Illustration: Das Coronavirus und der Einfluss auf die Welt.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Zoonar)

Infektiologie

Wann wird die Corona-Pandemie zur Endemie?

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AUTOR/IN
Veronika Simon, Antonia Weise, Anja Braun
ONLINEFASSUNG
Lilly Zerbst

Mit den Omikron-Wellen im Frühling und Sommer 2022 wächst die Hoffnung auf einen schnelleren Weg in eine Endemie. Doch was ist das und wann könnte es soweit sein?

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Eine Pandemie verbreitet sich weltweit

Zurzeit werden die Corona-Infektionen als Pandemie eingestuft. Das heißt: Es gibt überdurchschnittlich viele Infektionen mit einem bestimmten Erreger und die Infektionen breiten sich über nahezu die ganze Welt aus. Das bekommen wir gerade unmittelbar mit Sars-CoV-2 zu spüren. Auslöser sind meistens Viren- oder Bakterienstämme, die zuvor in Tieren vorkommen. In manchen Fällen kann das Virus auf den Menschen übergehen, da die Viren mutieren. Im Fall des Coronavirus war das menschliche Immunsystem nicht ausreichend vor dem Erreger geschützt, es konnte sich rasch weltweit ausbreiten.

Ob eine Krankheitswelle nach diesen Kriterien als Pandemie bezeichnet wird, entscheidet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Endemie – das regelmäßige Auftreten in Regionen

Ein Erreger, der in einer bestimmten Region oder Population gleichmäßig, aber verstärkt auftaucht, wird als endemisch bezeichnet. Beispielsweise ist das Grippevirus ein endemisches Virus, welches saisonal auftritt.

Das bedeutet: Wenn sich die Corona-Pandemie zu einer Endemie entwickelt, wird das Virus nicht verschwunden sein. Auch im Zustand der Endemie kann die Zahl der Infektionen hoch sein. Menschen werden sich weiterhin infizieren und das Virus übertragen. Allerdings ist das Immunsystem der meisten Menschen dann schon mit dem Virus in Kontakt gekommen oder ist durch die Impfung geschützt. Denn mit der Impfung bildet unser Immunsystem die Antikörper, um einen entsprechenden Schutz gegen Corona aufbauen zu können. Die meisten erkranken dann nur noch milde, wenn sie mit dem Virus in Kontakt kommen. Das lässt Hoffnung auf einen entspannteren Verlauf in diesem Winter zu.

Und trotzdem: Wenn Covid-19 endemisch wird, dann heißt das nicht automatisch, dass nur noch wenige Menschen daran sterben. Erkältungsinfekte sind ebenfalls endemische Krankheiten, so auch Malaria und Tuberkulose, daran sterben jedes Jahr Hunderttausende.

Eine Frau lässt sich gegen Covid-19 impfen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa)
Impfungen können die Lage in Deutschland deutlich verbessern. Vor allem im Hinblick auf die Omikron-Welle. picture alliance/dpa

Wann kommen wir in die endemische Lage beim Coronavirus?

Experten sind sich einig, dass die endemische Lage kommen wird – wann das sein wird, ist jedoch ungewiss. Je nach Land kann das auch unterschiedlich schnell gehen: Länder mit hoher Impfquote oder vielen durchgemachten Infektionen sind viel weiter als beispielsweise China, wo viele Menschen weder geimpft noch genesen sind und die eingesetzten Impfstoffe gegen die Omikron-Variante nur eine geringe Wirksamkeit zeigen.

In Deutschland könnte Omikron den Übergang von der Pandemie zur Endemie beschleunigen, davon gehen zumindest einige Virologen aus. Denn während der Omikron-Wellen im vergangenen Frühling und Sommer haben sich viele Leute angesteckt.

Doch es können auch noch neue Mutationen eingeschleppt werden. Mittlerweile wissen wir aber mehr über die Verbreitung von Covid-19 und auch welche Gegenmaßnahmen getroffen werden müssen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Die Evolution des Virus vorhersagen zu wollen, ist aber laut Richard Neher, Experte für Virusevolution an der Universität Basel, nicht zielführend. „Das ist ein Blick in die Kristallkugel.“

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