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Neue Studie Tiefe Hirnstimulation gegen Depression

Eine neue Behandlungsmethode kann Menschen mit schwerer Depression helfen. Das legt eine Studie der Universitätskliniken Freiburg und Bonn nahe. Bei sechzehn als behandlungsresistent geltenden Menschen mit schweren Depressionen wurde das Belohnungssystem im Gehirn stimuliert – mit nachhaltigem Erfolg.

Depression ist eine Volkskrankheit: Rund 20 Prozent der Deutschen haben in ihrem Leben eine depressive Phase. Die jetzt veröffentlichte Studie bringt Hoffnung für diejenigen, die chronisch von Depressionen geplagt sind und bei denen Medikamente und Psychotherapie nicht wirken.

Über zwei im Gehirn eingesetzte Elektroden haben die Forscher einen Teil des Belohnungszentrums stimuliert, mit dem Ergebnis, dass sich die Schwere der Depression im Schnitt halbierte. Für die Hälfte der Behandelten lagen die Werte sogar unterhalb dessen, was als behandlungsbedürftig angesehen wird. Die meisten Behandelten reagierten bereits innerhalb der ersten Woche.

Elektroden für die tiefe Hirnstimulation bei Depression

Die Elektroden für die tiefe Hirnstimulation bei Depression werden beidseits im medialen Vorderhirnbündel slMFB (grün) platziert. 

Langfristige Wirkung bei tiefer Hirnstimulation

Trotz der geringen Teilnehmerzahl von sechzehn ist Studienleiter Prof. Dr. Thomas Schläpfer, Leiter der Abteilung für Interventionelle Biologische Psychiatrie in Freiburg, von der Signifikanz der Ergebnisse überzeugt: „Das hier sind ganz sicher keine zufälligen Daten und das absolut faszinierende für mich ist, dass die Daten ebenso eine Langzeitstabilität haben.“

Der Forscher geht sogar einen Schritt weiter und geht nach aktuellem Stand von einer langfristigen Wirkung bei besonders schweren Erkrankungen aus: „Es gibt in der Psychiatrie keine Therapie, die über Monate, Jahre und Jahrzehnte funktioniert. Tiefe Hirnstimulation scheint gerade bei diesen Patienten zu wirken.“

Nebenwirkungen noch nicht ausreichend erforscht

Bei den bisher an der Studie beteiligten Probanden sind nur geringe Nebenwirkungen aufgetreten. Einige haben kurzfristig über Sehstörungen geklagt, was laut Thomas Schläpfer auf die räumliche Nähe zwischen dem die Augenmuskulatur kontrollierenden Teil des Gehirns und des von den Forschern angesteuerten Belohnungssystems zurückzuführen ist. Die Sehstörungen konnten aber innerhalb von Sekunden wieder korrigiert werden.

Allerdings warnt der Forscher: „Da muss man ein bisschen warnend sagen: winzige Patientengruppen. Vielleicht gibt es, wenn man sich größere Zahlen anschaut, dann doch auch mal Nebenwirkungen.“

Prof. Dr. Thomas Schläpfer, Leiter der Abteilung für Interventionelle Biologische Psychiatrie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg

Prof. Dr. Thomas Schläpfer, Leiter der Abteilung für Interventionelle Biologische Psychiatrie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg, leitete die Studie zur Tiefen Hirnstimulation bei Depression.

Folgestudie läuft – Zulassung erhofft

Durch den komplexen Eingriff und die Operation entstehen pro Studienteilnehmer Kosten von ungefähr 200.000 Euro. Trotzdem ist jetzt eine Folgestudie angelaufen, an der 50 Probanden teilnehmen. Mit einer Auswertung der gesammelten Daten rechnet Prof. Schläpfer in rund zwei Jahren: „Ich hoffe sehr, dass wir dann die Daten haben für eine vorläufige allgemeine Zulassung.“