Coronaimpfung

Vierte Corona-Welle vermeiden: Welche Impfquote reicht?

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AUTOR/IN
Pascal Kiss
ONLINEFASSUNG
Lilly Zerbst

Nur wenige Prozentpunkte entscheiden bei der Impfquote, ob die Corona-Pandemie in Zukunft ohne strengere Maßnahmen oder Lockdown kontrolliert werden kann - das geht aus einem neuen Bericht des Robert Koch-Instituts hervor. Doch können wir dieses Ziel erreichen?

In Großbritannien liegt die 7-Tage-Inzidenz derzeit bei über 270 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Vor wenigen Monaten hätte bei dieser Zahl jedes Land strengere Corona-Maßnahmen verhängt, doch Großbritannien lockert. Die Hoffnung: Durch die Impfungen werden nur noch wenige Menschen erkranken.

Wie hoch muss die Impfquote sein, um die Corona-Pandemie ohne größere Maßnahmen kontrollieren zu können? Das Robert Koch-Institut hat jetzt einen neuen Bericht veröffentlicht. Er beinhaltet Szenarien, wie sich die Corona-Lage bei uns in Abhängigkeit von der Impfquote entwickeln könnte.

Coronavirus wird nicht ganz verschwinden

Eins haben alle Szenarien gemeinsam: Ganz verschwinden wird das Coronavirus erst einmal nicht. Durch eine möglichst hohe Impfquote haben auch Ungeimpfte ein geringes Risiko, sich anzustecken. Das Virus kann sich dann nur noch langsam ausbreiten. Die Folge: Auf den Intensivstationen liegen dann wenige hundert Covid-19-Patient:innen statt mehrere tausend.

Starke vierte Corona-Welle bei derzeitiger Impfquote befürchtet

Aktuell haben in Deutschland 60 Prozent der Bevölkerung eine erste Impfung erhalten. Das RKI warnt vor einer sehr starken vierten Welle im kommenden Winter, sollte die Impfquote insgesamt nur noch auf 65 Prozent steigen. Dann gebe es Rekordwerte bei den Neuinfektionen und geschätzt 6.000 Covid-Patient:innen auf den Intensivstationen. Das sind etwa gleich viele Patient:innen wie im vergangenen Winter.

Deutliche Entlastung der Intensivstationen bei Impfquote von 75 Prozent

Aber: So schlimm werde die vierte Welle wahrscheinlich nicht, meinen Expertinnen und Experten. Denn vermutlich werden sich noch deutlich mehr Menschen impfen lassen. Bei einer Impfquote von 75 Prozent ist zwar noch immer eine 7-Tage-Inzidenz von über 100 denkbar, doch weil mehr Risikopatient:innen geschützt sind, müssen deutlich weniger Covid-19-Patient:innen auf einer Intensivstation behandelt werden. Zu Spitzenzeiten wären das um die 2000 Patient:innen und damit weniger als während der ersten Corona-Welle in Deutschland.

Eine Intensivkrankenschwester steht auf einer Intensivstation im Zimmer eines Covid-19-Patienten. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)
Eine Corona-Impfquote von 75 Prozent würde die Intensivstationen bereits deutlich entlasten. picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Expert:innen gehen von Impfquote über 85 Prozent der Über-12-Jährigen aus

Das RKI geht sogar davon aus, dass sich mindestens 85 Prozent der Über-12-Jährigen in Deutschland impfen lassen wollen. Bei dieser Impfquote könne sich die Anzahl Zahl der Covid-19-Patient:innen halbieren. Wird die Impfquote rechtzeitig erreicht, kann laut dem Robert-Koch-Institut also eine stark ausgeprägte vierte Corona-Welle vermieden werden, ohne strenge Maßnahmen wieder einzuführen. Bei sehr stark steigender Inzidenz müssten nur wenige Kontakte reduziert werden.

Forscher prognostizieren, dass Kontaktverbote in Zeiten von Corona wohl noch längere Zeit notwendig sein werden, zumindest so lange, bis ein Impfstoff kommt. (Foto: IMAGO, imago)
Bei einer Impfquote von 85 Prozent der Über-12-jährigen, müssten laut RKI selbst bei stark steigenden Inzidenzen nur wenige Kontakte reduziert werden. imago

Wenige Prozentpunkte bei der Impfquote können die vierte Corona-Welle vermeiden

Auch wenn der RKI-Bericht keine präzisen Prognosen bietet, ist er ein klarer Hinweis, wie entscheidend wenige Prozentpunkte bei der Impfquote mit Blick auf die Lage in den kommenden Monaten sein können. So droht bei einer geringen Quote von 65 Prozent die bisher stärkste Corona-Welle, während die Lage laut dem Bericht schon mit zehn Prozentpunkten mehr deutlich besser kontrollierbar ist. Dann würde die Pandemie den Alltag, bis auf Basismaßnahmen wie Maskenpflicht, nicht mehr allzu stark bestimmen.

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