Die Suche nach einem geeignetem Atommüll-Endlager ist ein langwieriger Prozess. (Foto: imago images, imago images/Arnulf Hettrich)

Atommüll

So werden mögliche Standorte für Endlager ermittelt

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Die Bundesgesellschaft für Endlagerung hat eine Karte mit möglichen Standorten für ein Endlager für Atommüll in Deutschland veröffentlicht. Nach welchen Kriterien wird der beste Standort ermittelt?

Die Anforderungen für die atomare Endlagerung sind hoch:
Für den Atommüll soll ein Endlager tief in der Erde gebaut werden, in ein „Wirtsgestein“, dass seit vielen Millionen Jahren unverändert und stabil ist.

Als geeignete Wirtsgesteine gelten:

  • Salz
  • Ton, und
  • kristallines Gestein, wie Granit.

Transparentes Auswahlverfahren für Atommüll-Endlager

Die Geolog*innen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) beurteilen anhand von vorhandenen Daten über die Gesteine im Untergrund, ob eine Region grundsätzlich für das geplante Atomendlager in Frage kommt.

Das Team von Steffen Kanitz will bei der Endlagersuche die Fehler der Vergangenheit vermeiden: keine Einflussnahme der Politik, kein „Gorleben ist gesetzt“ – stattdessen volle Transparenz.

„Der Startpunkt ist die weiße Deutschlandkarte und ist das Versprechen, dass es keine Vorfestlegung auf einzelne Standorte gibt. Und daneben gibt es eben auch die Vorfestlegung, dass es nicht um politische Entscheidungen geht, sondern dass wir wissenschaftlich getrieben arbeiten. Am Ende entscheidet der Bundestag aber auf Basis eines wissenschaftlichen, partizipativen und transparenten Verfahrens, das wir hier auch durchführen.“

Steffen Kanitz (l.) und Stefan Studt (r.)  - beide sind Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung BGE - stellten in einer Pressekonferenz mögliche Standorte für ein Endlager vor. (Foto: imago images,  imago images/Jürgen Heinrich)
Steffen Kanitz (l.) und Stefan Studt (r.) - beide sind Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung BGE - stellten in einer Pressekonferenz mögliche Standorte für ein Endlager vor. imago images/Jürgen Heinrich

Sicheres Endlager für eine Million Jahre


Ein Bergwerk öffnet den Weg hinab durch die schützenden Gesteinsschichten in die Tiefe. Dort sollen die strahlenden Abfälle dann für eine Million Jahre sicher verwahrt sein. Dafür müssen die Zugangsschächte am Ende so verschlossen werden, dass sie wieder genauso dicht wie das umliegende Wirtsgestein und die schützenden Gesteinsschichten darüber sind.

Das Finden eines geeigneten Standortes ist erst die halbe Miete. Der Bau eines entsprechenden Endlager-Bergwerkes kann auch noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. (Foto: SWR, SWR/ Patrick Hünerfeld)
Das Finden eines geeigneten Standortes ist erst die halbe Miete. Der Bau eines entsprechenden Endlager-Bergwerkes kann auch noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. SWR/ Patrick Hünerfeld

Endlager muss geologisch stabil sein

Die ganze Region muss geologisch stabil sein, so dass es zu keinerlei Bewegungen oder Störungen kommt, damit beispielsweise kein Wasser in das Endlager eindringen kann.

Denn würde das geschehen, könnte der hochgiftige, strahlende Müll zurück an die Oberfläche gelangen. Das darf keinesfalls passieren. Deshalb suchen die Geologinnen im ersten Schritt die nicht geeigneten Regionen, also die Regionen, die keinesfalls für ein Atomendlager geeignet sind:

  • Wenn es etwa junge Grundwasservorkommen gibt, die aus tiefen Schichten zur Oberfläche aufsteigen.


  • Wenn der Untergrund durch Bergwerke und Bohrungen stark vorgeschädigt ist.


  • Oder wenn es bekannte Störungszonen gibt.
Wenn es irgendwelche Störungen im Untergrund gibt, ist das Gebiet nicht als Endlager für Atommüll geeignet. (Foto: SWR, SWR/ Patrick Hünerfeld)
Wenn es irgendwelche Störungen im Untergrund gibt, ist das Gebiet nicht als Endlager für Atommüll geeignet. SWR/ Patrick Hünerfeld


„Das sind Störungszonen. Und an diesen Flächen gehen wir davon aus, dass es Bewegung gibt. Also dass sich diese beiden Gesteinsblöcke gegeneinander verschieben können. Und auch das erzeugt wieder Bewegung im Untergrund. Scherkräfte wirken, und das sind auch wieder Phänomene, die wir in der Nähe eines Bergwerks nicht haben wollen.“

  • Auch Gebiete in denen Erdbeben drohen, scheiden aus.
  • Ebenso Räume in denen sich die Erde noch deutlich hebt, wie in den Alpen.


  • Und Gegenden, in denen Vulkane in der Zukunft unseren Atommüll zurück in die Atmosphäre katapultieren könnten, wie in der Eifel.


All diese Regionen werden ausgeschlossen und nicht weiter untersucht.

In den Alpen kann es zu Anhebungen einzelner Gesteinsschichten kommen. Auch das ist ein Ausschlusskriterium für ein mögliches Endlager. (Foto: SWR, SWR/ Patrick Hünerfeld)
In den Alpen kann es zu Anhebungen einzelner Gesteinsschichten kommen. Auch das ist ein Ausschlusskriterium für ein mögliches Endlager. SWR/ Patrick Hünerfeld

Karte zeigt mögliche Endlager-Gebiete

So wird aus der anfangs weißen Deutschlandkarte eine zweigeteilte Karte: Grau sind die Bereiche, in denen aus Sicherheitsgründen kein Atomendlager möglich ist.

Weiß sind die Bereiche, für die es keine grundsätzlichen Sicherheitsbedenken gibt. Diese weißen Bereiche schauen sich die Geolog*innen nun genauer an.

Wo gibt es Vorkommen der drei möglichen Wirtsgesteine? Ton, kristallines Gestein, wie Granit oder Salz.

Und wie sind sie beschaffen? Erfüllen sie die vorgegebenen Mindestvoraussetzungen ?

Es gibt in Deutschland rund 90 Gebiete, die prinzipiell als Endlager geeignet wären.  (Foto: SWR, SWR/ Patrick Hünerfeld)
Es gibt in Deutschland rund 90 Gebiete, die prinzipiell als Endlager geeignet wären. SWR/ Patrick Hünerfeld
  • Das Wirtsgestein darf nicht durchlässig sein – muss also Stoffe, die in ihm gelagert werden, sicher zurückhalten. Das gilt sowohl für Salz, als auch Ton und kristallines Gestein.


  • Das Wirtsgestein darf auch nicht zu nah an der Erdoberfläche liegen: Mindestens 300 Meter Tiefe sind vorgeschrieben.


  • Zudem muss es mindestens 100 Meter mächtig sein, damit unser Atommüll von einer ausreichend dicken Schutzschicht umgeben ist.


  • Und es muss genug Fläche bieten, damit das Endlager hineinpasst.


  • Zudem müssen die Gesteinsschichten das Endlager über die vorgeschriebenen 1 Million Jahre sicher als Barriere schützen.

Teilgebiete potentiell als Endlager geeignet

So füllen die Geolog*innen die verbliebenen weißen Flächen mit den Gebieten, die als sogenannte "Teilgebiete" grundsätzlich für die Suche nach einem Atomendlager geeignet sind.

Das sind im Norden eine Reihe von Salzstöcken, zudem ein Band mit großflächigen Salzvorkommen quer durch die Republik. Fast der gesamte Norden – mit Ausnahme des Nordostens – weist grundsätzlich geeignete Tonvorkommen aus.

Solche Tonvorkommen finden sich auch im Südwesten in Baden-Württemberg und im angrenzenden Bayern, als auch im Osten Bayerns.



Zudem zieht sich ein breites Band grundsätzlich geeigneter kristalliner Gesteinsvorkommen von Sachsen über den Norden Bayerns bis hinunter in den Süden von Baden-Württemberg, wobei auch Hessen und Rheinland-Pfalz kleine Gebiete mit kristallinem Gestein aufweisen.

Alle diese Regionen, 90 an der Zahl, erfüllen die Grundvoraussetzungen und sind jetzt als sogenannte "Teilgebiete" benannt worden.

Damit kommen 54 Prozent der Fläche der Bundesrepublik grundsätzlich für die weitere Suche nach einem Atomendlager in Frage.

Die Suche nach einem geeignetem Atommüll-Endlager ist ein langwieriger Prozess.DIe Endlagersuche soll zwar möglichst auf wissenschaftlicher Basis laufen, doch Proteste der Bevölkerung sind vorprogrammiert. (Foto: imago images, imago images/Die Videomanufaktur)
DIe Endlagersuche soll zwar möglichst auf wissenschaftlicher Basis laufen, doch Proteste der Bevölkerung sind vorprogrammiert. imago images/Die Videomanufaktur

„Das heißt, wer heute in einem Teilgebiet ist, ist noch nicht in einem Endlagerstandort. Die Aussage ist, dass er auf einer der geologischen Formationen sitzt: Salz, Ton oder kristallin. Das sind die drei potenziellen Wirtsgesteine, die wir uns mal näher anschauen, nicht mehr und auch nicht weniger.“

Wo der deutsche Atommüll am Ende landet, ist also vollkommen offen. Bis 2031 soll die Endlagersuche noch dauern. Erst dann soll der bestmögliche Ort für den strahlenden Abfall aus den deutschen Atomkraftwerken endgültig gefunden sein.

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