenzwerte gelten für Verkehrslärm an Schulen oder Krankenhäusern? Was ist ein Lärmaktionsplan und wann macht Lärm krank? Antworten auf diese Fragen finden Sie in unseren FAQ.

1. Warum ist der Straßenverkehr so laut?

Da sind zunächst die Geräusche von Motor und Antriebsstrang. Pkw sind von allen Fahrzeugen am leisesten. Ein Lkw ist bei Tempo 50 durchschnittlich so laut wie zwanzig Pkw. Motorräder wiederum sind bei hohen Drehzahlen häufig sogar lauter als schwere Lkw. Für das menschliche Ohr ist schriller Lärm (eine Kreissäge oder ein hochdrehendes Motorrad) unangenehmer als zum Beispiel das Blubbern eines Schiffsdiesels.

Das Motorengeräusch ist nur beim Anfahren, Beschleunigen und bei niedriger Fahrgeschwindigkeit bestimmend. Obwohl natürlich viel von der Drehzahl abhängt, kann man sagen, dass ab 30 km/h der Reifenlärm in den Vordergrund tritt. Bei Lkw wegen des lauteren Motors erst ab etwa 60 km/h.

Neben den Motorengeräuschen ist auch der Fahrbahnbelag eine wichtige Lärmquelle. So ist das Überfahren von Kopfsteinpflaster mehr als 10 dB(A) lauter als von glattem Asphalt.

2. Welche Grenzwerte gelten?

Um es vorweg zu nehmen: Verbindliche und einklagbare Grenzwerte wie bei der Luftverschmutzung gibt es beim Verkehrslärm nicht. In der EU-Richtlinie, die 2007 als Anhang des Bundesimmissionsschutzgesetzes in nationales Recht umgesetzt wurde, sind allerdings verschiedene Dinge festgeschrieben, um Verkehrslärm zu bekämpfen.

Beim Neubau oder einer „wesentlichen Änderung“ einer Straße gibt es immerhin Grenzwerte, die eingehalten werden müssen:

  • Reine Wohngebiete: tags: 59 dB(A), nachts: 49 dB(A)
  • An Krankenhäusern, Schulen, Kurheimen und Altenheimen: tags: 57 dB(A), nachts: 47 dB(A)
  • „Kerngebiete (Innenstädte), Dorfgebiete und Mischgebiete“: tags: 64 dB(A), nachts: 54 dB(A)
  • Gewerbegebiete: tags: 69 dB(A), nachts: 59 dB(A)

Bei bestehenden Straßen gibt es keine Grenzwerte, die zwingend eingehalten werden müssen. Allerdings legen die Bundesländer bestimmte Werte fest, bei deren Überschreitung ein sogenannter „Lärmaktionsplan“ eingeleitet werden muss - mit dem Ziel, die Lärmbelastung zu senken.

In Baden-Württemberg liegt dieser Wert für Wohngebiete bei einem Mittelungspegel von 55 db(A) in der Nacht bzw. 65 db(A) über 24 Stunden. In Rheinland-Pfalz sind es 57 db(A) bzw. 67 db(A).

Die empfohlenen Grenzwerte von Umweltbundesamt und Weltgesundheitsorganisation WHO sind zum Teil deutlich geringer.

3. Wie wird Verkehrslärm erfasst?

Weil Lärmbelastungen je nach Wochentag, Uhrzeit und Witterung schwanken können, schreibt eine EU-Richtlinie vor, dass der Lärm nach einem einheitlichen Verfahren berechnet wird. Dabei werden eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigt: Anzahl und Art der Fahrzeuge, Höchstgeschwindigkeit oder Straßenbelag. Daraus wird ein sogenannter „Mittelungspegel“ berechnet. In diesem Artikel erklären wir verständlich, was Lärm, Schall und Dezibel genau bedeuten.

Lärmmessgerät wird vor einen Motorradauspuff gehalten (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/imageBROKER)
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Weiter wird z.B. auch berücksichtigt, dass es viel nerviger ist, wenn an einer Ampelkreuzung ständig angefahren und gestoppt wird. Dafür gibt es Zuschläge. Aus dem Mittelungspegel wird so der „Beurteilungspegel“.

Das Ergebnis der Berechnungen geht in Lärmkarten ein, die alle fünf Jahre neu gemacht werden.

4. Was ist ein Lärmaktionsplan?

Wenn problematische Werte erreicht werden, sind die Behörden verpflichtet, einen Lärmaktionsplan zu starten. In Baden-Württemberg tritt der Plan in Kraft, wenn 65 dB(A) über den ganzen Tag oder 55 dB(A) in der Nacht überschritten werden.

Das Umweltbundesamt empfiehlt aber schon eine Auslösung bei Überschreitung von 45 dB(A) in der Nacht oder 55 dB(A) über den ganzen Tag, um „erhebliche Belästigungen“ zu vermeiden.

Je nach Situation können bei einem Lärmaktionsplan die verschiedensten Maßnahmen zum Einsatz kommen:

„Vermeidung“: Zum Beispiel Durchfahrtverbote, Verlagerung des Verkehrs auf Umgehungsstraßen, Verbesserung des ÖPNV-Angebots

„Vermindern“: Zum Beispiel Geschwindigkeitsbeschränkungen, neuer Fahrbahnbelag

„Ausgleichen“: Zum Beispiel Lärmschutzwände, Schallschutzfenster

5. Warum macht Lärm krank?

Dauerbelastungen von mehr als 65 dB(A) am Tag können zu einem erhöhten Gesundheitsrisiko führen. Nachgewiesen wurden schlechter Schlaf und Stresssymptome. Langfristig kann dies zu hohem Blutdruck und Herzinfarkt führen.

Dauer

Ab einem Pegel von 85 dB(A) wird über die genannten Wirkungen hinaus das Gehör geschädigt. Bei kurzen Geräuscheinwirkungen, etwa durch Hammerschläge, Knallkörper oder bei kurzem Hören sehr lauter Musik, kommt es zu einer zeitweiligen Hörschwellenverschiebung. Davon erholt sich das Ohr nach einer Zeit der Ruhe wieder.

Bei ständig sehr lauter Musik, Maschinenlärm oder Knallen über 120 dB(A) kommt es zu einer dauerhaften Hörschwellenverschiebung, die sich als Schwerhörigkeit äußert. Dabei werden die sehr feinen Härchen der Haarzellen im Innenohr geschädigt.

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