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Wer keine Lust auf schweres Atmen durch eine Maske hat, greift in der Corona-Krise zum Plastikvisier. Aber helfen die beliebten Konstruktionen überhaupt bei der Eindämmung der Pandemie?

Kellner mit Visier (Foto: Imago, imago images/Hans Lucas)
Zum Beispiel für Kellner*innen kann das Arbeiten mit Mundschutz anstrengend werden. Imago imago images/Hans Lucas

In Baden-Württemberg gelten Plastikvisiere offiziell nicht als Maskenersatz. In Rheinland-Pfalz sind sie nach langem Hin und Her in der Gastronomie und für Verkäufer*innen erlaubt. Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts sind die Plastikschilde aber keine gleichwertige Alternative zur Mund-Nase-Bedeckung. Wieso?

Plastikvisiere haben durchaus Vorteile gegenüber Stoffmasken

Auf den ersten Blick haben Visiere deutliche Vorteile gegenüber Stoffmasken: Man kann freier atmen, deutlicher sprechen und die Mimik bleibt erkennbar. Gerade für Gehörlose, die auf das Lippenlesen angewiesen sind, ist das nützlich.

Brautpaar und wenige Gäste mit Mundschutz (Foto: Imago, imago images / MiS)
Mund-Nasen-Schutze verdecken einen Großteil der Mimik. Imago imago images / MiS

Aber sogar aus wissenschaftlicher Sicht haben die Visiere Vorteile: Sie schützen in Sprechrichtung sehr gut vor Tröpfchen. Der Kunststoff lässt nichts durch und durchfeuchet nicht – auch nicht nach Stunden. Außerdem schützen Plastikschilde – anders als Mund-Nasen-Schutze – auch die Augenschleimhäute.

Vor allem haben Visiere aber erhebliche Nachteile

Der Schutz durch Plastikvisiere hat andererseits aber auch erhebliche Nachteile, denn: Die Schilde lassen viel mehr Raum zum Gesicht. Nach unten sind sie komplett offen. Tröpfchen fallen deshalb einfach nach unten heraus. Je weiter das Visier aufgeklappt ist, desto mehr.

Frau mit Visier und Smartphone  (Foto: Imago, imago images/ITAR-TASS)
Tröpfchen und Aerosole können beim Tragen von Plastikvisieren seitlich und nach unten leicht entweichen. Imago imago images/ITAR-TASS

Besonders gut können sich so die ganz kleinen Tröpfchen – sogenannte Aerosole – verbreiten. Wegen ihres geringen Gewichts können sie viele Minuten in der Luft schweben. Noch ist zwar nicht abschließend geklärt, wie groß die Rolle von Aerosolen beim Infektionsgeschehen mit Sars-CoV-2 ist. Aber Experten gehen davon aus, dass sie eine erhebliche Rolle spielen könnten.

Die Aerosole können aus dem Visier leichter raus, aber auch reinschweben. Ein gut anliegender Mundschutz kann dagegen laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sowohl die Geschwindigkeit des eigenen Atemstroms und der Tröpfchen bremsen, als auch das Vorbeiströmen an den Seiten verhindern.

Frau mit Visier und Mundschutz (Foto: Imago, imago images/Hans Lucas)
In Kombination mit einer Stoffmaske kann das Plastikschild zusätzlichen Schutz bieten – zum Beispiel für Risikogruppen. Imago imago images/Hans Lucas

Eine Alternative für Sonderfälle

Visiere dienen normalerweise dafür, Augen und Gesicht vor spritzenden Flüssigkeiten, Spänen und Funken zu schützen. Nicht jedoch, um andere vor der eigenen potenziellen Virenlast zu schützen. Wer aus medizinischen oder anderen triftigen Gründen aber keinen Mundschutz tragen kann, für den kann ein Visier eine Alternative sein.

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