Forscherin der Uniklinik Tübingen

Uniklinik Tübingen

Corona-Impfstoff für Immungeschwächte

Stand
AUTOR/IN
Pascal Kiss
ONLINEFASSUNG
Antonia Weise

Positives Zwischenergebnis bei der Entwicklung des Tübinger Covid-Impfstoffs für Krebspatienten und immungeschwächte Menschen. Sie können sich nämlich bisher nicht gut gegen Corona schützen.

In Deutschland gibt es circa eine Million immungeschwächte Menschen. Diese sind in der Corona-Pandemie besonders gefährdet. Aktuell können sich die Risikopatient*innen zwar durch Impfungen theoretisch schützen, doch für einige Immungeschwächte gibt es ein Problem.

Bei vielen Menschen mit einer Immunschwäche haben die aktuellen Covid-19-Impfstoffe nur eine geringe Wirkung. Ein Forschungsteam der Uniklinik Tübingen arbeitet deshalb an einem Impfstoff, der besser für Menschen mit einer Immunschwäche geeignet ist.

Zwischenergebnisse mit immungeschwächten Personen erfolgreich

Im Labor haben die Tübinger im vergangenen Jahr ihren Impfstoff entwickelt. Bereits die erste Studie hat gezeigt, dass bereits eine Spritze zu einer starken Immunantwort führt. Die wurde allerdings ausschließlich mit gesunden Probanden durchgeführt.

Doch nun zeigen auch die Zwischenergebnisse der Phase II eine positive Bilanz bei den Immungeschwächten: 13 von 14 immungeschwächten Probanden hatten eine starke Immunantwort – obwohl ihr Immunsystem wegen ihren Erkrankungen schlechter auf Impfstoffe reagiert.

Die Wirksamkeit des Impfstoffs kann mit der Studie noch nicht berechnet werden. Das Forschungsteam hat im Blut eine hohe Konzentration von T-Zellen gefunden, die das Virus neutralisieren können. Wie gut diese T-Zellen schwere Verläufe oder Todesfälle verhindern, ist noch unklar.

Ein unterdrücktes Immunsystem erhöht die Gefahr einer Corona-Infektion

Dabei sind besonders immungeschwächte Personen, wie zum Beispiel Krebspatient*innen, anfällig für eine Corona-Infektion. Der Grund: Zur Krebstherapie wird das Immunsystem unterdrückt und geschwächt. Die bisherigen Impfstoffe reichen nicht aus, denn durch die Behandlung bildet der Körper weniger Immunzellen. Dies hat zur Folge, dass nach einer Impfung weniger Antikörper gegen das Coronavirus hergestellt werden können. Krebskranke haben also ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung.

Darstellung mehrerer Immunzellen, die Antikörper gebildet haben.
Die Darstellung zeigt mehrere Immunzellen (blau), die Antikörper gebildet haben. Immunschwache Personen haben nur sehr wenige dieser Antikörper.

Neuer Covid-19-Impfstoff setzt auf mehrere Proteine

Doch das Universitätsklinikum Tübingen forscht für solche Patienten an einem alternativen Covid-19-Impfstoff. Und dieser Impfstoff ist besonders, denn die Tübinger wollen das Immunsystem mit mehreren Virus-Proteinen trainieren: "Wir haben uns hier entschieden, nicht nur auf das Spike-Protein abzuzielen, sondern auf mehr Proteine des Virus – mit dem Ziel eine breitere Immunantwort zu generieren als bislang durch die zugelassenen Impfstoffe erzielt wird."

Bei den aktuell zugelassenen Impfstoffen wird das Immunsystem nur mit Teilen des Spike-Proteins, also mit den Corona-Stacheln, trainiert.

Der Impfstoff aus sechs Proteinen und die T-Helferzellen
Der Impfstoff aus den sechs Proteinen regt im Körper die Bildung von T-Helferzellen an.

Der Tübinger Impfstoff besteht aus insgesamt sechs Proteinen, die vom Coronavirus stammen. Ziel ist, dass der Körper nicht nur Antikörper bildet, sondern ein bedeutender Fokus liegt auf den T-Helferzellen. Diese Zellen sollen später dem Körper helfen, das Coronavirus zu bekämpfen und können auch von Menschen mit einem geschwächten Immunsystem gebildet werden.

Arzt hält eine Spritze mit einer Covid-Impfstoffdosis
Im Gegensatz zu den anderen Impfstoffen aktiviert der Tübinger Impfstoff die T-Zellen nicht nur gegen das Spike Protein, sondern auch gegen andere Virusbestandteile. Dadurch soll ein besserer Schutz vor Mutanten erziehlt werden.

Phase 3: Tübinger Impfstoff muss gegen zugelassenen Impfstoff antreten

Aktuell läuft an der Uniklinik Tübingen eine größere Studie mit mehr Probanden. Danach wird der Tübinger Impfstoff mit einem bislang zugelassenen Impfstoff verglichen und die Wirksamkeit berechnet. Bis der Impfstoff wirklich zugelassen ist, bleibt den Immungeschwächten nichts anderen übrig als zu Warten und das bedeutet für sie weiterhin: Ein Leben mit einer Unsicherheit.

Stand
AUTOR/IN
Pascal Kiss
ONLINEFASSUNG
Antonia Weise