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Ein Moor mit einer kleinen Insel, auf der ein Baum steht.

Tag der Artenvielfalt Faszinierende Biotope

Vor kurzem ist der alte Flugplatz in Karlsruhe für zwei Jahre als UN-Projekt für biologische Vielfalt ausgewählt worden. Im Südwesten gibt es eine Reihe weiterer Projekte zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. SWR2 Impuls sprach darüber mit NABU-Artenschutzreferent Martin Klatt.

Artenvielfalt kann man, so Martin Klatt, nicht losgelöst von biologischer Vielfalt sehen. Denn die Artenvielfalt ist nur ein kleines Stückchen der biologischen Vielfalt. Die biologische Vielfalt aber sei der Schlüssel zum Artenerhalt, denn damit erhalte man auch die Vielfalt der Lebensräume. Zur biologischen Vielfalt zählt allerdings auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten.

Der alte Flugplatz in Karlsruhe - Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen

Vor gut 180 Jahren übten hier badische Soldaten fürs Gefecht. Heute explodieren auf dem Alten Flugplatz nur noch die Früchte des Storchschnabels, und Bombardierkäfer feuern chemische Nahkampfwaffen ab. Auf dem ehemaligen "Großen Exercierplatz" und späteren Militärfluggelände haben sich einzigartige Sand- und Magerrasen entwickelt, die vielen seltenen und gefährdeten Pflanzen- und Tierarten wertvollen Lebensraum bieten – und das mitten in der Stadt.

Gottesanbeterin

Auch Gottesanbeterinnen finden sich auf dem Gelände des Alten Flugplatzes bei Karlsruhe



"Hungerkünstler" und hitzetolerante Tiere fühlen sie hier besonders wohl. Pflanzen wie das Silbergras, der Reiherschnabel oder der Bauernsenf können heiß und trocken ertragen. Gottesanbeterinnen, Steppenbienchen oder Sandlaufkäfer finden hier ihre Heimat. An Vögeln finden sich auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens u.a. Schwarzkehlchen oder Neuntöter. Diese Tiere würden zum Beispiel in den Rheinauen, wo es immer nass ist, nicht hausen.

Weitere Natur-Refugien im Südwesten

Das Bundesamt für Naturschutz hat die "Hotspots", also die Orte mit der höchsten biologischen Vielfalt, ermittelt. Bundesweit sind das 30 Orte. Vier davon liegen in Baden-Württemberg: Einer diese Bereiche nennt sich nördliche Oberrheinebene und Hardtplatten, zu dem auch das Gelände des alten Flughafens in Karlsruhe zählt. Weitere Gebiete sind bestimmte Regionen des Hochschwarzwalds, die oberschwäbischen Moore oder die Trockengebiete auf der Schwäbischen Alb.

Wurzacher Ried

Das Naturschutzgebiet Wurzacher Ried bei Bad Wurzach ist eines der größten intakten Hochmoorgebiete Europas.

Auch in Baden-Württemberg Artenvielfalt gefährdet

Nach der Einschätzung von Naturschutzexperte Martin Klatt ist es um die Artenvielfalt in Baden-Württemberg auch nicht besser bestellt als in den anderen Bundesländern. Wir stehen da, so Klatt, noch sehr in der Pflicht der Vielfaltkonvention von Rio aus dem Jahre 1992, das Naturerbe zu erhalten. In Baden-Württemberg gebe es dafür schon gute Strategien. Es gebe allerdings noch Probleme in der Umsetzung. Zwischen den Schutzgebieten fehlen, so Klatt, oft die Verbindungen, der sogenannte Biotopverbund. Die Tiere und Pflanzen finden gar nicht zueinander.

Das Fazit:

Ärmel hochkrempeln. Es gibt immer noch viel zu tun! Dafür kann auch jeder Einzelne was tun. Regionale Produkte konsumieren. Das Auto auch mal stehen lassen. Und sich beim Aufenthalt in solchen Schutzgebieten bitte an die Regeln halten.