Präsentzunterricht in einer Grundschule. Die Schüler tragen Masken. (Foto: IMAGO, IMAGO / Political-Moments)

Covid-19

HEPA, UVC und Co: Was bringen Luftreiniger in Klassenzimmern?

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Franziska Ehrenfeld
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Antonia Weise

Die Sommerferien gehen zu Ende, doch die Schulen sollen offen bleiben – trotz des großen Potenzials an Corona-Infektionen in Klassenzimmern. Brauchen wir deshalb mehr Luftfilter?

Das Problem: Aerosole

Aerosole – also kleinste Tröpfchen, die in der Luft schweben – gelten als ein Hauptübertragungsweg für Covid-19. An der frischen Luft werden sie vom Wind schnell weggetragen. In geschlossenen Innenräumen können sich Aerosole aber stundenlang in der Luft halten. Klassenzimmer bieten also grundsätzlich ein großes Potenzial für Corona-Infektionen.

Deshalb hieß es vergangenen Winter in den Schulen: Lüften, lüften, lüften. Etwa alle 20 Minuten, möglichst Durchzug. Das geht schnell und ist vor allem billig. Es unterbricht jedoch auch den Unterricht und führt bei Minusgraden dazu, dass manche Schülerinnen und Schüler mit Mütze, Schal und Winterjacke im Unterricht sitzen. Hinzu kommt, wer friert, kann sich schlechter konzentrieren.

Lehrerin und Schülerin stehen an einer Tafel. Beide tragen Masken und da die Fenster geöffnet sind, haben sie dicke Jacken an. (Foto: IMAGO, IMAGO / Sven Simon)
Um zu vermeiden, dass Lehrer*innen und Schüler*innen im Winter Jacken tragen müssen, könnten Luftfilter eine Lösung sein. IMAGO / Sven Simon

Das bringen mobile Luftfiltergeräte

Mobile Luftfiltergeräte können Viruspartikel aus der Luft filtern. Kombiniert mit Lüften – denn das CO2 muss ja immer noch raus und frischer Sauerstoff rein – können Geräte mit sogenannten HEPA-Filtern sehr wirksam sein. Laut einer Studie der Uni Frankfurt haben diese nach einer halben Stunde mehr als 90 Prozent der Aerosole aus der Klassenzimmer-Luft entfernt.

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Bei diesen Luftreinigern muss man laut Thomas Ifter, Virologe an der Uniklinik Tübingen, aber einiges beachten:

„Der Auslass sollte auf keinen Fall so positioniert sein, dass er möglicherweise auf ein infiziertes Individuum gerichtet ist damit die Aerosole noch weiter verbreitet."

Das heißt: Vorsicht beim Aufstellen. Außerdem sollten die Anlagen mit Filtern der Klasse H13 oder besser H14 ausgestattet sein und das Volumen der Raumluft möglichst sechsmal pro Stunde oder öfter durchfiltern. Das Gerät muss also zum Klassenzimmer passen.

Nachteile von Luftfiltergeräten: Kosten und Lautstärke

Ein mögliches Problem könne die Lautstärke sein, denn lautlose Filtergeräte gibt es nicht. Achim Dittler, Ingenieur und Aerosolforscher am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), sagt, es komme auf den Volumenstrom an. Je höher der Volumenstrom sei, desto präsenter würde man die Geräte hören. Das heißt: Je effektiver das Gerät filtert, desto lauter ist es – ein Dilemma.

Neben Anschaffungskosten von etwa 3000 bis 4000 Euro pro Gerät kommen laufende Kosten hinzu, denn die Filter müssen regelmäßig gewechselt werden. Ansonsten lässt die Leistung nach.

Im Klassenzimmer steht ein Luftreiniger mit HEPA-Filter (Foto: IMAGO, IMAGO / Trotec PR)
In diesem Klassenzimmer steht ein Luftreiniger mit H14-HEPA-Filtertechnik. Solche Geräte sollen das Corona-Ansteckungsrisiko minimieren, indem sie Aerosole aus der Luft filtern. IMAGO / Trotec PR

UVC-Geräte als mögliche Alternative

UVC-Geräte filtern nicht, sondern inaktivieren Viruspartikel mit UV-Strahlung. Hierbei muss also nichts getauscht werden. Niemand muss kontaminierte Filter anfassen und die Geräte sind laut dem Umweltbundesamt meist leiser als solche mit HEPA-Filter.

UVC-Lampen werden schon lange eingesetzt, zum Beispiel um Labore, Handläufe von U-Bahnstationen und Krankenhäuser zu reinigen. Dabei geht es aber um die Reinigung von Oberflächen. Ob die antivirale Wirkung auch bei Luftströmen funktioniert, ist laut Konstantinos Stergiaropoulos, Experte für Lüftungstechnik der Uni Stuttgart, unklar. Es gebe noch keinen wissenschaftlich fundierten Nachweis.

Außerdem gibt es noch keine Normen für solche UVC-Geräte, ihre Wirkung ist also kaum vergleichbar. Man muss sich auf die Herstellerangaben verlassen – nicht unproblematisch.

UV-Lichtgeräte auf Rolltreppen der Londoner U-Bahn (Foto: picture-alliance / Reportdienste, / ZUMAPRESS.com | Dave Rushen)
Mit UV-Lichtgeräten an den Rolltreppen der Londoner U-Bahn werden Verunreinigungen an den Handläufen kontinuierlich desinfiziert. / ZUMAPRESS.com | Dave Rushen

Gerätehersteller schönen Forschungsergebnisse

Die Firma Youvee schreibt beispielsweise, dass ihre Geräte zu über 99 Prozent gegen Coronaviren wirken. Ein Blick in die zugrunde gelegte, noch nicht gegengeprüfte Studie zeigt jedoch, dass eine Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 nie getestet wurde. Aufgrund der Strahlendosis wurde lediglich eine Annahme bezogen auf ganz andere Coronaviren getroffen.

Unklarheiten bei UVC-Geräten

Das Austreten von UVC-Strahlung könnte Schwierigkeiten bereiten. Sie kann nämlich Haut und Augen schädigen. Die UVC-Desinfektion von Oberflächen geschieht deshalb in der Regel, wenn keine Menschen im Raum sind. UVC-Reiniger, die während des Unterrichts laufen, müssen deshalb gut abgeschirmt sein. Das lässt sich laut Achim Dittler konstruktiv lösen. Allerdings muss man sich auch in diesem Fall auf die Hersteller verlassen.

Außerdem ist noch unklar, ob UVC-Luftreiniger gesundheitsschädliche Beiprodukte, wie Ozon, erzeugen. Das kann Augen und Atemwege reizen. Diese mögliche Auswirkung wird gerade erst erforscht, sagt Konstantinos Stergiaropoulos, Experte für Lüftungstechnik der Universität Stuttgart:

„Grundsätzlich ist die Gefahr nicht so groß, aber man weiß es nicht genau. "

Mädchen reibt sich die Augen (Foto: IMAGO, IMAGO / Westend61)
Es ist nicht sicher, ob UVC-Luftreiniger gesundheitsschädliche Produkte erzeugen, die die Augen reizen können. IMAGO / Westend61

Ähnliches gilt auch für Ionisations- und Plasmatechnologie. Hierbei müssen Wirksamkeit und mögliche Nebeneffekte ebenfalls durch die Hersteller dargelegt werden.

Feste Raumluftanlagen als beste Lösung

In einer idealen Welt, in der Geld und Zeit keine Rollen spielen, wären fest verbaute raumlufttechnische Anlagen (RLT) wohl die beste Lösung für Klassenzimmer. Sie könnten ständig frische Luft zuführen, ohne dass die Räume auskühlen. Das Umweltbundesamt schätzt, dass 90 Prozent der Schulen im Moment keine haben. Dabei wäre es auch langfristig sinnvoll, über solche Anlagen nachzudenken. Schon 2017 hat der Arbeitskreis Lüftung des Umweltbundesamtes festgehalten:

„Eine Lüftung über Fenster allein reicht zum Erreichen einer guten Innenraumluftqualität während des Unterrichts in Schulgebäuden nicht aus.“

Eine Konzeption bestehend aus Grundlüftung über mechanische Lüftungsanlagen und Zusatzlüftungsmöglichkeit über Fenster in den Pausen werde vom AK Lüftung dringend empfohlen.

Schüler mit Maske desinfiziert sich die Hände (Foto: IMAGO, IMAGO / Eibner)
Neben Händewaschen, desinfizieren und regelmäßigem Lüften, spielen auch Abstandhalten oder Plexiglasscheiben eine wichtige Rolle, um Infektionen zu vermeiden. IMAGO / Eibner

Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie spielt aber nicht nur Lüftung eine Rolle. Gegen Tröpfcheninfektionen helfen nur Abstand halten und Maske tragen. Einfach einen Luftreiniger aufstellen und alle Probleme sind gelöst – das funktioniert nicht. Auch wenn richtig ausgewählte und aufgestellte Geräte durchaus wirksam sind.

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