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Aktiver Vulkanismus in der Eifel Unter dem Laacher See steigt Magma auf

Es brodelt unter dem Laacher-See. Um zu erfahren, ob und wann der erloschene Vulkan wieder zum Leben erwacht, gehen Geophysiker*innen aus Mainz und Karlsruhe regelmäßig in die Tiefe.

Vulkanismus in der Eifel - aktiver als bisher gedacht

Geowissenschaftler*innen haben in der Eifel etwas sehr Ungewöhnliches gemessen. Schon 2013 beobachten sie zwei sehr tiefe Erdbeben in etwa 40 Kilometer Tiefe. Ein Anlass, noch genauer hinzuschauen – und so fanden sie immer mehr Anzeichen dafür, dass im bekannten Eifel-Plume offensichtlich einiges in Bewegung ist.

Joachim Ritter, Geophysiker, Karlsruhe Institut für Technologie: Durch die Verfeinerung der Messtechnik können wir sehr viel kleine Bodenbewegungen messen. Dabei hat sich überraschenderweise ergeben, dass wir neben den normalen tektonischen Erdbeben nun auch sehr tieffrequente und sehr tiefe Erdbeben festgestellt haben, wie wir sie in Deutschland noch nirgendwo beobachtet haben.

Es sind Indizien dafür, dass der Eifel-Vulkanismus aktiver ist, als bislang angenommen - die Magmakammer unter dem Laacher See scheint sich wieder zu füllen.

Magmaaufstieg unter dem Laacher See

Magmaaufstieg unter dem Laacher See


Im Untergrund des Laacher See-Vulkans rumort es noch immer

Der letzte Vulkanausbruch liegt rund 13.000 Jahre zurück: Aufsteigendes Magma traf hier auf Grundwasser, und ein Vulkan brach mit einer gewaltigen Explosion aus. Heiße Glutwolken verwüsteten die Landschaft und eine riesige Aschewolke stieg hinauf bis in 30 Kilometer Höhe.

In der Grube Bendisberg, einer ehemaligen Zink- und Bleierzmine, überwacht die Forschung den Eifel-Untergrund. Nur knapp 1,80 Meter ist der Stollen hoch, in dem seit Jahrzehnten kein Erz mehr gefördert wird und an dessen Ende ein Seismometer installiert ist.

In nächster Zeit droht wohl kein Vulkanausbruch am Laacher See

In nächster Zeit droht wohl kein Vulkanausbruch am Laacher See

Riesige Magmakammer unter dem Laacher See

Derzeit überwachen 15 solcher Seismometer die Osteifel. Ende der 90er Jahre waren es noch zehn Mal so viel, die den Eifel-Untergrund vermessen haben. Seitdem weiß man, dass es tief unter dem Laacher See und der gesamten Region den sogenannten "Eifel-Plume" gibt, eine riesige Magmakammer, die bis in 300 Kilometer Tiefe reicht und die den Vulkanismus in der Eifel im wahrsten Sinn "anfeuert".

Die meisten Seismometer des damaligen "Eifel-Plume-Projekts" sind lange abgebaut, doch mit dem übrig gebliebenen Messnetz versuchen die Geophysikerinnen und Geophysiker nun zu klären, wie aktiv die heiße Zone unter ihren Füßen ist. Wichtig ist dafür, dass die Messungen ohne Unterbrechungen erfolgen, die Technik also regelmäßig überprüft wird:

Die seismographischen Untersuchungen in der Eifel zeigen: Vorerst droht kein neuer Ausbruch

Die seismographischen Werte in der Eifel werden genau beobachtet


Die Daten unserer Messstation werden an das Landesamt in Mainz und an das KIT in Karlsruhe übertragen. Wir können dann in Echtzeit sofort sehen, was sich hier in der Eifel tut, erklärt Joachim Ritter.

Eruption nur bei Überdruck

Was man hier normalerweise misst, sind tektonische Beben mit einem kurzen Schwingungsimpuls – die nun gemessenen Beben haben deutlich weniger starke Schwingungen, die aber viel länger dauern.

Diese tieffrequenten Erdbeben treten zudem in einem räumlich eng begrenzten Gebiet auf: Südöstlich des Laacher Sees und immer weiter absteigend, bis in etwa 45 Kilometer Tiefe. Solche tieffrequenten Erdbeben, die kennen wir eigentlich nur von aktiven Vulkangebieten weltweit, sagt Joachim Ritter. Wir wissen aus den früheren Ausbrüchen des Laacher-See-Vulkans, dass so eine Befüllung mit Magma unter Umständen bis zu 100.000 Jahren dauern kann. Und erst, wenn dann irgendwann mal der Druck groß genug ist, kann es zu einer Eruption kommen.

Blubberbläschen. Der Laacher See-Vulkan lebt.

Es blubbert im Laacher See, der Vulkan schläft nur.

Aktuell keine Gefahr eines Vulkanausbruchs in der Eifel

Was derzeit tief unter dem Laacher See passiert, passiert also in "geologischen Zeiträumen" – und so wird es noch viele zehntausend Jahre dauern, bis es wieder soweit ist - und eine gewaltige Explosion die Landschaft zerreißt, wenn wieder ein Vulkan in der Eifel ausbricht.

Aktuell besteht definitiv keine Gefahr, doch ein Ausbruch wird irgendwann kommen. Denn die Gasblasen, die am Ostufer des Laacher See aufsteigen, zeigen deutlich: Im Eifel-Untergrund brodelt es immer noch.