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Tsunami auf Sulawesi Trotz Frühwarnsystem keine Sirenen

Die Bevölkerung auf der indonesischen Insel Sulawesi wurde vor dem Tsunami offenbar nicht gewarnt. Nach aktuellen Zahlen sind jetzt mehr als 1200 Menschen gestorben. Jetzt werden Fragen laut: Hat das teure Tsunami-Frühwarnsystem versagt – oder die Behörden vor Ort?

Eigentlich hätte es nicht zur Katastrophe kommen dürfen. Seit Jahren besitzt Indonesien ein Tsunami-Frühwarnsystem, aufgebaut auch mit deutscher Hilfe. Hat es die drohende Gefahr nicht rechtzeitig erkannt? Solchen Spekulationen tritt das Geoforschungszentrum in Potsdam entgegen. Das Tsunami-Frühwarnsystem GITEWS habe funktioniert. Schon fünf Minuten nach dem Erdbeben habe das System eine Warnung vor einem Tsunami mit Wellen von bis zu 3 Metern Höhe ausgegeben.

Das war 20 Minuten, bevor die tödlichen Wellen an der Küste auftrafen. Trotzdem wurden die Bewohner nicht gewarnt. Ein Sprecher der Indonesischen Katastrophenschutzbehörde bestätigt, es habe keine Sirene gegeben. Viele Menschen waren sich der Gefahr nicht bewusst.

Nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien.

Nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien. Das Frühwarnsystem hatte funktioniert. Nur mit der Weiterleitung an die Bevölkerung gab es Probleme.

Tsunami-Warnung wurde frühzeitig wieder aufgehoben

Wo die Kommunikationskette versagt hat, muss nun geklärt werden. Schritt eins hat offenbar funktioniert: Vom Tsunami-Frühwarnsystem ging eine Warnung an die Katastrophenschutzbehörde, ebenso an staatliche Rundfunkstationen. Ob und wann die Warnung aus Djakarta aber nach Sulawesi weitergegeben wurde, sei derzeit nicht bekannt, erklärt das Geoforschungszentrum.

Mehr noch: Die indonesischen Behörden haben die Tsunami-Warnung nach einer halben Stunde wieder offiziell aufgehoben – zu einem Zeitpunkt, als die Katastrophe bereits in vollem Gang war. Diese frühe Aufhebung widerspricht laut Geoforschungszentrum den Regeln. Demnach dürfe eine Warnung frühestens nach zwei Stunden aufgehoben werden.

Sensorstationen messen die Deformation kurz nach einem Erdbeben

Sensorstationen messen die Deformation kurz nach einem Erdbeben. Dadurch lässt sich die für die Tsunamivorhersage wichtige Größe der Bruchausbreitung ermitteln.

Pegelmessstationen an der Küste ersetzen Bojen

Die Potsdamer Wissenschaftler haben vor mehr als zehn Jahren das indonesische Frühwarnsystem mit aufgebaut. Es besteht aus 300 Sensoren. Sie messen Erschütterungen. Gleichzeitig werden Veränderungen des Meeresspiegels registriert. Dazu waren zunächst hochempfindliche Bojen im Einsatz, doch die haben nicht funktioniert oder wurden beschädigt.

Deshalb werden die Meeresspiegelveränderungen heute mit Pegelmessstationen an der Küste gemessen. Anlass für den Aufbau des System war damals der verheerende Tsunami von 2004 im Indischen Ozean, der mehr als 200.000 Menschen das Leben kostete. Die Bundesregierung unterstützte das Frühwarnsystem damals mit 53 Millionen Euro. Bereits nach vier Jahren war es fertig gestellt. Vor sieben Jahren wurde es an Indonesien übergeben. Seit der Inbetriebnahme hat das System bereits mehr als zehn Tsunamis registriert und die Bevölkerung rechtzeitig gewarnt.

Tsunami-Frühwarnzentrum in Jakarta (Indonesien)

Tsunami-Frühwarnzentrum in Jakarta (Indonesien)