Bitte warten...
Prototyp eines mit Wasserstoff betriebenen E-Bikes der Firma Linde

Betanken in Sekunden Abiturient mit kluger Idee fürs Wasserstoff-Fahrrad

Der Schweizer Industriegas-Spezialist Linde hat ein Wasserstoff-Pedelec entwickelt, das mit einer kompakten Brennstoffzelle statt der üblichen Batterie bestückt ist. Der Abiturient Florian Freund ließ sich von der Erfindung für seine Maturaarbeit inspirieren: Er entwickelte eine Apparatur, mit der das Wasserstoff-E-Bike sicher betankt werden kann.

Florian Freund schiebt ein weißes Fahrrad vor eine Tanksäule. Ein seltsames Bild – aber es ist auch ein besonderes Rad. In dem stabilen Rahmen ist ein Brennstoffmotor verbaut. Das Wasserstoff-E-Bike der Firma Linde Gas wird mit einer Brennstoffzelle und einem kleinen Gastank betrieben. Der Vorteil von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen gegenüber batteriebetriebenen Elektromotoren: höhere Reichweite – und das Nachtanken geht schneller. Statt stundenlang an der Steckdose zu laden, dauert es nur wenige Sekunden.

Mit dem Fahrrad an der Wasserstoff-Tankstelle

Der Gastank fasst rund 1,3 Liter, das sind beim vorgesehenen Druck etwa 33 Gramm Wasserstoff. Wie eine Trinkflasche ist der schwarze Tank am Fahrrad angebracht. Das Problem: Das Wasserstoff-betriebene Fahrrad lässt sich nicht ohne weiteres an einer gängigen Wasserstoff-Tankstelle betanken, unter anderem wegen des hohen Drucks, mit dem der Wasserstoff aus dem Zapfhahn kommt. Die erforderliche Schnittstelle hat der Schweizer Abiturient Florian Freund entwickelt.

Die Lösung hat der 18-jährige in eine blaue Plastikkiste gebaut. Darin verbergen sich ein Druckregler, zwei Manometer zur Regulierung und ein Überdruckventil.
Links und rechts sind Löcher durch die Box gebohrt: für einen Schlauch mit Ventil, das sich an die Gasflasche am Fahrrad anschließen lässt – und für einen Verschluss zum Betanken.

Schnittstelle vom Wasserstoff-E-Bike zur Wasserstoff-Tankstelle

Das Wasserstoff-betriebene Fahrrad lässt sich nicht ohne weiteres an einer gängigen Wasserstoff-Tankstelle betanken. Die dafür erforderliche Schnittstelle hat der Schweizer Abiturient Florian Freund entwickelt.

Volltanken in drei Sekunden

Dann nur noch den grünen Knopf an der Tanksäule drücken – und schon strömt Wasserstoff in die Gasflasche. Schon nach drei Sekunden ist der Tank voll. Zehn Monate lang hat Florian Freund daran getüftelt. Zunächst musste er sich das Fahrrad organisieren – denn „Linde Gas“ hat nur zehn Prototypen gebaut. Dann brauchte der Schüler die Teile für seine Tank-Konstruktion: Er fand im US-Unternehmen Swagelok einen Sponsor, der Bauteile für Gaslösungen anfertigt. Ventile und Druck-Komponenten im Gesamtwert von etwa 2.300 Euro hat Florian Freund verbaut. Bei den praktischen Tests für die Betankung des wasserstoffbetriebenen Fahrrades ist er vom Schweizer Forschungsinstitut Empa unterstützt worden. Denn hier gibt es die erste Wasserstoff-Tankstelle landesweit.

Dringend benötigt: Tankstellen!

Florian Freund weiß, dass seine Entwicklung noch nicht alltagstauglich ist. Dafür müssten sich erst ein paar äußere Bedingungen ändern – nicht zuletzt Wasserstoff-Fahrräder auf den Markt kommen. Bike-Sharing wäre eine gute Möglichkeit. Aber grundsätzlich bräuchte es erst einmal entsprechende Tankstellen, um die Wasserstoff-Mobilität voranzutreiben. In der Schweiz steht die einzige bisher bei der Empa, in Deutschland gibt es einige wenige. Aber ohne entsprechende Möglichkeiten kauft niemand die Fahrzeuge.

Für den 18-jährigen Züricher hat sich seine Entwicklung auf jeden Fall gelohnt – mit der Erfahrung und der Benotung: eine 5,5, was in der Schweiz ein „sehr gut“ ist. Nun stehen für Florian Freund die Abiturprüfungen an. Danach nimmt er sich erst einmal ein Jahr Zeit – um sein Französisch aufzubessern und sich für ein Studium zu entscheiden: Maschinenbau oder Architektur – mit beidem könnte er weiter zukunftsweisende Projekte verwirklichen.

Auch Fahrräder können mit einer Brennstoffzelle und Wasserstoff betrieben werden

Auch Fahrräder können mit einer Brennstoffzelle und Wasserstoff betrieben werden. Das Betanken dauert nur drei Sekunden.