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Eine Zecke ist auf einem Blatt.

Zeckenstich mit Folgen Neue Leitlinie bei Borreliose

Mit den steigenden Temperaturen beginnt wieder die Saison der Zecken. Die kleinen Spinnentiere übertragen unter anderem die durch spiralförmige Bakterien ausgelöste Borreliose. Nun gibt es eine neue Leitlinie für die Behandlung der Borreliose. Was sich ändert - und was dahinter steckt.

Hintergrund: Fragwürdige Therapieversprechen gegen angeblich "versteckte" Borreliose

"Eigentlich ändert sich nichts - und doch ändert sich alles", erklärt SWR-Wissenschaftsredakteur Patrick Hünerfeld. Wie Borreliose zu diagnostizieren und zu behandeln ist, darüber sei sich die Wissenschaft weitgehend einig. "Aber jetzt beruhen die Empfehlungen auf einem soliden Fundament", sagt Hünerfeld im Interview mit SWR2 Impuls (s. Audio). Das sei wichtig, weil noch immer unseriöse Therapien gegen angeblich "versteckte" Borrelien anboten werden - langfristige Antibiotikatherapien, die nicht helfen, sondern im Gegenteil Patienten massiv schaden können. "Es sind zwar nur wenige Ärzte, die diese Therapien anbieten - aber sie haben in den letzten Jahren viele tausend Patienten behandelt.

Borreliose: Die Fakten

Zecken infizieren pro Jahr in Deutschland mehr als 100.000 Menschen mit Borreliose. Bisher gibt es keine Schutzimpfung. Die Zeckensaison 2018 startet mit neuen Empfehlungen für die Diagnose und Therapie der Borreliose: Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat nach mehr als dreijähriger Arbeit eine neue Leitlinie veröffentlicht. Koordiniert haben sie Mediziner aus Freiburg und München. Die Leitlinie gilt erstmals auch für die Borreliose im Kindes- und Jugendalter.

Wie kommt es überhaupt zu einer Borreliose?

Die Borreliose wird durch eine Infektion mit Bakterien verursacht. Diese Borrelien werden durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen, eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Das Vorkommen der Borrelien in Zecken schwankt von Region zu Region sehr stark. Mancherorts sind bis zu 30 Prozent der Zecken Überträger der Borrelien.

Aber nur ein kleiner Teil der Infizierten erkrankt auch: Bei etwa einem Prozent der Zeckenstiche kommt es anschließend zu Krankheitssymptomen. Das Infektionsrisiko ist geringer, wenn die Zecke frühzeitig entfernt wird, und steigt nach längerem Saugen der Zecke an.

Mikroaufnahme einer Zecke / Borrelien und Antikörper

Zecken können mitunter die durch Bakterien übertragen Borrelien übertragen.

Deshalb ist es ratsam, sich sofort nach Spaziergängen über Wiesen und durch den Wald gründlich abzusuchen und die Zecken zum Beispiel mit einer speziellen Zange oder auch einer Pinzette zu entfernen.

Welche Krankheitssymptome können auftreten?

Am häufigsten ist die sogenannte Wanderröte. Sie tritt einige Tage nach dem Zeckenstich auf. Das ist eine ringförmige Hautrötung rund um die Einstichstelle.
Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, sowie Müdigkeit können hinzukommen. Wenn das Nervensystem betroffen ist, spricht man von einer Neuroborreliose. Typisch hierfür sind brennende Nervenschmerzen, die sich vor allem nachts verschlimmern.

Wanderröte nach dem Zeckenstich

Wanderröte nach dem Zeckenstich

Je nachdem, welche Hirnnerven betroffen sind, leiden die Erkrankten an Taubheitsgefühlen, Seh- oder Hörstörungen. Einige Monate oder Jahre nach dem Zeckenstich kann es zu einer Arthritis kommen, vor allem an den Kniegelenken. Außerdem leiden Betroffenen gelegentlich an einer Entzündung oder Rhythmusstörungen des Herzens sowie an einer Entzündung des Gehirns und des Rückenmarks.

Wie wird die Borreliose behandelt?

In der Regel mit Antibiotika. In der neuen Leitlinie werden vier Antibiotika genannt, die alle gleich wirksam sind, darunter das Breitband-Antibiotikum Doxycyclin.
Über die Wirksamkeit von anderen Substanzen oder Antibiotika-Kombinationsbehandlungen liegen zu wenig auswertbare Studiendaten vor, so die Autoren der neuen Leitlinie. Außerdem ist in ihr zu lesen, dass eine Antibiotikagabe von 14 bis 21 Tagen in der Regel ausreichend ist. Eine längere Behandlung bringe keinen Mehrwert,
sondern setze die Patienten einem unnötigen Risiko von schweren Nebenwirkungen aus.