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Die neue Space X Rakete Falcon Heavy

SpaceX schießt Sportwagen ins All Superrakete für Weltraumtouristen

Die Rakete "Falcon Heavy" der amerikanischen Raumfahrtfirma SpaceX ist erfolgreich ins All gestartet. Mit an Bord: ein Sportwagen. Mittelfristig sollen Touristen zum Mond und später zum Mars befördert werden.

Hohe Ziele hat sich das amerikanische Raumfahrtunternehmen SpaceX für dieses Jahr gesetzt. Nicht nur soll die Trägerrakete Falcon 9 Astronauten zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen – im Dezember plant das Unternehmen von Elon Musk sogar, zwei Weltraumtouristen ins Weltall befördert werden.

In der Falcon Heavy sollen sie den Mond umrunden. Statt neun Triebwerken wie die kleinere Vorgängerversion Falcon 9 ist sie mit 27 Triebwerken ausgestattet und ist damit die aktuell stärkste und schwerste Trägerrakete. Um sicher zu gehen hatte SpaceX am 24. Januar 2018 bereits eine Testzündung durchgeführt, bei der für zwölf Sekunden alle Triebwerke der Falcon Heavy gezündet wurden. Dabei wurde die Rakete von zwei Krallen auf der Plattform festgehalten. Dieser Test verlief erfolgreich.

Beim Jungfernflug an Bord ist ein Sportwagen

Der Jungfernflug der Falcon Heavy fand dann am Dienstag den 6. Februar 2018 unter dem Jubel Zehntausender Schaulustiger auf dem Raketenstartgelände Cape Canaveral in Florida statt. Von hier aus hatten bereits die ersten bemannten Raumflüge der USA ihren Weg ins All angetreten, Mercury-, Gemini- und Apollo 7. Ziel der Schwerlastrakete Falcon Heavy ist eine Umlaufbahn um die Sonne, die in Teilen in der Nähe des Mars entlang führt.

Beim Jungfernflug an Bord sind weder Messgeräte oder gar Menschen. Stattdessen soll ein dunkelroter Sportwagen von Tesla, einem anderen Unternehmen von Elon Musk, das Elektroautos entwickelt, in Richtung Mars gebracht werden. Das Autoradio soll dabei Space Oddity von David Bowie spielen – ein Marketing-Gag von Elon Musk.

Auch ein Tesla Roadster Sportwagen soll mit der Falcon Heavy Rakete ins All befördert werden

Auch ein Tesla Roadster Sportwagen soll mit der Falcon Heavy Rakete ins All befördert werden. Tesla-Chef Elon Musk twitterte neulich " Ich liebe den Gedanken, dass ein Auto scheinbar endlos durch den Raum treibt und vielleicht in Millionen von Jahren von Außerirdischen entdeckt wird."

Nicht alles hat beim Jungfernflug geklappt

Der Start der Rakete selbst verlief problemlos - ein Riesenerfolg für SpaceX. Dabei hätte während des Jungfernflugs viel schiefgehen können. So hatte Firmengründer Elon Musk im Vorfeld von einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit gesprochen, dass die Rakete explodieren könnte. Wären etwa nicht alle Triebwerke aufeinander abgestimmt innerhalb weniger Millisekunden gestartet, hätte die Falcon Heavy noch auf dem Startplatz durch zu starke Schwingungen beschädigt werden können. Selbst Elon Musk hatte gehofft, dass es die Rakete beim Start wenigstens weit genug von der Startrampe weg schafft, um diese im Fall einer Explosion nicht zu zerstören.

Video: Start der Falcon Heavy (Quelle: SpaceX)

Wegen starker Winde ist der Start der "Falcon Heavy" in Cape Canaveral dann auch tatsächlich zwei Mal verschoben worden. Zwei der zum Start genutzten Boosterraketen setzten wenige Minuten nach dem Start wie geplant wieder auf dem Luftwaffenstützpunkt Cape Canaveral auf. Der dritte, mittlere Booster hatte sich später von der Rakete gelöst. Allerdings missglückte die sanfte Landung auf einem ferngesteuerten Schiff im Atlantik. Der mittlere Booster landete direkt im Atlantik.

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Am Dienstag, 13. Februar 2018 ist vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur eine Rakete erfolgreich gestartet - mit an Bord eine Spezialantenne für das ICARUS-Projekt.

Bei der Jungfernreise der "Falcon Heavy" handelt es sich um einen reinen Testflug. Die Raketen des Modells sollen nach Musks Plänen eines Tages Versorgungsmaterial und vielleicht auch Astronauten zum Mond und Mars fliegen. Die "Falcon Heavy" kann eine Ladung von fast 64 Tonnen transportieren.

Weltraumtouristen sollen den Mond umrunden

Ein weiterer großer Schritt von SpaceX ist dann, im Dezember zwei Weltraumtouristen mit der Falcon Heavy ins Weltall zu schießen. Guido Meyer, Wissenschaftsjournalist und Weltraumspezialist, hält diesen Plan allerdings für unrealistisch: „Das wäre erst der vierte Flug der Falcon Heavy. Es wird Jahre dauern, bis die Rakete erprobt ist und zuverlässig fliegt.“

Dass SpaceX sich trotzdem dieses sportliche Ziel für Dezember gesetzt habe, könnte mit Space Adventures zusammenhängen. Dieses Unternehmen hat bislang als einziges schon mehrere Weltraumtouristen in den Weltraum befördert und für 2019 ebenfalls eine Mondumrundung mit Weltraumtouristen geplant.

Mit der Dragon Raumsonde können vielleicht in naher Zukunft Menschen ins All befördert werden

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Wahrscheinlicher findet es Guido Meyer dagegen, dass Astronauten noch dieses Jahr mit der Falcon 9 insAll fliegen. Nach Plänen der NASA sollen sie im Dezember den ersten bemannten Flug in einer Dragon 2, einer ebenfalls von SpaceX entwickelten Raumkapsel, zur Internationalen Raumstation ISS antreten. Der erste unbemannte Testflug der Raumkapsel, bei der sie die Erde umkreisen soll, ist für August geplant. Da die Falcon 9 schon länger im Einsatz sei, so Guido Meyer, sei dieses Ziel wohl einfacher zu erreichen.

Wohnungskuppel für Leben auf dem Mars

Die längste Zeit, die Astronauten in der Schwerelosigkeit verbracht haben, beträgt 437 Tage. Um aber dauerhaft etwa auf dem Mond oder dem Mars leben zu können, entwickeln Forscher vom Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation in Bremen ein geeignetes Habitat.

Grundlage dafür ist ein Forschungsprojekt, bei dem die Geophysikerin Christiane Heinicke bis August 2016 für ein Jahr mit fünf Kollegen in einer nur 100 Quadratmeter großen Wohnungskuppel auf dem hawaiianischen Vulkan Mauno Loa gelebt hat. Abgeschnitten von der Außenwelt - selbst eine E-Mail brauchte 20 Minuten bis zu ihrem Empfänger - haben die Forscher Lebensbedingungen auf dem Mars simuliert.

Die Wissenschaftlerin Christiane Heinicke bei einer simulierten Marsmission auf Hawaii

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Versorgen mussten sie sich autark. Gefriergetrocknetes und selbst angebautes Gemüse standen auf dem Speiseplan, Luft und Wasser mussten wieder aufbereitet werden. Christiane Heinicke hat daran geforscht, wie man das im Boden gebundene Wasser gewinnen kann. So könnte etwa Permafrost auf dem Mars genutzt werden. Bis aber tatsächlich Menschen auf dem Mond oder Mars leben könnten, werden noch Jahre vergehen.