Vorsorge? Nein Danke. Wie Männer mit ihrer Gesundheit umgehen

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Warum soll ich zum Arzt, mir geht’s doch gut! Männer gehen deutlich seltener zum Doktor als Frauen. Das Verhalten ist typisch. Prävention und Vorsorge sind für die meisten kein Thema. Männer gehen erst dann zum Arzt, wenn sie richtig krank sind. Und dann wird repariert. Aber Fakt ist: Männer haben eine deutlich kürzere Lebensdauer als Frauen. Mediziner halten das für ein Ergebnis mangelnder Vorsorge und schlechter Ernährung.

In großen Studien wurden die Männer gefragt, warum sie nicht zum Arzt gehen.

Der Urologe und Sportmediziner Professor Frank Sommer hat Deutschlands ersten Lehrstuhl für Männergesundheit inne. Er fasst die Ergebnisse zusammen: "Die Top-Antwort ist gewesen: Die langen Wartezeiten. Erstaunlich, wenn wir daran denken, dass Männer ihr Auto zum Reifenwechsel in die Werkstatt bringen. Da sind wir bereit, eine Stunde zu investieren für unser geliebtes Auto. Aber für unseren Körper sind wir es nicht.

Punkt zwei ist, Männer haben Angst vor schlechten Nachrichten. Und wie Herbert Grönemeyer das so schön gesungen hat in seinem Lied "Männer" - die müssen stark sein, die sind unverletzbar. In dieser mentalen Welt, gibt es nicht "ich habe irgendwie ein Problemchen, das ich beheben muss." Von daher verdrängen Männer das ganz einfach."

Vorsorgekampagnen

Statistisch gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Knapp 20 Prozent der deutschen Männer nutzen die von den Krankenkassen gezahlten Vorsorgeuntersuchungen im Vergleich zu 60 Prozent der Frauen. Prof. Sommer wünscht sich mehr Forschung darüber, wie Männer motiviert werden, sich wirklich um ihre Gesundheit zu kümmern.

Kampagnen dazu gibt es schon. Mediziner, Psychologen und Sozialwissenschaftler haben mehrere Initiativen gestartet. Das Gesundheitssystem müsse viel stärker männerspezifische Probleme in den Blick nehmen, mahnen sie. Denn Männer haben eine knapp sechs Jahre kürzere Lebenserwartung als Frauen.

Rasantes Autofahren, Drogen und Alkohol

Männer ernähren sich im Schnitt ungesünder und haben zu wenig Bewegung. Sie leiden öfter an Bluthochdruck und Fettleibigkeit. "Bei Frauen hilft Aufklärung, bei Frauen helfen Angebote, das alles fruchtet bei vielen Männern nicht", sagt Lothar Weißbach.

Das männliche Hormon Testosteron steht für Leistungsbereitschaft, Antriebskraft, Stärke. Und ist eine Ursache dafür, dass Männer riskanter leben als Frauen.

Besonders in der Jugend, meint Lothar Weißbach: "Der Junge mit seinem Testosteron, mit seinem Bewegungsdrang, ist ständig gemaßregelt und lebt das dann später in der Pubertät und nach der Pubertät aus. Und interessanter Weise geht dann die Kurve der Lebenserwartung nach der Pubertät deutlich auseinander. Und das kommt dann durch diesen ersten Risikoschub, den der junge Mann dann durchmacht, der geprägt ist von schnellem Autofahren, Drogen, Alkohol, was da alles zusammen kommt."

Im Rentenalter zur Vorsorge

Diejenigen Männer, die überhaupt kommen, gehören zu einer speziellen Klientel, so die Erfahrungen des Urologen Professor Lothar Weißbach, der sich in einer Gemeinschaftspraxis in Berlin mit anderen Medizinern auf präventive Untersuchungen für Männer spezialisiert hat.

"Der in körperlicher Arbeit stehende Mann sucht uns nicht auf. Wir haben eine Bevorzugung, sagen wir mal, des gebildeten Mannes, während sich bei der Frauengesundheit auch Frauen um sich kümmern, die aus einem anderen sozialen Milieu stammen. Das sind deutliche Unterschiede. Auch beim Alter. Der Mann hat ein Durchschnittsalter von etwas unter 60 Jahren." Die meisten Männer kommen erst im Rentenalter zur Vorsorge.

Depressionen und Burnout

Erschöpfter Mann hält seine Hand vor die Augen (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Burnout Thinkstock -

Viele Männer spüren nicht, wenn sie überlastet sind, weil sie entsprechende Warnsignale gar nicht wahrnehmen. Frank Sommer: "In den Köpfen der Männer hat sich nicht signifikant etwas geändert. Männer sehen sich immer noch als unverletzbar an, als stark, und sehen sich in gewisse Rollen hinein gedrängt, die sie einfach umsetzen wollen. Und die meisten Männer glauben, dass sich um die Gesundheit kümmern eine Schwäche sein würde, was nicht der Fall ist."

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