Affen teilen Essen Soziales Handeln der Schimpansen

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Unsere nächsten Verwandten können bis zum Exzess streiten, aber auch Frieden stiften und Konflikte vermeiden. Menschenaffen sind in emotionaler und kognitiver Hinsicht komplexe Tiere. Schimpansen besitzen eine hohe soziale Verhaltensintelligenz: sie teilen zum Beispiel Futter.

Schimpansen adoptieren zum Beispiel Waisenkinder. Aber ihr Sozialverhalten zeigt sich auch in alltäglichen Situationen: In Uganda haben Forscher jetzt beobachtet, dass die Tiere regelmäßig ihr Futter teilen. Und zwar mit System: Wird ein Stummelaffe gefangen und zerlegt, verzehrt nicht jeder Schimpanse die Beute für sich allein. Wenn ein Menschenaffe etwas abgibt, entwickelt er Aufmerksamkeit bei den Artgenossen. Neue Kooperationen bahnen sich an. Dieses In-Gesellschaft-Treten der Schimpansen ist der Punkt, an dem Roman Wittig vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig mit seiner neuesten Studie ansetzt.

Das Teile-Video

Am Anfang der Beweiskette steht ein Video aus der afrikanischen Wildnis. Man sieht: Nachdem die Männchen Kato und Hawa erfolgreich zusammen gejagt haben, verzichten sie auf einen Kampf um die Beute. Stattdessen teilen sie. Die aktive Abgabe von Futter ist eine ihrer wichtigsten sozialen Handlungen der Affen. Mit den sichtbaren Bildern des Teilens geben sich die Primatenforscher aber nicht zufrieden. Sie sammeln draußen im Busch auch Urin der Schimpansen, um drinnen im Labor in Leipzig zu prüfen: Findet sich bei Affen, die Futter teilen, im Urin das sogenannte Kuschel-Hormon Oxytocin? Roman Wittig und seine Kollegen haben 79 Urinproben von 26 frei lebenden Schimpansen aus dem Budongo Forest in Uganda gesammelt und analysiert.

Der Urin-Test

Die Oxytocin-Werte im Urin der Schimpansen waren etwa fünf Mal so hoch, wenn die Affen gemeinsam gejagt und anschließend geteilt haben, als wenn sie nicht gemeinsam agieren. Die Werte steigen also bei freundschaftlichem Verhalten. Futter teilen bewirkt also bei den Tieren offensichtlich, dass Beziehungen aufgebaut werden. Das findet bei nicht verwandten und verwandten Tieren statt, so dass dieser Mechanismus die Kooperation zwischen nicht verwandten Tieren stabilisiert. Diese Beziehungen bleiben auch über eine längere Zeit stabil. Das war etwas, was bislang nur dem Menschen zugetraut wurde.

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