Fettpolster im Freibad Ein Gen für die Bikinifigur?

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Sommer, Sonne, Schwabbelbauch. Alles nur eine Sache der Ernährung? Falsch! Deutsche Ernährungsforscher haben herausgefunden: Es gibt anscheinend Gene für Fettleibigkeit und für die schlanke Bikinifigur. Uwe Springfeld erklärt uns den Zusammenhang.

Kuchen nach Großmutters Rezept: Sechs Eier, und je sechs mal das Ei-Gewicht an Butter, Zucker und Weißmehl. Eine Kalorienbombe. Vollkommen unpassend zur besten Badezeit des Jahres, wenn jeder befürchtet, Hüftpölsterchen könnten über den Gummizug der Badebekleidung quellen.

Ifi - "Das Hüftgold-Gen"

Doch scheinbar können manche Menschen, essen, was sie wollen; sie werden einfach nicht dicker. Woran liegt das? Schon vor einigen Jahren hatten Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Nuthetal bei Berlin ein Gen für die Bikini-Figur entdeckt. Eine bestimmte Mutation des TBC1-d1 genannten Gens soll vor Übergewicht und Diabetes schützen. Jetzt haben die Wissenschaftler ein weiteres Gen gefunden, namens Ifi. Es bestimmt mit, wie viel vom gegessenen Fett und Zucker sich als Hüftspeck wiederfinden.

Maus mit einer Getreideähre (Foto: SWR, SWR -)
Schlanke Maus SWR -

Die Forscher in Nuthetal haben nicht direkt das Genom von Menschen untersucht. Sie experimentierten mit Mäusen. Mit solchen, die mit Sicherheit dick werden und solchen, die mit ebensolcher Sicherheit schlank bleiben. Eine schlanke Maus und eine krankhaft übergewichtige, sprich adipöse Maus werden miteinander verpaart. Die Nachkommen werden dann bezüglich ihrer Ausprägung und ihres Genotyps untersucht. Und dabei haben die Forscher einen Bereich auf dem ersten Chromosom gefunden, der deutlich zur Gewichtsregulation beiträgt. Die schlanke Maus hat dieses Gen verloren im Laufe der Evolution, und kann deshalb nicht so dick werden wie das adipöse Modell.

Das Versuchsdesign erinnert an die Mendelschen Kreuzungsexperimente. Grüne, runde Erbsen mit gelben, kantigen. In den Nachkommenschaften bildeten sich die bekannten Mischungen. Grün und kantig, gelb und rund und so weiter nach bestimmten Zahlenverhältnissen. Tatsächlich übernahmen die Forscher aber ein variierte Design des Mendelschen Experiments, das der US-amerikanische Zoologe Thomas Morgan um 1910 herum entwickelt hatte.

Anders als noch Mendel wollte Morgan nicht nur wissen, nach welchen Zahlenverhältnissen bestimmte Merkmale vererbt werden, sondern auch, welche Merkmale zusammen und welche getrennt voneinander weitergegeben werden. Deshalb untersuchte er viele, sehr viele Folgegenerationen nacheinander. Aus den jeweiligen Merkmalskombinationen konnte er dann schließen, auf welchen Chromosomen das entsprechende Erbgut liegt.

Die Mausexperimente der Nuthetaler Forscher konnten gut dem Untersuchungsdesign angepasst werden. Die Tiere sind drei Monate nach der Geburt geschlechtsreif. Und drei Wochen Tragezeit garantieren eine schnelle Generationenfolge. Egal, ob die Mäuse so gezüchtet sind, dass sie zwangsläufig dick werden. Oder ob sie schlank bleiben.
Schritt für Schritt haben sich die Wissenschaftler vorgetastet. Erst 700 Gen-Abschnitte, dann nur noch 40, dann hatten sie es gefunden. Das IFI-Gen. Doch jetzt stellte sich den Forschern eine Frage. Findet sich das IFI-Gen auch im Erbgut des Menschen? Oder nur in Mäusen.

Die Forscher haben sich dann das Fettgewebe von schlanken und adipösen Personen untersucht. und haben tatsächlich gefunden, dass zwei unserer humanen Gene sich genau so verhalten wie unser IFI-Gen, nämlich dass sie bei adipösen Personen deutlich stärker in viszeralen Fettgewebe (also "Bauchspeck") vorhanden sind als bei den Schlanken. Das heißt, dieses Gen ist offensichtlich auch beim Menschen relevant.

Heute kennen die Forscher zwischen 30 und 40 Genen, die mit dem Körpergewicht zusammenhängen. Insofern ist das neu gefundene Erbgut business as usual. Trägt jemand dieses Ifi-Pärchen mit gleich zwei oder gar drei Kopien dieser Ifi-Gene in sich, wird er vermutlich immer zu den Dickeren seiner Umgebung zählen. Wenn er fett isst.

Dieses Fettleibigkeits-Gen oder eigentlich: Adipositas-Gen kommt erst bei einem hohen Fett- und hohen Kohlehydratanteil zu seiner Ausprägung. Mit anderen Worten: Wenn ich so ein unangenehmes Adipositas-Gen trage, kann ich mich durch eine gezielte Ernährungsweise davor schützen, adipös zu werden.

Allerdings sagen Ernährungsexperten, dass die klassische Diät nicht weiter hilft. Wenn Menschen eine Reduktionsdiät gemacht haben, haben sie es trotzdem schwer, dieses reduzierte Körpergewicht langfristig zu halten. Die meisten, vielleicht so um die 80 bis 85 Prozentwerden nach so zwei bis zwei einhalb Jahren wieder "rückfällig", das heißt, legen wieder deutlich an Gewicht zu. Manchmal sogar mehr, als sie vorher drauf gehabt hatten.

Vielleicht hilft es auch schon schlank zu bleiben, wenn man genau darauf achtet, welches Essen einem gut tut. Für alle anderen gibt es nur eine Hoffnung hinsichtlich der perfekten Bikini-Figur. Dass Ihre Ifi-Gene derart mutiert sind, dass sie überhaupt nicht mehr wirksam sind. Dann hat man oder frau es nicht so schwer mit der schlanken Figur.

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