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Die Corona-Pandemie hat den Alltag von Studierenden in Deutschland umgestellt. Sie mussten das Sommersemester zu Hause absolvieren und das hatte viele Auswirkungen.

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Videochat anstatt Präsenzveranstaltungen, leere Bibliotheken und Mensen. So sah die Situation im Sommersemester für die vielen Student*innen aus.
Wissenschaftler*innen vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim haben in einer bundesweiten Online-Befragung Daten von 2.350 Studierenden untersucht. Dabei ging es ihnen vor allem um die Erfassung von Sorgen, Ängsten und dem mentalen Zustand der Studierenden während der Krise.

Das fehlende soziale Umfeld

Die Gestik und Mimik des Gegenübers sehen und darauf reagieren ist im digitalen Raum schwierig und wurde von einer Vielzahl der Studierenden bemängelt. Viele brauchen den direkten Austausch im Hörsaal, vor allem in Diskussionen. Eine konkrete Interaktion zwischen den Professor*innen und den Studierenden oder zwischen den Studierenden untereinander ist durch das Sitzen vor dem Rechner in der Corona-Pandemie eingeschränkt. Hinzu kommt, dass eine ruhige Arbeitsatmosphäre zuhause nicht bei allen gegeben ist. Mal platzen die Eltern ins Zimmer rein oder das Telefon klingelt. Das sorgt für Ablenkung und die Konzentration in einem Online-Seminar nimmt ab.

Studenten in der Uni (Foto: Colourbox)
Vielen Student*innen fehlt besonders das Miteinander. Gemeinsam lernen und in der Mensa treffen ging im Sommersemester 2020 nicht.

Kulturelle Veranstaltungen besuchen, zum Hochschulsport mit den Kommiliton*innen gehen und sich auf den Fluren begegnen. Das konnte im Sommersemester nicht stattfinden. Fast 80 Prozent der Student*innen vermissen das Leben auf dem Campus und das Miteinander. Das geht aus der Studie der Uni Hildesheim hervor.

Technische Probleme und Ausstattung

Vor allem anfangs hatten die Universitäten und Hochschulen Probleme mit der Technik, da die Server einen Zugriff von so vielen Studierenden nicht standhalten konnten. Eine gut aufgestellte digitale Infrastruktur an den Unis fehlte, aber man reagierte und rüstete die Server entsprechend auf.

Dennoch gibt es auf Seiten der Student*innen Schwierigkeiten. Eine gute Internetverbindung oder Ausstattung ist nicht bei allen vorhanden. Laut der Studie wünschen sich 15-20 Prozent der Studierenden eine bessere Ausstattung, um das Studium bestmöglich zu absolvieren können. Manche Studierende, verfügen über keinen Laptop und können sich auch keinen leisten.

Es gab einige Unis die haben alte Laptops dann für Studierende zur Verfügung gestellt. An anderen Hochschulen hatten Studis, die eben keinen eigenen Laptop haben, erstmal Pech gehabt – mit der Ansage, ja man kann sich ja nen neuen Laptop kaufen.

Jacob Bühler, Student für Politikwissenschaft und Geschichte auf Lehramt an der Uni Tübingen

Finanzielle Sorgen

Einfach einen neuen Laptop kaufen? Bei manchen Studierenden ist das nicht einfach, denn arbeiten im Kino, Café oder Restaurant, all das ist im Sommersemester nicht möglich gewesen. Nebenjobs sind weggefallen und brachte einige Studierende in eine finanzielle Notlage. Knapp 44 Prozent haben in der Online-Befragung angegeben, dass sie sich um die Finanzierung ihres Studiums sorgen. Mental ist das keine leichte Situation, vor allem wenn Eltern, Verwandte oder Freunde finanziell nicht helfen können.

Studiengebühren (Foto: Colourbox)
Einige Studierende müssen ihr Studium selbst finanzieren und sorgen sich um die Zukunft, denn durch das Wegfallen von Nebenjobs in der Corona-Zeit hatten sie finanzelle Einbuße.

Beide meine Jobs, die für mich sehr relevant waren, um studieren zu können sind weggefallen. Das war schon ein ziemlich großer Stress und im Nachhinein merke ich erst wie sehr es mich gestresst hat – nicht zu wissen, wo mein Geld herkommt und auf Freunde und Bekannte angewiesen zu sein. Das war nicht schön.

Anna Langer, Studentin für Friedensforschung und internationale Politik, Uni Tübingen

Es gab schon entspanntere Zeiten für die Student*innen an den deutschen Universitäten. Mehr als die Hälfte wünscht sich kein weiteres digitales Wintersemester 2020/21. Inwieweit der Wunsch in Erfüllung geht bleibt abzuwarten, denn der Herbst ist da und das bedeutet wieder Hochsaison für Viren. Unter welchen Umständen der Lehrbetrieb an den Unis möglich ist, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

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