STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Ärzte haben beobachtet, dass es während des Lockdowns zu weniger extremen Frühgeburten kam. Das bestätigten nun zwei Forschergruppen aus Irland und Dänemark.

Audio herunterladen (2,2 MB | MP3)

Zwei Forschergruppen aus Irland und aus Dänemark nahmen die Berichte über weniger Frühgeburten zum Anlass, sich die Zahlen ihres Landes genauer anzuschauen. Sie verglichen die Anzahl der Frühgeborenen aus dem vergangenen Frühling mit den durchschnittlichen Werten der vorherigen Jahre.

Weniger Frühgeburten in Dänemark und Irland

Beide Gruppen kamen zu dem Schluss, dass es in ihrem Land weniger Fälle von extremen Frühgeburten gab als normalerweise. In Dänemark kamen nach den Berechnungen statistisch weniger Babys vor der 27. Schwangerschaftswoche auf die Welt als in den letzten Jahren und in Irland weniger Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm.

Während des Lockdowns gab es  weniger Fälle von extremen Frühgeburten  - zumindest für Dänemark und Irland ist das statistisch erfasst.   (Foto: Imago, imago images / imagebroker)
Während des Lockdowns gab es weniger Fälle von extremen Frühgeburten - zumindest für Dänemark und Irland ist das statistisch erfasst. Imago imago images / imagebroker

Die Situation in Deutschland ist nicht eindeutig

Auch in Deutschland gab es in einigen Krankenhäusern die Beobachtung, dass es in der Corona-Hochzeit weniger Kinder gab, die viel zu früh auf die Welt kamen. Eindeutig ist die Lage hier aber nicht, andere Krankenhäuser berichten auch von einer normalen Auslastung. Eine statistische Auswertung gibt es noch nicht, die könnte Ende des Jahres erfolgen.

Ob auch in Deutschland weniger Frühchen während des Lockdowns zur Welt kamen, ist noch unklar. Eine statistische Auswertung dazu steht noch aus.  (Foto: Imago, Imago images / Jochen Tack)
Ob auch in Deutschland weniger Frühchen während des Lockdowns zur Welt kamen, ist noch unklar. Eine statistische Auswertung dazu steht noch aus. Imago Imago images / Jochen Tack

Die beiden Studien aus Irland und Dänemark wurden jetzt auf einem Preprint-Server hochgeladen, sie wurden also noch nicht von anderen Fachleuten gegengelesen oder korrigiert.

Erfahrungsgewinn während Corona-Pandemie zu Frühgeburten

Für Kinderärztinnen und Gynäkologen sind die Beobachtungen aber hochinteressant: Denn auch wenn man weiß, dass ganz kleine Frühchen langfristige gesundheitliche Folgen davontragen können, konnte man die  Zahl der Frühgeburten bisher nicht senken.

Zwar kennt man einige Risikofaktoren, die zu einem frühzeitigen Ende der Schwangerschaft führen können, beispielsweise Infektionen. Doch wirklich verstanden hat man noch nicht, weshalb manche Kinder viel zu früh zur Welt kommen.

Corona-Pandemie führt auch zu positiven Auswirkungen auf Schwangere

Die Corona-Pandemie könnte hier auf mehrere Arten gewirkt haben. Vielleicht waren schwangere Frauen durch den Lockdown nicht nur vor dem neuen Coronavirus geschützt, sondern hatten auch keinen Kontakt mit anderen Krankheitserregern, die zu einer Frühgeburt führen könnten. Vielleicht haben sich die Frauen auch mehr Ruhe gegönnt und haben mehr Unterstützung erhalten.

Mehr Ruhe und eine möglicherweise entspanntere persönliche Situation  durch den Lockdown könnte Schwangeren geholfen haben.   (Foto: Imago, Imago/blickwinkel)
Mehr Ruhe und eine möglicherweise entspanntere persönliche Situation durch den Lockdown könnte Schwangeren geholfen haben. Imago Imago/blickwinkel

Möglich ist aber auch, dass in einigen Krankenhäusern manche Geburten doch noch weiter herausgezögert wurden, weil die Kliniken durch die Covid-19-Pandemie umstrukturiert wurden und kaum noch Kapazitäten auf der Frühgeborenenstation hatten. 

Hinweise für die Zukunft

Die Ursachen für den Rückgang der Frühgeborenen können vielschichtig sein. Aber die Autoren und Autorinnen der Studien sagen: Wenn sich dieses Muster auch in anderen Regionen der Welt wiederfindet, könnte die Corona-Pandemie „aus Versehen“ Hinweise geliefert haben, wie man vielleicht Frühgeburten auch in Zukunft vermeiden könnte.

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG