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Nur etwa 60 Prozent des Mondes von der Erde aus sichtbar Warum sehen wir nie die Rückseite vom Mond?

Von Gábor Paál

Der Mond kreist um die Erde, und er dreht sich um die eigene Achse. Aber beides dauert genau gleich lang, nämlich 27 Tage und 7 Stunden. Und nur deshalb sehen wir immer dieselbe Seite vom Mond.

Die Erde verhält sich da ganz anders. Die braucht für eine Eigenumdrehung einen Tag, für eine Umkreisung der Sonne ein Jahr. Beim Mond sind die beiden Rhythmen synchronisiert: Ein "Mond-Jahr" ist genau so lang wie ein "Mond-Tag" – eben diese 27 Erd-Tage.

Einfluss der Gezeitenkräfte

Das ist aber kein Zufall, sondern das hat sich so entwickelt. Früher – vor Hunderten von Jahrmillionen – hat sich der Mond nämlich schneller gedreht, sodass er sich der Erde auch immer wieder von allen Seiten gezeigt hat. Aber dann hat sich seine Eigendrehung verlangsamt, und schuld daran sind die Gezeitenkräfte.

Das kann man auch wieder mit der Erde vergleichen. Auf der Erde entstehen die Gezeiten – Ebbe und Flut – durch die Gravitationskraft, die der Mond mit seiner Masse ausübt. Diese Kräfte bewegen auf der Erde vor allem die Wassermassen der Meere hin und her. Und nicht nur die Wassermassen, auch die Kontinente, also das Festland hebt und senkt sich durch die Gezeitenkräfte alle 12 Stunden rhythmisch um einen halben Meter, auch wenn wir das nicht spüren.

Jetzt kann man sich vorstellen: Wenn der Mond schon so auf die Erde wirkt, sind umgekehrt die Gezeitenkräfte, die die schwere Erde auf den Mond ausübt, noch um ein Vielfaches größer. Das bedeutet, dass die Erde den Mond aufgrund ihrer Masse regelrecht verformt. Jedes Mal, wenn er sich um die eigene Achse dreht, wird er in Richtung der Erde immer ein bisschen in die Länge gezogen und so ein wenig "durchgewalkt". Diese ständigen inneren Verformungen haben im Lauf der Jahrmillionen die Eigendrehung des Mondes gebremst – und zwar so lange, bis der Rhythmus der Eigendrehung im Einklang war mit der Umdrehung um die Erde. Deshalb stimmen beide Rhythmen heute überein.

Durch die Gravitationskraft, die der Mond mit seiner Masse ausübt, entstehen auf der Erde die Gezeiten, also Ebbe und Flut

Durch die Gravitationskraft, die der Mond mit seiner Masse ausübt, entstehen auf der Erde die Gezeiten, also Ebbe und Flut. Aber auch umgekehrt wirkt die Erde auf den Mond. Und da sie viel schwerer ist als der Mond, sind auch ihre Kräfte um ein Vielfaches größer. So verformt die Erde den Mond regelrecht, was im Lauf der Jahrmillionen die Eigendrehung des Mondes gebremst hat. Im Bild: Bandon Beach (Oregon/USA)

40 Prozent des Mondes bleiben uns verborgen

Und das wird auch so bleiben. Das heißt, von der Erde aus werden wir nie die Rückseite des Mondes zu Gesicht bekommen. Interessanterweise sehen wir aber trotzdem ein bisschen mehr als nur die Hälfte der Mondoberfläche. Das liegt daran, dass seine Umlaufbahn um die Erde keine perfekte Kreisbahn ist, sondern leicht elliptisch. Dadurch kommt der Mond der Erde mal etwas näher, mal ist er weiter weg. Wenn er sich annähert, wird er aber auch beschleunigt; wenn er sich entfernt, wird er wieder langsamer. Seine Rotation um die eigene Achse bleibt aber immer gleich schnell. Deshalb sehen wir vom Mond manchmal rechts ein Stück mehr, manchmal links. Wir spicken sozusagen um die Kurve, sodass wir im Lauf eines Monats nicht nur 50 Prozent, sondern fast 60 Prozent der Mondoberfläche zu Gesicht bekommen – aber die anderen 40 Prozent bleiben uns verborgen.