Bambus + Plastik - das ist die Realität von Bambusbechern (Foto: SWR, SWR -)

Mehrweg statt Wegwerf Wie ökologisch sind Bambusbecher?

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Er ist naturnah, hält lange, kann immer wieder benutzt werden und kann in die Spülmaschine – so wird für den Bambus-Mehrwegbecher geworben. Aber was steckt drin?

Die riesigen Müllberge, die die Coffee-to-go –Papp-Becher produzieren, haben uns längst sensibilisiert. Das ist zu viel Müll für zu kurzen Genuss. "Becherhelden" sind gefragt. Initiativen und Menschen, die ihren Kaffee zum Mitnehmen in Mehrwegbecher abfüllen lassen und so jede Menge Müll vermeiden. Voll im Trend ist dabei Bamboo-to-go – ein Mehrwegbecher aus Bambus. Den gibt’s im Supermarkt zu kaufen, im Internet zu bestellen – Bambus voll im Trend. Ist das wirklich eine umweltfreundliche Alternative?

Bambusbecher - kein reines Naturprodukt

Bambuspulver oder –fasern allein machen ja noch keinen stabilen Becher. Kombiniert mit Maisstärke? Das geht nicht lange gut.
Bei den gängigen Produkten ist es Melamin, was für den stabilen Zusammenhalt sorgt. Zusammen mit Formaldehyd entsteht ein synthetisches Kunstharz. Hart, bruchsicher, glatte Oberfläche. Hundert Prozent natürlich - ist das nicht.

Heißer Becher mit Chemiebeigabe

Uwe Lauber und sein Team vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Stuttgart haben die Becher aus Bambus mal unter die Lupe genommen. Der Anteil an Bambusfasern lag bei rund 30 Prozent. Das ist der Natur schon nicht mehr ganz so nah.

Das Melamin-Kunstharz ist dabei nicht unbedingt gesundheitlich problematisch. Melamin und Formaldehyd sind zwar krebserregende Stoffe. Und sie können sich auch aus dem Becher lösen und in das Getränk übergehend – aber nur bei Hitze über 70 Grad. Also der heiße Kaffee drin oder die Spülmaschine – das halten sie aus, aber die Mikrowelle schon nicht mehr.

Bambusbecher nicht vollständig biologisch abbaubar

Es gibt auch Becher, in denen ist Bambus mit Polylactat kombiniert. PLA abgekürzt. Ein Polyester auf Milchsäurebasis. Das nennt man auch gerne Bioplastik, weil Maisstärke als natürlicher Rohstoff drin steckt. Die Becher sollen biologisch abbaubar sein, sich also in der Natur irgendwann von selbst auflösen. In Gesprächen der Stuttgarter Tester mit Städten, die das in ihren Kompostieranlagen probiert haben, kam allerdings raus, ganz weg waren sie nie.
Das, was die Stuttgarter Kontrolleure an den Bambusbechern monieren, ist die Irrführung der Verbraucher. Sie können nirgendwo erkennen, dass das Produkt teilweise aus Kunststoff besteht.

Bambusbecher - billig produziert, teuer verkauft

Und das was die Deutsche Umwelthilfe moniert, ist, dass es zwar ein Mehrwegbecher ist, aber am Ende, wenn er nach so rund 200 Kaffeefüllungen nicht mehr wirklich gut aussieht, dann ist er nur noch was für den Restmüll und die Verbrennungsanlage. Wegen des Kunststoffanteils kann er nicht recycelt werden.
Bambus an sich ist eigentlich ein toller Rohstoff. Wer einen Bambus im Garten hat, weiß – der wächst wie gedopt. Einfacher Anbau, wächst schnell, das Holz ist robust und langlebig. Gern genommen für Möbel oder Bodenbeläge.

Das meiste kommt von Plantagen aus China. Bambusanbau in Europa wäre zwar möglich, ist aber noch eher selten. Auch die meisten Bambus-Mehrwegbecher werden in China produziert und bei uns mit schickem Design teuer verkauft. Aus China kommt übrigens auch die Viskose aus Bambusfasern. Eine chemisch hergestellte Textilfaser, die bei uns dann in den Läden gern mit dem Etikett "Textilien aus Bambusfasern" angepriesen wird. Auch nur die halbe Bambuswahrheit.

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