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In Indien ist die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen extrem hoch. Welches Risiko geht von der neuen Virusmutante B 1.617 aus?

Allein schon der Begriff Doppel-Mutante klingt gefährlich. Dass von der in Indien gefundenen Mutation, die Wissenschaftler B 1.617 nennen, aber tatsächlich auch doppelt so viele Risiken ausgehen, ist nicht erwiesen. Klar ist nur: sie ist schon weltweit verbreitet, es gibt Fälle in Belgien, Großbritannien, den USA und Australien.

Hohe Corona-Infektionszahlen in Indien

Weil die Corona-Zahlen in Indien gerade durch die Decke gehen – allein am 25. April 314.000 neue Fälle und 2.100 Tote – befürchten Experten, dass die Mutation für diesen Anstieg verantwortlich sein könnte. Genau weiß man das aber nicht, weil Indien bisher nicht viele Genom-Sequenzierungen vorgenommen und nur weniger als ein Prozent aller Viren-Proben untersucht hat. Und: Indien hat Beschränkungen sehr früh gelockert. Wahlveranstaltungen ohne Maske, Wanderarbeiter, rituelle Ganges-Bäder, mangelnde Hygiene, fehlende Toiletten - all diese Punkte können genauso gut zur Verbreitung des Virus beigetragen haben und beitragen.

Viele Corona-Neuinfektionen (Foto: Imago, imago images/agrarmotive)
Die Corona-Zahlen in Indien explodieren – allein gestern 314.000 neue Fälle und 2100 Tote. Könnte die Mutante dafür verantwortlich sein? Imago imago images/agrarmotive

Wirken Impfstoffe gegen die indische Virusmutante?

Ob das an zwei Stellen des sogenannten Spike-Proteins mutierte Virus das Immunsystem austrickst und Corona-Impfungen unwirksam macht, weiß man auch noch nicht. Experten halten das aber für eher unwahrscheinlich, weil die Impfungen eine grundsätzlich so breite Immunabwehr auslösen, dass im Körper immer noch genügend wirksame Antikörper vorhanden sind – so dass es, wenn überhaupt, vermutlich eher zu einem leichteren Verlauf der Krankheit kommen dürfte.

Corona-Impfstoffe (Foto: Imago, imago images/agrarmotive)
Experten halten für eher unwahrscheinlich, dass die COVID-19-Impfstoffe bei der indische Virusmutante B 1.167 nicht wirksam sind. Imago imago images/agrarmotive

Ist die indische Virusmutante ansteckender?

Ob das mutierte Virus ansteckender oder tödlicher ist, ob sich Genesene wieder neu infizieren, ob es vielleicht sogar die britische 117 Mutante übertrifft, all das kann man momentan noch nicht sagen. Für die Weltgesundheitsorganisation ist sie im Moment noch eine „Variante unter Beobachtung“ – die indische Mutante könnte aber auch schnell hochgestuft werden zur „variant of concern“, dann wäre sie offizielle besorgniserregend. Vor allem zwei Veränderungen sind beunruhigend: B 1.617 trägt eine sogenannte Escape-Mutation, ähnlich wie bei den Varianten aus Südafrika und Brasilien. Die zweite bedenkliche Veränderung führt laut einer kalifornischen Studie zu rascherer Verbreitung.

Die Doppel-Mutante zeigt: das Virus mutiert weiter, was auch klar macht, dass man diese Pandemie wohl nur in den Griff bekommen kann, wenn man global gegen sie vorgeht. 

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