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Die "Eidgenössische Materialprüfungsanstalt" aus Dübendorf bei Zürich präsentiert die Tankstelle der Zukunft

Genfer Autosalon So sieht die Tankstelle der Zukunft aus

Von Thomas Wagner

Die autarke Tankstelle der Zukunft produziert ihren Sprit selbst - eine Vision, die auf dem Genfer Autosalon vorgestellt wird. Die Tankstelle der Zukunft bietet alles: von Diesel bis Wasserstoff.

Präsentation der Tankstelle der Zukunft

Neben neuen PS-starken Fahrzeugen beschäftigen sich die Aussteller in Genf auch mit zukunftsweisende Technologien: Von Elektromobilität bis Erdgas. Eng damit zusammen hängt auch die Frage: Wie kommen die Zukunfts-Kraftstoffe ins Zukunfts-Auto? Sprich: Wie sieht die Tanksteller der Zukunft aus? Dieser Frage geht ebenfalls einer der Aussteller nach - die "Eidgenössische Materialprüfungsanstalt" aus Dübendorf bei Zürich. Umrahmt von teuren Luxus-Flitzern aus blinkendem Chrom und Stahl, wirkt ihr Messestand fast wie ein Exot aus

Auch das Bedienpanel der Öko-Tankstelle ist auf dem neuesten Stand der Technik

Auch das Bedienpanel der Öko-Tankstelle ist auf dem neuesten Stand der Technik

Von Diesel bis Wasserstoff - alles an einer Tankstelle

Ziel ist, die verschiedenen Angebote an einer einzigen Tankstelle zu bündeln: Diesel, Benzin, elektrischer Strom, Gas - und Wasserstoff. Vor allem der Umgang mit Wasserstoff wird, so auch Christian Bach, Leiter der Abteilung "Fahrzeug- und Antriebssysteme" bei der EMPA, als schwierig eingestuft: Da Wasserstoff unter hohem Druck sowohl im Behälter der Tankstelle als auch im Autotank gespeichert wird und zudem als hochexplosiv gilt, zeigen sich viele Autofahrer eher reserviert gegenüber dieser Technologie.

Wasserstofftanken mit Abriss-Sicherung

Zu Unrecht, findet Christian Bach. Er nimmt den entsprechenden Zapfhahn in die Hand. Dieser ist mit einem zylinderförmigen Etwas ausgestattet, das auf den ersten Blick so ähnlich aussieht wie eine Cola-Büchse. Ehe sich Christian Bach versieht, zeigt die elektronische Anzeige auf der digitalen Zapfsäule an: "Full."

Tanken mit Wasserstoff erfordert hohe Sicherheitsstandards

Tanken mit Wasserstoff erfordert hohe Sicherheitsstandards

Es ist eine sichere Verbindung, erklärt Bach. Denn man kann die Zapfpistole nicht wegnehmen, ohne dass die Wasserstoff-Befüllung gestoppt wird. Auch wenn man wegfährt, denn es gibt eine Abriss-Sicherung.

Nutzung von Stromüberschüssen

Denn neben der Befüllungstechnologie zeichnet sich die Zukunftstankstelle auf dem Genfer Messegelände vor allem durch eines aus: Nicht nur der Strom für Elektroautos, sondern alle Kraftstoffarten, die dort bereitstehen, werden ökologisch nachhaltig erzeugt. Dabei gehen die Techniker von der Grundannahme aus, dass wir in Zukunft zu viel Energie und zu viel Strom produzieren werden.

Der Grund: Erneuerbare Energien werden in Zukunft einen immer stärkeren Anteil am Energiemix haben. Das sorgt heute schon zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten für Stromüberschüsse. Und die könnten, so sieht es das EMPA-Konzept vor, zur Wasserstoff-Erzeugung für die Zukunftstankstelle genutzt werden: Unter Stromzufuhr entsteht aus ganz normalem Wasser Wasserstoff und Sauerstoff.

Die Idee der Tankstelle ist auch, mit überschüssiger Stromenergie direkt vor Ort Treibstoffe zu erzeugen

Die Idee der Tankstelle ist auch, mit überschüssiger Stromenergie direkt vor Ort Treibstoffe zu erzeugen

Doch auch althergebrachte Treibstoffarten wie Diesel- oder Benzin werden nach diesem Konzept hergestellt: Statt begrenzte fossile Erdöl-Vorräte aufzubrauchen, lassen sich wiederum unter Zufuhr von Öko-Strom sogenannte "synthetische Kraftstoffe" erzeugen - in einem mehrstufigen chemischen Prozess.

Synthetische Benzine und Diesel

Synthetische Treibstoffe stellt man ebenfalls aus überschüssigem Strom her. Dabei lässt man Wasserstoff mit CO2 reagieren, das der Atmosphäre entzogen wird. Unter Stromzufuhr entsteht dadurch eine Art 'synthetisches Benzin' oder, je nach dem vorgewählten chemischen Prozess, ein 'synthetischer Diesel'.

Voraussetzung dabei ist, dass dafür genügend überschüssiger Öko-Strom zur Verfügung steht. Ist dies der Fall, gilt das Verfahren als besonders umweltschonend, weil es als CO2 neutral gilt.

Die autarke Tankstelle produziert ihren Sprit selbst

Will heißen: Beim Verbrennen solcher synthetischen Kraftstoffe entweicht gerade mal nur so viel CO2 durch den Auspuff in die Umwelt, wie zuvor für die Erzeugung des synthetischen Kraftstoffes der Atmosphäre entzogen wurde.

Vor allem die Vision einer vollständig autarken Zukunftstankstelle, die Wasserstoff sowie synthetisches Benzin und Diesel selbständig erzeugt, fasziniert die Schweizer Experten. Bis diese Vision allerdings Wirklichkeit wird, dauert es wohl noch ein Weilchen, glaubt Belian Kiss-Borlase, Techniker bei EMPA. Er hofft, dass es im Jahr 2035 funktioniert.