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Bis heute wissen Paläontologen nicht, woher die Flugsaurier kommen und wann ein Flugsaurier erstmals seine Flügel ausgebreitet hat. Ein internationales Forscherteam will nun einen Ur-Ahnen gefunden haben. Darüber berichten sie jetzt im US-amerikanischen Wissenschaftsmagazin Nature.

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Vor 250 Millionen Jahre begannen die ersten Flugsaurier, auch Pterosaurier genannt, mit den Flügeln zu schlagen und sich in die Luft zu erheben. Paläontolgen bereiten die Reptilien Kopfschmerzen, denn es scheint keine Übergangsformen zu geben. Das bedeutet: Sie wissen nicht, wer ihre Vorfahren sind.

Zu wenige Fossilberichte

Anhand von Fossilien ist es mehr oder weniger Zufall, ob in einem bestimmten Gebiet und zur richtigen Zeit etwas zu den Flugsauriern gefunden wird. Für Wissenschaftler stehen die Chancen schlecht Übergangsformen zu finden, wenn es keinen Fossilbericht gibt.

Was noch mit dazu kommt, ist natürlich die Sache, dass diese ersten Flugsaurier wohl überwiegend kleine Tiere waren. Kleine Tiere haben generell einen sehr viel schlechteren Fossilbericht als große Tiere, weil kleine Knochen einfach sehr viel leichter zerstört werden, als wenn ich da irgendwie große Dinosaurierknochen habe.

Oliver Rauhut, Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Aufgrund ihrer Größe existiert bis heute kein einziges komplettes Skelett, denen Wissenschaftler den Namen Lagerpetiden gegeben haben.

Bild eines Flugsauriers (Foto: Imago, imago images / Panthermedia)
Wegen zu weniger Fossilberichte konnte Paläontolgen bislang keine Vorfahren der Flugsaurier finden. Imago imago images / Panthermedia

Lagerpetide - engste Verwandte der Flugsaurier

Lagerpetide sind schon eine Weile bekannt. Die ursprünglichen stammten überwiegend aus Agentinien, so Rauhut.

Nun haben Paläontologen aus den USA, aus England und aus Argentinien einzelne Skelett-Teile der Lagerpetiden tomographisch abgebildet. Das heißt: einzelne Quer- und Längsschnitte der jeweiligen Knochen auf dem Computerbildschirm sichtbar gemacht. Dabei fanden sie überraschenderweise Übereinstimmungen zwischen den kleinen Reptilien und Pterosauriern.

Eine Besonderheit der frühen Flugsaurier ist, dass die dreispitzige Zähne haben. Normalerweise haben Reptilien einfach nur einspitzige, relativ einfach gebaute Zähne. Die frühen Flugsaurier haben dreispitzige Zähne. Die Lagerpetiden haben ebenfalls dreispitzige Zähne.

Oliver Rauhut, Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie
Versteinerung eines kurzschwänzigen Flugsauriers (Foto: Imago, imago images / McPHOTO)
Versteinerung eines kurzschwänzigen Flugsauriers (Pterodactylus kochi) im Naturkundemuseum Berlin Imago imago images / McPHOTO

So sahen die Lagerpetide aus

Lagerpetiden wurden nur einen Meter lang, liefen auf zwei Beinen und hatten einen langen Schwanz. Sie sahen ein wenig aus, wie eine Mini-Mini-Version des Tyrannosaurus Rex – nur ihre Arme waren wesentlich länger. Und das sei mit entscheidend gewesen für ihre weitere Entwicklung, glaubt Serjoscha Evers aus dem Bereich Wirbeltier-Paläontologie der Universität von Freiburg in der Schweiz.

Vom Boden zunächst auf die Bäume

Die Forscher glauben mittlerweile, dass die Gruppe der Lagerpetiden mit ihren Klauen greifen und sogar auf Bäume klettern konnte. Das können sie anhand der Morphologie dieser Handklauen erkennen. Für den ersten Blick von oben spricht auch eine Veränderung im Innenohr.

Mit dem Ohr hören Wirbeltiere nicht nur, sondern es dient auch zur Orientierung und zur Balance. Das gilt nicht nur Dinosaurier, sondern für alle Reptilien, sogar für alle Wirbeltiere - und damit auch für uns.

Flugsaurier am Boden (Nachbildung) (Foto: Imago, imago images / Shotshop)
Nachbildung eines Pterosauriers oder auch Flugsauriers. Seine Vorfahren sollen laut Forschern auf zwei Beinen gestanden haben und von Baum zu Baum geklettert sein. Imago imago images / Shotshop

Wir Menschen bewegen uns im Prinzip im zweidimensionalen Raum. Jetzt gibt es aber Tiere, die im Prinzip noch eine dritte Dimension haben, nämlich nach oben und nach unten. Und für diese Fähigkeit, sich im dreidimensionalen Raum zu bewegen, da gibt es Anpassungen im Balancesystem des Innenohrs.

Serjoscha Evers, Universität von Freiburg in der Schweiz

Die dritte Dimension

Aufgrund bestimmter Eigenheiten des Innenohrs schließen Wissenschaftler, dass die Lagerpetiden sehr agil waren und eher zweibeinige Reptilien, die möglicherweise auch auf Bäume geklettert sind. Diese dritte Dimension braucht man, um ein Gefühl für Höhenunterschiede zu bekommen und abheben zu können.

Aus den Nachfahren der einen Meter großen Tiere entwickelten sich bis zur Kreidezeit Flugsaurier. Sie waren stehend so groß wie eine Giraffe. Am Ende ihrer Evolution erreichten sie Flügelspannweiten von mehr als zwölf Metern – ein Erfolgsmodell, das rund ein-hundert-siebzig Millionen Jahre lang die Lüfte beherrschte, und das erst mit dem Asteroideneinschlag abrupt beendet wurde.

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