Ausblick auf den Corona-Herbst (Foto: IMAGO, IMAGO/Dean Pictures)

Corona-Einschätzung

Was erwartet uns diesen Corona-Herbst?

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Veronika Simon
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Ralf Kölbel

Draußen wird es ganz klar Herbst und die Pandemie-Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass Herbst und Winter die anstrengendsten Jahreszeiten waren. Aber zählt das dieses Jahr auch noch? Veronika Simon aus der SWR Wissenschaftsredaktion wagt einen Blick in die Zukunft:

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Expert*innen sind vorsichtig optimistisch

Vorsichtig optimistisch – so könnte man den Blick von vielen Expertinnen und Experten auf die kommenden Monate zusammenfassen. Wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, wenn unser Immunsystem zum Beispiel auch die kommenden Virusvarianten noch zu einem gewissen Teil erkennt und diese nicht zu deutlich schwereren Krankheitsverläufen führen, dann könnte die Gefahr durch Corona in diesem Winter für viele deutlich kleiner ausfallen als noch in den vergangenen Jahren.

Durch die Impfungen und die Infektionen gibt es in der Bevölkerung bereits eine relativ hohe Grundimmunität.  (Foto: IMAGO, IMAGO/NurPhoto)
Durch die Impfungen und die Infektionen gibt es in der Bevölkerung bereits eine relativ hohe Grundimmunität. IMAGO/NurPhoto

Steigende Infektionszahlen im Herbst und Winter zu erwarten

Die meisten Experinnen und Experten rechnen allerdings mit stark steigenden Infektionszahlen in den kommenden Wochen und Monaten. Der Virologe Christian Drosten von der Charité Berlin geht zum Beispiel von einer starken Welle noch vor Weihnachten aus. Die Tendenz der aktuellen Daten zeigt auch jetzt schon wieder nach oben, es stecken sich wieder mehr Menschen an.

Die Zahl der Corona-Infektion steigt wieder. Allerdings ist der Anteil schwerer Verläufe deutlich zurückgegangen. (Foto: IMAGO, IMAGO/Rene Traut)
Die Zahl der Corona-Infektion steigt wieder. Allerdings ist der Anteil schwerer Verläufe deutlich zurückgegangen. IMAGO/Rene Traut

Höhere Grundimmunität in der Bevölkerung

Aber – und das ist ein wichtiger Unterschied – die Grundimmunität in der Bevölkerung ist wahrscheinlich deutlich größer geworden im letzten Jahr. Das liegt zum einen daran, dass sehr viele in dieser Zeit ihre dritte und zum Teil vierte Impfung bekommen haben. Zusätzlich haben sich viele im Frühling oder Sommer noch mit Omikron angesteckt, das hat dem dem Immunsystem einen weiteren Schub gegeben.

Oktoberfest 2022. Das Leben läuft in vielen Bereichen wieder relativ normal. Weniger Maßnahmen bedeuten aber in der Regel auch: mehr Infektionen. (Foto: IMAGO, IMAGO/Wolfgang Maria Weber)
Oktoberfest 2022: Das Leben läuft in vielen Bereichen wieder relativ normal. Weniger Maßnahmen bedeuten aber in der Regel auch: mehr Infektionen. IMAGO/Wolfgang Maria Weber

STIKO empfiehlt an Omikron angepasste Auffrischungsimpfung für Ältere und Immungeschwächte

Das bedeutet: Gerade jüngere Menschen können sich zwar immer noch anstecken, aber sehr wahrscheinlich erkranken sie laut Experten nicht mehr schwerer als an einer Grippe oder anderen typischen Winter-Infekten. Ältere und Immungeschwächte haben immer noch ein erhöhtes Risiko, denen empfiehlt die STIKO auch eine Auffrischungsimpfung mit einem angepassten Omikron-Impfstoff.

Vor allem für Ältere und Immungeschwächte wird eine Aufrischungsimpfung empfohlen. (Foto: IMAGO, IMAGO/ANP)
Vor allem für Ältere und Immungeschwächte wird eine Aufrischungsimpfung empfohlen. IMAGO/ANP

Auch andere Atemwegserkrankungen haben im Winter Konjunktur

Gemütlich wird der Winter deswegen aber wahrscheinlich trotzdem nicht. Da sind zum einen andere Atemwegserkrankungen wie die Grippe, die vermutlich wieder eine größere Rolle spielen werden.

Außerdem können die hohen Corona-Infektionszahlen ein Problem werden, weil viele für eine gewisse Zeit wegen Covid nicht zur Arbeit kommen können. In Krankenhäusern, wo die Personallage ja eh schon angespannt ist, könnte das massive Folgen haben.

Trotzdem besteht die Hoffnung, dass diesen Winter nicht so strenge Maßnahmen nötig sein werden, um die Infektionen und ihre Auswirkungen im Griff zu behalten. Wichtig sei jetzt aber, die Lage gut zu beobachten, sagen zum Beispiel Christian Drosten oder der biomedizinische Modellierer Andreas Schuppert. Zur Infektionslage würden zwar viele Daten erhoben, in Deutschland gebe es aber immer noch große Lücken in der Erfassung wichtiger Kennzahlen, so Schuppert. Daran habe sich auch im dritten Corona-Winter nichts geändert.

In Deutschland gibt es immer noch große Lücken bei der Erfassung wichtiger Corona-Kennzahlen. (Foto: IMAGO, IMAGO/Christian Ohde)
In Deutschland gibt es immer noch große Lücken bei der Erfassung wichtiger Corona-Kennzahlen. IMAGO/Christian Ohde

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