Wenn der Sommer krank macht Was tun bei Hitzekollaps und Hitzschlag?

AUTOR/IN

Von Sarah Weiss

Dauerhitze im Sommer ist für den Körper eine extreme Belastung. Wenn wir nicht entsprechend vorsorgen, droht ein Hitzekollaps oder – noch schlimmer – ein Hitzschlag. Dann wird es lebensgefährlich! Aber wie reagiert man richtig?

Wie Sie Hitzekollaps und Hitzschlag erkennen

Leidet der Körper unter Hitzestress, kommt es natürlich nicht sofort zu einem Hitzekollaps oder Hitzschlag – die verschiedenen Stadien gehen fließend ineinander über. 

  • Das kennt sicherlich jeder: Wer etwas zu wenig getrunken hat, kann sich unwohl, benommen und schwindelig fühlen. Ausruhen, in den Schatten gehen und trinken ist jetzt angesagt. Dann sollte es bald wieder bessergehen.
  • Wer nicht frühzeitig handelt, kann einen Hitzekollaps erleiden: Sie können sich nur noch schwer auf den Beinen halten, oft kommt es zu einer kurzen Hitzeohnmacht, der Hitzesynkope, aus der man dann aber schnell wiedererwacht. Übelkeit, ggf. Erbrechen und Kopfdruck sind ebenfalls typische Anzeichen. Die Körpertemperatur ist noch normal bis leicht erhöht – sie liegt zwischen ca. 37-38 °C.
  • Die gefährlichste Form von Hitzestress ist der Hitzschlag: Hochroter Kopf, heftigste Kopf- und Nackenschmerzen, eine tiefe Bewusstlosigkeit, aus der die Patienten nur schwer wiedererwachen, anschließende Halluzinationen oder Orientierungslosigkeit – das sind die typischen Symptome eines Hitzschlags. Ein deutliches Zeichen, das den Hitzschlag von anderen Ausprägungen des Hitzestresses unterscheidet: Es kommt zu einem Wärmestau, die Körpertemperatur steigt auf über 40° C. Mediziner sprechen hier von einer sogenannten Hyperthermie. Die Haut fühlt sich also zunächst richtig heiß an. Ohne Gegenmaßnahmen kann der Patient sogar ganz kalt werden und aufhören zu schwitzen: ein alarmierender Schockzustand. Spätestens jetzt wird es lebensgefährlich – es droht der Hitzetod!
Mann sitzt schwitzend im Büro, daneben ein rauchender Computer (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Beim Schwitzen geben wir Wärme ab, der Schweißfilm kühlt die Haut. Temperaturen über 30 °C bedeuten für den Körper jedoch Stress. Thinkstock -

Was im Körper bei Hitzestress passiert

Der Mensch ist ein Säugetier und somit ein gleichwarmes Lebewesen. Der menschliche Körper versucht also, seine Temperatur unabhängig von äußeren Einflüssen konstant auf ca. 37 °C zu halten: Beim Schwitzen geben wir Wärme ab, der Schweißfilm kühlt die Haut. Die Balance zwischen Flüssigkeitszufuhr und Verbrauch muss stimmen, um die Körpertemperatur überhaupt regulieren zu können. Gerade der Sommer mit seinen hohen Temperaturen teils über 30 °C – aber auch Massenveranstaltungen wie Konzerte oder Demonstrationen, wo sich die Hitze staut - sind für den Körper eine große Dauerbelastung! 

Passen wir unser Verhalten nicht den äußeren Bedingungen an, und sind die Temperaturen einfach zu hoch, leitet der Körper weitere Maßnahmen ein: Das Herz schlägt schneller. Die Gefäße weiten sich, um die Organe weiterhin mit genügend sauerstoffhaltigem Blut zu versorgen – dadurch sinkt der Blutdruck aber immer weiter. Fällt er irgendwann unter eine kritische Grenze, können die Organe nicht mehr richtig mit Sauerstoff versorgt werden. Am empfindlichsten reagieren Gehirn, Herz und Niere, es kann zu Organversagen und bleibenden Schäden kommen! Der Patient fällt im extremen Fall in eine tiefe Bewusstlosigkeit. Der Körper heizt immer weiter auf, und alle Regulationsmechanismen versagen.  

Wie wir dem Hitzekollaps vorbeugen können

Wir hören es ständig, nehmen die Empfehlungen aber oft dennoch nicht ernst: Bei hohen Temperaturen müssen wir den Körper ausstatten für den Sonderfall – also noch mehr trinken als normal. Das Durstempfinden setzt immer erst verzögert ein – trinken Sie also bereits, bevor der Durst kommt! Wenn Sie seltener zur Toilette müssen und der Urin sehr dunkel ist, ist das ebenfalls ein Zeichen dafür, dass Sie nicht ausreichend trinken.

Wir sollten unser Verhalten auch anpassen, indem wir – wenn nur irgend möglich – im Schatten bleiben und die direkte Sonne meiden, insbesondere bei körperlicher Betätigung. Joggen oder Gartenarbeiten in die kühlen Stunden zu verlegen, ist immer die bessere Wahl.

Richtig reagieren: Was bei Hitzekollaps & Co zu tun ist

Bei den oben genannten Symptomen heißt es:

  • Raus aus der Sonne und ab in den Schatten – und den Rest des Tages dortbleiben. Ganz falsch wäre jetzt eine kalte Dusche, das bedeutet zu viel Stress für den Körper. Auch das Kühlen mit Eiswürfeln bzw. Coolpacks schadet bei einem Hitzekollaps oder Hitzschlag mehr als es nützt! Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) empfiehlt feuchte Tücher zur Kühlung
  • Lockern Sie die Kleidung, aber ziehen Sie betroffene Personen nicht komplett aus.
  • Wenn Sie eine Person ohnmächtig vorfinden: Versuchen Sie nicht, ihr Wasser einzuflößen. Das könnte zum Ersticken führen! Wenn die Person ansprechbar ist, sollten Sie ihr natürlich immer zu trinken geben.
Helfer versorgen Schüler, die in einem ICE wegen defekter Klimaanlage kollabiert sind (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Andreas Frücht)
Helfer versorgen Schüler, die in einem ICE wegen defekter Klimaanlage kollabiert sind picture-alliance / dpa - Andreas Frücht

Wann rufe ich den Notarzt?

Ganz klar: Im Zweifel sollte man immer den Notarzt rufen, auch weil der Laie eine kurze Ohnmacht nicht unbedingt von einer tiefen Bewusstlosigkeit unterscheiden kann. Das sind weitere Anzeichen dafür, dass Sie die 112 wählen sollten: Der Patient ist (oft nach einer Bewusstlosigkeit) verwirrt, orientierungslos oder halluziniert. Die Haut ist aufgrund des Wärmestaus richtig heiß und der Kopf hochrot. Wenn der Patient danach wieder kalt wird und nicht mehr schwitzt, ist das ein besonderes Alarmzeichen! Auch wenn Übelkeit und Erbrechen, Schwindel und heftige Kopfschmerzen über längere Zeit anhalten, sollten Sie medizinische Hilfe holen.

Wer besonders gefährdet ist

  • Kinder trocknen schneller aus als Erwachsene, weil sie höhere Temperaturen noch nicht so gut kompensieren können. Hier gilt es besonders aufzupassen! Also: Kopfbedeckung, im Schatten bleiben und immer wieder Flüssigkeit anbieten!
  • Ältere Menschen haben ein verändertes Durstempfinden. Sie selbst bzw. ihre Betreuungspersonen sollten besonders darauf achten, dass sie regelmäßig trinken, obwohl der Bedarf scheinbar nicht da ist. Das gilt auch für bettlägerige Personen, die sich nicht viel bewegen.
  • Wer beruflich körperlich arbeitet, zum Beispiel im Straßenbau, ist unweigerlich hohen Temperaturen und der prallen Sonne ausgesetzt und somit besonders gefährdet. Hier kann der Flüssigkeitsbedarf durchaus mehrere Liter über dem normalen Level liegen.
  • Auch Besucher von Massenveranstaltungen wie Demonstrationen, Konzerten oder Public Viewings sollten sich bewusst sein, dass sich die Hitze in der Menschenmenge staut. Dafür braucht es noch nicht einmal sommerliche Temperaturen.
Vor allem ältere Menschen sollten bei Hitze viel trinken (Foto: Imago, Imago - Heike Lyding)
Vor allem ältere Menschen sollten bei Hitze viel trinken Imago Imago - Heike Lyding
AUTOR/IN
STAND