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Bei frühlingshaften Temperaturen und den ersten warmen Sonnenstrahlen verbringen viele Menschen wieder mehr Zeit im Freien. Dann beginnt jedoch auch wieder die Saison der Zecken.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
16:05 Uhr
Sender
SWR2

Bedingt durch den Klimawandel verbreiten sich neue Zeckenarten, die möglicherweise auch bei uns tropische Krankheiten übertragen können. Die Hyalommazecke ist so ein Exemplar. Um diese tropische Zeckenart besser erforschen zu können und zu erfahren, wo sie sich in Deutschland schon verbreitet hat, haben Parasitologen der Universität Hohenheim die Bevölkerung um Hilfe gebeten. Sie sollten alle entdeckten Zecken einsenden. Professorin Ute Mackenstedt von der Uni Hohenheim hat die Zecken-Post ausgewertet. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurden die aktuellsten Ergebnisse jetzt vorgestellt.

Prof. Dr. Ute Mackenstedt ist Parasitologin an der Uni Hohenheim und erforscht dort insbesondere auch die Verbreitung neuer invasiver Zeckenarten. (Foto: Imago, imago images / Future Image)
Prof. Dr. Ute Mackenstedt ist Parasitologin an der Uni Hohenheim und erforscht dort insbesondere auch die Verbreitung neuer invasiver Zeckenarten. Imago imago images / Future Image

Über 3.500 Zecken aus sechs verschiedenen Gattungen sind das Ergebnis des Zeckenaufrufes der Hohenheimer Universität im letzten Jahr.

„Die Menge an Daten, die wir durch die Einsendungen bekommen konnten, ist überwältigend“

Professorin Dr. Ute Mackenstedt von der Uni Hohenheim

Unter den knapp 3.500 eingesendeten Zecken befanden sich 112 Exemplare der tropischen Hyalommazecke und einige Exemplare der Braunen Hundezecke. Diese beiden Arten wollten die Forscherinnen und Forscher genauer unter die Lupe nehmen.

Braune Hundezecken stehen auch im Visier der Hohenheimer Parasitologen  (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Fabian Sommer/dpa)
Braune Hundezecken stehen auch im Visier der Hohenheimer Parasitologen. Foto: Fabian Sommer/dpa

Keine vollständige Entwarnung für die Übertragung schwerer Tropenkrankheiten

Vorläufige Entwarnung gibt das Forscherteam um Ute Mackenstedt die Verbreitung im Hinblick mit Blick auf das Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber und das Arabisch Hämorrhagische Fieber: Bislang seien diese gefürchteten, durch Viren übertragenenen Tropenkrankheiten bei keiner der eingesendeten Hyalommazecken nachgewiesen worden. Allerdings hätten 41 der eingesandten Hyalommazecken, also knapp ein Drittel, Rickettsien in sich getragen – den Erreger des sogenannte Zecken-Fleckfiebers.

Hyalommazecken befallen Pferde und möglicherweise auch Menschen

Die etwa ein Zentimeter großen Hyalommazecken wurden vor allem von Pferdebesitzern oder - besitzerinnen eingesandt. Experten gehen davon aus, dass die Hyalommazecke gerne große Säugetiere wie Pferde oder Rinder befällt. Aber es sei nicht ausgeschlossen, dass sie auch Menschen befällt und damit auch diese tropischen Erreger überträgt.

Zecken im Größenvergleich: Gemeiner Holzbock (links) und Hyalomma marginatum (rechts) (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Lidia Chitimia-Dobler/Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr/dpa -)
Zecken im Größenvergleich: Gemeiner Holzbock (links) und Hyalomma marginatum (rechts) Foto: Lidia Chitimia-Dobler/Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr/dpa -

Hyalommazecke verfolgt ihre Opfer bis auf 100 Meter

Ursprünglich stammen die beiden Arten Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes aus den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens, Süd- und Osteuropas. Gegenüber den üblichen bei uns heimischen Arten unterscheiden sie sich vor allem durch ihre auffällige Erscheinung: Sie sind viel größer als der normale Holzbock und haben gestreifte Beine.

Im Gegensatz zu unseren heimischen Zecken haben Hyalommazecken Augen und können die von ihnen bevorzugte Wirtstiere, in der Regel große Tiere, bis auf eine Entfernung von 100 Meter aktiv verfolgen. Die Larven und Nymphen der Hyalomma-Zecke befallen vor allem Vögel und Kleinsäuger. Diese bleiben bis zu 28 Tage auf ihrem Wirt. Mit Zugvögeln können sie so auch nach Deutschland eingeschleppt werden.

Zeckensammeln für die Forschung (Facebook-Video)

Auwaldzecken sind ganzjährig aktiv


Neben der Hyalomma-Zecke und der Braunen Hundezecke wurden auch mehr als 3000 Auwaldzecken (Dermacentor reticulatus) und Schafzecken (Dermacentor marginatus) eingeschickt. Vor allem die Auwaldzecken sind offensichtlich ganzjährig aktiv und kamen auch in Gegenden vor, die bisher nicht als ihr typisches Verbreitungsgebiet galten.

Auwaldzecken sind ganzjährig aktiv. (Foto: dpa Bildfunk, imago images/Frank Sorge)
Auwaldzecken sind ganzjährig aktiv. imago images/Frank Sorge

Rückgang von FSME in Baden-Württemberg

Die Zahl der Erkrankungen von FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist in Baden Württemberg von 607 auf 462 Fälle gesunken. Auch in Bayern ist die Zahl um 24 Fälle gesunken. In anderen Bundesländern blieb die Zahl der Erkrankungen konstant. Eine Erklärung für diesen Rückgang im Süden und das gleichbleibende Niveau in den anderen Bundesländern haben die Experten nicht.


Die Zecken sind ähnlich aktiv wie in den Vorjahren, doch die Zeiten, zu denen sie besonders aktiv sind, verschieben sich.
Früher gab es zwei große Zecken-Phasen: Die erste im April, die zweite schwächere im September. Die neuen Daten zeigen nun, dass sich diese Aktivitäten zunehmend verändern können. An einigen Standorten fällt die zweite Aktivitätsphase vollständig aus, an anderen sind die Zecken dafür auch im Hochsommer aktiv.

Gerade im Süden Deutschlands warten die hungrigen Zecken oft auf ihre Opfer.  (Foto: Imago, imago/Panthermedia)
Gerade im Süden Deutschlands warten die hungrigen Zecken oft auf ihre Opfer. Imago imago/Panthermedia

Zecken-Forschung geht weiter

Die Experten um Prof. Mackenstedt bitten die Bevölkerung auch weiter um ihre Mithilfe:

„Sowohl bei der Hyalomma als auch der Braunen Hundezecke und zur Zeckenforschung in Deutschland im Allgemeinen gibt es noch viel Forschungsbedarf.“

Professorin Ute Mackenstedt von der Uni Hohenheim

So soll untersucht werden, welche Wirte jeweils befallen werden, und wann unter welchen Witterungsbedingungen die meisten Zecken gefunden werden.

Wohin die Zecken gesandt werden können

Festgesogene Zecken sollten am besten mit Zeckenzange, Zeckenkarte oder Pinzette entfernt werden und in kleinen, festverschlossenen Behältern gesendet werden an:

Universität Hohenheim
Prof. Dr. Ute Mackenstedt
Fachgebiet für Parasitologie
Emil-Wolff-Straße 34
70599 Stuttgart
Vermerk: Zecken


Weitere Infos:
Zeckenforschung in Hohenheim: https://zecken.uni-hohenheim.de/

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