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Tierbeobachtung mit der ISS Icarus-Antenne startet Testbetrieb

Globale Überwachung, mal anders: Auf der ISS wird jetzt die Spezial-Antenne für das Icarus-Projekt testweise in Betrieb genommen. Mit ihrer Hilfe wollen Ornithologen am Max-Planck-Institut Radolfzell die Bewegungen von Zugvögeln, Bienen und Flughunden untersuchen. Die Tiere können von der ISS aus fast überall auf der Welt geortet werden.

ICARUS steht für "International Cooperation For Animal Research Using Space". Ziel ist es, die globalen Wanderbewegungen von Tieren durch ein Satellitensystem zu beobachten.

Mit der Platzierung der Icarus-Antenne auf der Internationalen Raumstation verwirklicht sich der wissenschaftliche Traum von Martin Wikelski. Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell plant, künftig Zehntausende von Tieren auf der ganzen Welt mit Minisendern auszustatten. Nicht nur Vögel sollen diese Sender tragen, auch Fische oder Meeressäuger – und hoffentlich in wenigen Jahren sogar Heuschrecken und Schmetterlinge.

Superleichte Sender

Der Icarus-Sender wiegt nur rund 5 Gramm und ist damit auch für kleine Tiere geeignet. Seit 2011 wurde an der Technik und dem Design gebastelt. Ornithologe Jesko Partecke erklärt: "Die Amseln kriegen den Sender wie eine Hose angezogen. Der Sender sitzt dann über dem Rücken, über den Beinen, und die zwei Gummischlaufen gehen quasi innen an den Schenkeln hoch." Die Sender werden mit Solarenergie betrieben. Sie funken ihre Signale bis in 400 Kilometer Höhe, wo sie von der neu installierten Antenne der ISS empfangen werden.

Mini-Sender auf Finger

Der Minisender für Tiertracking

Tierbewegungen zur Vorhersage von Vulkanausbrüchen

Die Wanderungsbewegungen von Tieren sind Wikelskis Lebensthema. Er ist schon Fledermäusen in Mexiko hinterhergeflogen, hat Streifengänse im Himalaya beobachtet und Ziegen am Ätna, um zu sehen, ob ihre Bewegungen Hinweise geben auf bevorstehende Vulkanausbrüche. Icarus soll künftig solche Tierbewegungen weltweit vom All aus beobachten.

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Prof. Dr. Martin Wikelski über den Sinn des ICARUS-Projektes

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Die vielfältigen Einsatzgebiete der Tierbeobachtung aus dem All


Erstes Projekt: die Amseln

Icarus beginnt mit der Beobachtung von Amseln. Sie dienen auch dazu, das ganze System zu testen. Die Idee: Es gibt Amseln, die im Winter wegziehen. Andere dagegen - wie die spanische Amsel – bleiben das ganze Jahr an ihrem Standort. Nun wollen Radolfzeller Ornithologen spanische Amseln mit dem ICARUS-Sender ausstatten und in einem anderen Land aussetzen. Die große Frage: Ändert die sesshafte Amsel ihr Verhalten, wenn sie in Regionen gebracht wird, in denen alle Amseln weiterziehen? Passt sie sich also an? Oder bleibt sie auch hier ihrem Standort treu - was für einen starken genetischen Einfluss auf das Zugverhalten sprechen würde. Umgekehrt wollen die Ornithologen testen, ob eigentlich ziehende Amseln sesshaft werden, wenn man sie schon früher ins Winterquartier bringt.

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ICARUS - Tierbeobachtung aus dem All

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Flughunde und Amseln gehen jetzt ins All! Zumindest ihre Daten… Zwei Kosmonauten schlüpfen Mittwochabend in ihre Raumanzüge und installieren eine Spezial-Antenne an der ISS. Forscher aus dem Ländle können so Tierwanderungen auf der Erde beobachten.


Einmal ISS und zurück - die lange Reise der Daten

Am 13. Februar 2018 hat eine Rakete vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur die ICARUS-Antenne zur ISS gebracht. Bei einem Außeneinsatz unter Kommando von Alexander Gerst wurde die Spezialantenne im August 2018 montiert. Jetzt wird sie in Betrieb genommen.

So funktioniert die Tierbeobachtung aus dem All

Zunächst ermittelt der kleine Sender-Rucksack auf den Tieren die GPS-Koordinaten des Tieres auf der Erde und speichert sie. Sobald die ISS in ihrer Umlaufbahn sich wieder über den Tieren befindet, wird der Sender aktiviert und schickt die GPS- und Bewegungsdaten der Tiere zur ISS. Von dort werden die Daten auf die Erde geschickt und laufen dort in eine eigene Datenbank für Tierbewegungen.



Tüftler wollen Sender so stark verkleinern, dass sie auch auf Bienen passen

Für diese Versuche muss zunächst aber die Technik lückenlos funktionieren. Obwohl die Tüftler schon Jahre daran arbeiten, ist die Größe der ICARUS-Senders immer noch die Herausforderung. Die Technik, um Daten 400 Kilometer weit zur ISS zu schicken, der solarbetriebene Akku – all das braucht Platz. Die Forscher planen den Sender weiter zu verkleinern, sodass er auch auf kleinere Vögel und sogar Bienen passen kann.

Überblick über die Datenströme von Icarus. Die ISS empfängt die Bewegungsdaten von den Tiersendern und schickt sie zurück zur Erde, wo sie im Datenzentrum gesammelt, verrechnet und anschließend in der

Überblick über die Datenströme von Icarus. Die ISS empfängt die Bewegungsdaten von den Tiersendern und schickt sie zurück zur Erde, wo sie im Datenzentrum gesammelt, verrechnet und anschließend in der „Movebank“ abgelegt werden. Diese Datenbank dient als Archiv für Bewegungsdaten vieler tausend Tierarten, die von der wissenschaftlichen Gemeinschaft oder Apps wie dem "Animal Tracker" ausgewertet werden können.

In Zukunft können Tiere überall auf der Welt geortet werden

Das Projekt Icarus macht Tierüberwachung möglich, wie sie mit der bisherigen Technik über das Mobilfunknetz nicht funktionieren konnte. Dazu können die Forscher mehrmals täglich Daten von ihren Tieren abfragen.

Bis das System auf der ISS betriebsbereit ist, haben die Forscher nun noch etwas Zeit, um ihre Sender zu optimieren. Die ersten Ergebnisse über die Flugbahnen der Tiere erhoffen sich die Wissenschaftler schon im kommenden Herbst. 

Biene, die sich auf einem Finger abgesetzt hat.

Möglicherweise auch bald Trägerin eines ICARUS-Senders?