Abbildung eines Corona Virus (Foto: IMAGO, IMAGO/Bihlmayerfotografie)

Steigendes Infektionsgeschehen

Deshalb steigen die Corona-Inzidenzen weiter an

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Immer mehr Corona-Neuinfektionen werden gemeldet. Gesundheitsminister Karl Lauterbach warnt vor einer Sommerwelle. Doch wie schlimm ist die Lage wirklich?

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Auch wenn in den letzten Wochen sinkende 7-Tagesinzidenzen gemeldet wurden, ist das Infektionsgeschehen schon in den vergangenen Wochen vermutlich nicht zurückgegangen. Der Anteil der positiven Tests ist seit Wochen ähnlich hoch. Seit Mitte Februar sind über 44 Prozent der durchgeführten PCR-Tests positiv - Tendenz steigend. Aktuell liegt die Positivrate bei über 50 Prozent. Tag für Tag werden wieder mehr Neuinfektionen gemeldet als in den Vorwochen.

Lockerungen und Omikron 2.0

Dass sich das Virus jetzt noch stärker ausbreiten kann, liegt laut Fachleuten teilweise an den Lockerungen der vergangenen Wochen. So treffen zum Beispiel in Restaurants oder Veranstaltungen wieder mehr Menschen ohne Maske und ohne 2G-Regel aufeinander. Aktuell steigt die Zahl der Neuinfektionen vor allem bei den 15 bis 34-Jährigen, was an Lockerungen in den Schulen, Unis und Veranstaltungen liegen könnte.

Menschen an einem sommerlicher Abend an einem Fluss (Foto: IMAGO, IMAGO/Ralph Peters)
Der kommende Sommer könnte von einer Sommerwelle dominiert werden. IMAGO/Ralph Peters

Aber nicht nur das menschliche Verhalten, auch das Virus hat sich weiter verändert. Seit Mitte Februar breitet sich der nochmal ansteckendere Subtyp BA.2 der Omikron-Variante aus. Mitte Februar hat der BA.2-Suptyp etwa 37 Prozent der gemeldeten Neuinfektionen ausgemacht. Fachleute gehen davon aus, dass der neue Omikron-Subtyp mittlerweile dominant ist. Der BA.2-Subtyp ist demnach aktuell für die meisten Corona-Neuinfektionen verantwortlich. 

Dass der BA.2-Suptyp nochmal ansteckender ist, haben bereits mehrere Studien beobachtet - wie zum Beispiel eine Preprint-Studie aus Dänemark zum Infektionsgeschehen in Haushalten. Fachleute haben deshalb erwartet, dass sich der Subtyp bei uns durchsetzten wird und nochmal für eine neuen Anstieg bei den Neuinfektionen sorgen könnte.

Berliner Forschungsteam mit Szenarien für die kommenden Wochen

Bereits Ende Februar hat ein Forschungsteam der TU Berlin vor einem erneuten Anstieg gewarnt. Das Forschungsteam geht davon aus, dass sich der Subtyp BA.2 bereits stark ausgebreitet hat. Wie stark sich das Virus in den kommenden Wochen tatsächlich ausbreiten kann, hängt laut den Forschenden einerseits von den weiteren Lockerungen und den Freizeitaktivitäten der Menschen statt. Andererseits ist für den weiteren Verlauf auch entscheidend, wie gut vorherige Corona-Infektionen und Impfungen vor dem BA.2-Subtyp schützen. Können sich bereits Infizierte bzw. Immunisierte recht leicht mit dem nochmal ansteckenderen BA.2-Subtyp infizieren und haben die Menschen durch die Lockerungen wieder mehr Kontakte, droht laut dem Berliner Forschungsteam eine nochmal höhere Corona-Welle.

Die neue Corona-Welle könnte im ungünstigen Szenario um das 2,5-fache höher ausfallen als zuletzt beim bisherigen Höhepunkt Anfang 2022. Sollten aber bisherige Infektionen mit der Omikron-Variante und die Impfungen besser schützen, könnte der Anstieg deutlich geringer ausfallen. Ende Februar ging das Forschungsteam der TU Berlin davon aus, dass das Infektionsgeschehen sich stabilisieren könnte, wenn die Menschen sich zusätzlich bei ihren Freizeitaktivitäten trotz weiterer Lockerungen ähnlich stark einschränken wie zuletzt.

Die beiden extremen Szenarien zeigen, was in den nächsten Wochen möglich ist. Die Realität wird laut den Fachleuten wahrscheinlich zwischen diesen beiden Szenarien stattfinden.

Neuer Anstieg weniger gefährlich?

Mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen ist das Risiko einer Corona-Infektion aktuell wahrscheinlich so hoch wie noch nie. Gleichzeitig ist eine Virus-Infektion für die meistens durch die Impfungen oder vorhergegangenen Infektionen weniger bedrohlich. Der neue Subtyp BA.2 ist zwar ansteckender, erhöht aber laut ersten Studien nicht das Risiko für einen schweren Verlauf. Hinweise liefert zum Beispiel eine Preprint-Studie aus Südafrika. Auch die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass die Krankheitsschwere sich beim Subtyp BA.2 nicht merklich verändert hat. Infizieren sich Menschen mit dem BA.2-Subtyp schützen vorherige Infektionen und Impfungen gut vor einen schweren Verlauf.

Aktuell wie auch in den vergangenen Wochen ist die Lage in den Kliniken und in den Intensivstationen stabil. Ein deutlicher Anstieg bei den Neuinfektionen würde sich zwar auch in den Kliniken bemerkbar machen, aber mit einer Überlastung der Klinken muss laut Fachleuten nicht gerechnet werden. Doch vor allem für ungeimpfte Über-60-Jährige ist die Lage noch bedrohlich. Sie haben laut RKI das höchste Risiko für einen schweren Verlauf. Die meisten Menschen mit einem schweren Krankheitsverlauf sind unverändert über 60 Jahre alt und ungeimpft. In den Klinken werden mehr als doppelt so viele Über 60-Jährige behandelt, die nicht geimpft sind - im Vergleich zu den Ungeimpften.

Bild von einem Stempel auf dem "Sommerwelle" steht und Figur von einem Corona-Virus; im Hintergrund ist ein Kalender (Foto: IMAGO, IMAGO/Bihlmayerfotografie)
Eine mögliche Sommerwelle könnte gerade für ungeimpfte über 60-Jährige eine große Gefahr sein. IMAGO/Bihlmayerfotografie

Droht eine Corona-Welle im Sommer?

Schon Anfang März hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vor einer neuen Welle gewarnt und auch ein höheres Infektionsgeschehen für den Sommer vorausgesagt als in den vergangenen zwei Jahren in der Pandemie.

Das liegt an der Omikron-Variante, die über 200 Prozent ansteckender ist als im vergangenen Sommer. Das Coronavirus kann sich zwar im Sommer durch das UV-Licht und die wärmeren Temperaturen zwar prinzipiell schlechter ausbreiten. Doch wegen der deutlich höheren Übertragbarkeit aktuelle Virusvariante, könnte der "Sommer-Effekt" in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (Foto: IMAGO, IMAGO/Jens Schicke)
Gesundheitsminister Karl Lauterbach warnt vor einer Sommerwelle. IMAGO/Jens Schicke

Im Laufe des Jahres rechnen Fachleute mit einem Rückgang der Immunität in der Bevölkerung. Der ExpertInnenrat der Bundesregierung sieht trotzdem "Hoffnung auf eine Abmilderung der gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie", wie der Rat in einer aktuellen Stellungsnahme vom 8. März schreibt. Allerdings sei aus wissenschaftlicher Sicht möglich, dass in Zukunft nochmal bedrohlichere Virusvarianten auftreten.

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